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Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke... PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 17. Oktober 2016 um 08:14 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..." -

da sieht jeder von Ihnen jemanden vor sich, im Geiste. Hoffe ich.

Wo Sie sagen: "Gott sei Dank, dass ich den hab/die hab....!"

Jemand, der Ihnen besonders gut tut...

Jemand, der Ihnen besonders nahe steht...

Jemand, der Ihnen schonmal eine große Hilfe war...

Jemand, von dem man liebevoll durchaus sagen könnte: "dich schickt der Himmel!"

"du bist doch ein Engel!"

"Gott sei Dank",

das heisst ja dann:

Das verdanke ich Gott, dass du da bist.

Da hat Gott seine Hand im Spiel, dass es mir mit dir gutgeht,

dass ich bei dir Hilfe finde;

und das wertet dann ja dieses Schöne nochmal extra auf,

wenn es nicht einfach nur glücklicher Zufall ist -

sondern Absicht. Gottes Absicht. Geschenk des Himmels.

Für uns.

"Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke!"

Ich hatte mal zwei echt schwierige Grundschulklassen. Immer Mittwoch vormittag;

jeweils gut zwanzig Kinder, die sind mir über Tische und Bänke getobt;

mittags nach diesen vier Unterrichtsstunden war ich regelmäßig schweißgebadet und heiser.

Ich war so froh, wenn ein schulfreier Tag auf den Mittwoch fiel... -

...und wenn nicht? wenn klar war, diesen Mittwoch muss ich da wieder hin? dann war ich ziemlich oft schon am Dienstag nachmittag grantig.

Irgendwann hab ich die Schülerlisten genommen. Insgesamt mehr als vierzig Namen... und ich hab mit Buntstift dick oben drüber geschrieben:

"Ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke!"

Und ich hab versucht, diese Buben und Mädchen nicht nur als kleine Monster zu sehen,

sondern als Kinder Gottes.

Da hab ich viel Phantasie dafür gebraucht; auch viel guten Willen....

Ich konnte sie nicht wirklich gut unterrichten.

Sie haben mir leider nicht zugehört.

Aber im Lauf eines langen, lauten und harten Schuljahres hab ich sie wenigstens nicht gehasst. Ich hab sie im Gegenteil manchmal bewusst in mein Nachtgebet eingeschlossen, wenn auch manchmal zähneknirschend.

Sieht da jemand von Ihnen auch jemand vor sich?

Der einen an die eigenen Grenzen bringt?

der einen mit den Zähnen knirschen lässt?

und einem die Laune verdirbt?

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..."

Damit ist das Problem nicht gelöst - aber trotzdem schon viel gewonnen....

Warum?

Was ändert sich dadurch?

Ich glaube nicht, dass mir Gott die schwierigen Schüler zugedacht hat, um mich zu quälen, auch nicht, um mich beten zu lehren oder Demut oder auch nur Geduld.

Meine schwierigen Schüler sind keine Strafe Gottes,

und ich muss Gott nicht dafür danken, dass sie rumschreien und U-Hakerl schießen und faul sind.

Ich danke Gott nicht dafür, dass mir mein Unterricht dort keinen Spaß macht.

Aber: wenn auch der Unterricht keinen Spaß macht,

dann sind die Schüler trotzdem Gottes Geschöpfe.

Wenn ich sie anschau

und ich halt mir dabei vor Augen,

dass sie auch von Gott gemacht,

auch von Gott gewollt und geliebt sind, genau wie ich,

dann sind sie immerhin nicht mehr meine Feinde.

Damit ist viel gewonnen.

Gott ist nicht mein Feind;

und meine Mitmenschen?

die sind von Gott geschaffen und sind auch nicht meine Feinde.

Vielleicht benehmen sie sich so.

Aber sie stammen aus derselben Werkstatt,

aus derselben Hand Gottes wie ich auch.

Mich haben meine Schüler damals an meine Grenzen gebracht -

wer bringt Sie an Ihre Grenzen?

Auf die Palme?

Zur Weißglut?

Stellen Sie sich den oder die genau vor -

und setzen Sie dann dieses Bibelwort vom Paulus als Überschrift über dieses innere Bild:

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..."

Viel verlangt.

Aber so wird mir bewusst, wo die Welt her ist, in der ich lebe.

Wer die Erde in seiner Hand hält, auf der ich mein Leben verbringe;

und wenn er die ganze Welt in seiner Hand hält -

dann kommt von ihm auch das, was so Tag für Tag und Woche für Woche mein Leben bestimmt.

Und wenn der liebe Gott auch den Menschen gemacht hat, der mich grad nervt -

dann sollte ich ihn, diese Nervensäge, vielleicht trotzdem zumindest nicht hassen.

"Dankbar" sollen wir sein - aber nicht für alles und jedes. Nicht wahllos.

Oft hör ich von Ihnen, ich muss dankbar sein, dass es mir noch so geht, wie es mir geht.

"Schlimmer geht immer!"

"Ich bin dankbar, wenn ich allein für mich sorgen kann."

"Danke für meine Arbeitsstelle, danke für jedes kleine Glück,

danke für alles frohe, helle - und für die Musik"...

Ich kenn auch Zeiten, da gelingt mir das überhaupt nicht. Gar nicht.

Von Dankbarkeit bin ich meilenweit entfernt;

Da kommt mir alles schwarz und trostlos vor;

wenn mir dann jemand kommt und sagt, sei doch dankbar -

da werd ich echt grantig.

Es gibt mancherlei, dafür kann ich nicht dankbar sein,

das wär zynisch.

So wie man früher Kinder verhauen hat und sie gezwungen hat, dass sie sich dann noch dafür bedanken. Unser Gott ist nicht zynisch.

Aber: in der Bibel steht auch nicht, dass wir für alles dankbar sein sollen,

sondern dass wir in allem, auch in allem Dunklen und Bitteren, trotzdem noch sehen sollen, wofür wir dankbar sein können.

Und das sind sicher keine Grausamkeiten

und nicht, dass alles noch schlimmer sein könnte;

wir danken nichtmal nur dafür, dass wir hier, auf der Erde, "leben dürfen", es gibt nämlich durchaus auch Zeiten, da will ich noch nichtmal mehr das. Noch nicht mal mehr leben.

Manche Menschen leben ausgesprochen schlecht in ihren Tagen auf Erden,

und das sicher auch nicht durch Gottes Wille.

Deshalb müssen sie auch nicht dankbar sein, dass sie leben!

Sondern dankbar können wir sein,

dass wir nicht im rechtsfreien Raum leben,

sondern dass diese Welt einen Hausherren hat, einen obersten Chef,

und der steht auf der Seite der Menschen.

Immer. Unbedingt.

Gott ist parteiisch, für die Menschen.

Er hat sich mit ihnen versöhnt!

Wir haben Frieden mit dem Herrn dieser Welt!

Dafür können wir tatsächlich dankbar sein,

denn das ist nicht selbstverständlich -

und gleichzeitig kommt es allem voran darauf an.

Das is fast das einzige, was wirklich zählt:

"Wir danken Gott für seine unaussprechliche Gnade", steht in der Bibel.

Wir danken Gott, dass wir in Frieden leben mit ihm.

Und, genauso wichtig:

dass wir hier, auf Erden, nicht bleiben müssen. Wir nicht, und alle anderen auch nicht - dass diese Welt nicht alles ist, und dass wir auch nicht zur Hölle fahren NACH dem Leben auf dieser Welt,

sondern dass wir von Gott herkommen, von ihm gewollt und geschaffen sind, und dass wir auf ihn zuleben und auf die Vollendung, und dass wir ihn hier, unterwegs, als Unterstützer auf unserer Seite haben.

Denken Sie an die Geschichte mit Petrus und seinen Freunden.

Die haben die ganze Nacht geschuftet -

aber die Netze sind leer.

Dann kommt Jesus und schafft ihnen an, sie sollen nochmal rausfahren;

Petrus sagt, wir haben schon alles versucht,

aber "auf dein Wort hin" wollen wir nochmal rausfahren;

sie fangen so viel, dass die Boote beinahe sinken,

und dann sagt Jesus, von nun an wirst du Menschen fischen.

Wofür ist der Petrus jetzt dankbar?

Nicht für die leeren Netze am Anfang, vermute ich.

Auch nicht dafür, dass sie nochmal die ganze Nacht haben fischen müssen.

Und ich glaube sogar, es geht ihm am Ende gar nicht um die zwei Boote voll Fisch;

die sind bald wieder weg, und sie sind wieder arm und angewiesen drauf, dass sie was fangen.

Petrus ist dankbar, dass er dem Herrn begegnet ist.

Dass er gemerkt hat: ich bin Bestandteil von Gottes Plänen mit dieser Welt,

und dieser Gott ist so mächtig:

zwei Boote voll Fisch zu kriegen am hellichten Tag ist für den kein Problem!

Denken Sie dran, wenn Sie wieder dem Menschen begegnen, an den Sie vorhin gedacht haben:

der Sie auf die Palme bringt,

zur Weißglut,

und über dem Sie sich als Überschrift vorstellen sollen:

"ich danke meinem Gott, sooft ich an euch denke..."

Auch Sie sind Bestandteil von Gottes Plänen mit dieser Welt.

Auch das, was in Ihrem Leben passiert -

und am Ende leben wir nicht auf die Apokalypse zu, auf den Weltuntergang,

sondern auf die Vollendung und auf Gottes unaussprechliche Gnade.

Dafür können wir dankbar sein. Immer.

 

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