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Predigt zum 1. Advent 2016 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Montag, den 28. November 2016 um 08:18 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

ja, ist denn schon wieder Advent? - mir ist noch gar nicht danach!

- das sagen die einen.

Die anderen haben am ersten Advent schon alle Plätzchensorten fertig, und auf der langen Liste der zu Beschenkenden sind nur noch einzelne nicht abgehakt.

Intensiv genug wird man ja ab September in jedem Geschäft dran erinnert.

Dabei ist der Advent gedacht als Zeit der Vorbereitung; und an Heilig Abend beginnt die weihnachtliche Freudenzeit, und die reicht bis Maria Lichtmess im Februar.

Probieren Sie das mal aus, damit Ernst zu machen. Lassen Sie doch mal ganz bewusst den Advent im Advent, beginnen Sie Weihnachten wirklich erst mit dem Heiligen Abend und begrüßen sie irgendwen Mitte Januar auf der Straße mit "Fröhliche Weihnachten!". Sie ernten vermutlich Irritation.

Denn jetzt ist es so, dass die Vorbereitungszeit irgendwann im September beginnt; ab dem ersten Advent, spätestens, ist eigentlich Weihnachten, vier Wochen lang;

und mit dem Finale, mit den Geschenken und dem Kirchgang am Heilig Abend, oder spätestens am Tag drauf, ist dann Schluss.

Und eigentlich - ist das doch auch total gleich.

Zumindest theologisch und liturgisch gedacht ist eigentlich gar nichts dagegen einzuwenden, Weihnachten einfach vorzuverlegen in den Advent, und den Advent in den Herbst.

Ich hab selber lang auch Spekulatius und Lebkuchen boykottiert vor dem Advent und immer geschimpft, wenn die Stadt ihre Beleuchtung schon montiert, bevor auch nur der Ewigkeitssonntag vorbei ist.

inzwischen denk ich mir aber: warum eigentlich?

Letztlich kommt es doch nicht drauf an, dass Weihnachten unbedingt pünktlich gefeiert wird - wann Jesus genau geboren wurde, wissen wir sowieso nicht.

Vielmehr als auf den genauen Tag im Kalender kommt es doch darauf an, dass die Menschwerdung Gottes überhaupt gefeiert wird. Verstanden wird, gepredigt wird, besungen wird, meditiert, in ihrer unglaublichen Bedeutung erfasst. Ob a bisserl früher oder später im Jahr - ist egal.

Zu Ende gedacht hätten wir leicht gestern nachmittag schon den Christbaum aufstellen und schmücken können; dann freuen wir uns vier Wochen lang dran bis zum Heiligen Abend.

Nur - das müssen wir dann natürlich auch tun: Uns dran freuen. Aber so richtig.

Uns richtig dran freuen, mit kindlich weihnachtlicher Freude!

und wenn wir es uns recht überlegen, dann haben wir wahrhaftig allen Grund dazu!

Auch wenn wir groß sind und nicht mehr mit wahnsinns Weihnachtsgeschenken rechnen. Auch wenn wir alles schon so oft gefeiert haben, dass die vielen Wiederholungen vielleicht den Glanz etwas abschwächen - zumindest mir geht´s an Heilig Abend nach dem vierten Gottesdienst so (drum macht den heuer Lektor Fuchs, ich danke dir jetzt schon).

Aber alle Geschenke und aller romanischer Zauber sind ja sowieso nur ein matter Abglanz, ein müder Vorgeschmack jener wahnsinns Geschenke, die wir von Gott bekommen haben;

und die sind ja nun wahrhaftig Grund zum Feiern!

woran ich denke? Geschenk Nummer eins haben wir grad letzte Woche wieder mal ausgepackt und gefeiert! : letzten Sonntag haben wir der Verstorbenen gedacht, und für diese Verstorbenen und für uns haben wir Hoffnung auf Ewigkeit und auf ein Wiedersehen!

An Weihnachten feiern wir Geschenk Nummer zwei: die Menschwerdung Gottes, den Weg Jesu Christi vom Stall zur Auferstehung, und damit den Frieden zwischen Himmel und Erde.

Das Bibelwort für die Predigt heute verspricht uns ein drittes Geschenk:

Gott ist uns Menschen jetzt exakt genauso nah wie unseren Vätern im Glauben, so nah wie dem Mose am brennenden Dornbusch, so nah wie den Israeliten in Wolken- und Feuersäule, so nah wie den Jüngern zur Erdenzeit Jesu und bei der Ausgießung des Heiligen Geistes an Pfingsten.

Drei riesen Geschenke: Ewiges Leben, Friede mit Gott und die innige Nähe Gottes zu uns, diese drei Geschenke sind der Kern der christlichen Hoffnung. Das sind die Kohlen im Feuer unseres Lebens, die Glut unseres Glaubens, die Wärme, die Energie und das Licht.

Ich versteh nicht viel vom Grillen.

Aber so viel immerhin hab ich begriffen, nach zehn Jahren Straßenfest: es reicht nicht, die kalten Kohlen aus dem Sack in den Grill zu kippen und die rohen Würstchen auf den Rost zu legen.

Wenn man den Grill anheizen will, darf man nicht mit den großen, schwarzen Kohlebrocken anfangen; sondern man nimmt zB Anzünder, Späne in Wachs getränkt oder ähnliches; die lodern ganz hell auf, brennen sofort, und gerade lang genug, um die Kohle zu erwärmen und sie irgendwann tatsächlich glühen zu lassen.

Und die wärmt, die heizt dann richtig lang, auch wenn die Anzündhilfe längst verbannt und zu Asche zerfallen ist - und trotzdem war sie am Anfang hilfreich.

Mit unseren großen christlichen Hoffnungen ist es genauso.

Hoffnung auf ewiges Leben, Hoffnung auf Friede mit Gott und innige Nähe zwischen Himmel und Erde - das sind die großen, gehaltvollen Brocken, das sind die Kohlen im Feuer unseres Glaubens.

Damit diese Hoffnungen warm werden, damit sie glühen und wärmen und leuchten können, dazu muss man sie anheizen. Man muss sie auflodern lassen mithilfe von etwas leichterer Kost:

Mit Adventsmusik, den Oratorien und Messen, mit Beleuchtung, mit Duft und mit Kerzen, mit den Geschichten aus der Bibel und aus dem Volksmund, mit dem Magnificat, mit der Frühschicht im Advent und von mir aus auch mit Plätzchen und Glühwein.

Die Stadt ist in der Vorweihnachtszeit voll mit Hinweisen und Symbolen, und kein Mensch verbietet uns, sie uns inhaltlich vom Einzelhandel zurückzuholen oder sie ganz im eigentlichen Sinn zu sehen: Jeder Stern, und sei er im Schaufenster von der Buchhandlung oder vom Schuhgeschäft, ist zunächst mal ein Hinweis auf die Gegenwart Gottes, ganz wie der über dem Stall von Betlehem.

Jede Krippe erinnert, dass Jesus Mensch war aus Fleisch und Blut; ob die Krippe unter einem Christbaum steht oder beim Metzger auf der Theke, ist für die Bedeutung dabei egal.

Jeder Christbaum soll in mir Hoffnung wecken auf´s Paradies, auch wenns der Christbaum vor dem Rathaus in München auf dem Marienplatz ist.

Jede Lichterkette erinnert mich, dass Gott stärker ist als alle Dunkelheit dieser Erde,

und jedes Geschenk, so kostbar und liebevoll es auch sein mag, ist immer nur ein müder Hinweis darauf, wie kostbar die Geschenke des Himmels uns allen sind.

Nutzen Sie all diese Hinweise, ganz egal, wo Sie sie finden, gezielt zum Anheizen - zum Anheizen Ihrer christlichen Weihnachtsfreude, um in Kontakt zu kommen mit der eigenen Sehnsucht nach Geborgenheit und nach Liebe, nach Erfüllung und Heimat. Besonders hilfreich ist es natürlich, ein Baby im Arm zu halten.

Wenn Sie dazu Gelegenheit haben - spüren Sie diese Nähe bewusst, kosten Sie den Moment aus, die Hilflosigkeit, die Bedürftigkeit dieses kleinen Wesens, darin gespiegelt spüren Sie Ihre eigene Bedürftigkeit. Und machen Sie sich bewusst: so klein wurde Gott. So klein und so nah. So bedürftig.

Simeon hat im Tempel darauf gewartet, den Erlöser zu sehen; uns als ihm Maria den neugeborenen Jesus in die Arme gelegt hat, hat er gewusst, hat gespürt, meine Augen haben dein Heil gesehen - jetzt ist meine Hoffnung erfüllt. Mehr braucht ein Mensch nicht zum ewigen Leben.

Meine sehr kinderreiche Verwandtschaft in Berlin hat eine Tradition in der Vorweihnachtszeit, mancher kennt die Idee:

am ersten Advent wird die Krippe aufgestellt mit dem Stall und Ochs und Esel;

die Figuren dagegen wandern in der Vorweihnachtszeit durch die Wohnung und nähern sich erst allmählich ihrem Platz an.

Heimlich positioniert die Mutter täglich neu die Figuren;

da steht dann vielleicht der Josef erstmal neben dem Fernsehgerät; schauen Sie ihn bewusst an, versetzen Sie sich hinein in ihn; scheinbar stand er ja nur daneben bei dem Wunder von Christi Geburt. Vielleicht sind ja auch Sie schonmal Zeuge eines Wunders gewesen, direkt danebengestanden, vielleicht haben auch Sie schonmal durch Ihr Dasein ein Wunder der Menschwerdung erst möglich gemacht?

Die Weisen aus dem Morgenland haben den weitesten Weg zum Stall; vielleicht stellt sie die Mutter erstmal ins Bücherregal, zu den Reiseführern und den Atlanten, und wer sie dort stehen sieht, macht sich bewusst, was für eine ferne Welt da mit betroffen ist von Christi Geburt.

Vielleicht findet jemand die kleine Figur von Maria - zum Beispiel im kalten Hausflur, im Schuhregal. Vielleicht erinnern Sie sich dann dran, wie es ist, ohne Schutz unterwegs zu sein, hoch schwanger, ohne die Mutter, ohne die Familie - und dabei zuzulassen und zu spüren: da wächst etwas in mir. Ich bin Schauplatz für ein göttliches Wunder. Und so innig, wie Maria verbunden ist mit dem Kind im Bauch, so innig ist Gott verbunden mit uns.

Was gehört noch in die Krippe? - die Hirten. Wo stellen wir die in der Wohnung hin? Schafe haben wir keine; dann kommen sie vielleicht zu den Meerschweinchen. Sie hüten die Tiere, bis sie die himmlischen Heerscharen singen hören,

und dann spüren Sie die Sehnsucht nach Gott so stark, dass sie sogar die Tiere verlassen. Wie stark, wie unwiderstehlich muss diese Sehnsucht sein!!?

Heizen Sie Ihre Sehnsucht und Ihre Weihnachtshoffnungen an, und nutzen Sie dazu alle Möglichkeiten. Ziehen Sie alle Register! Weihnachten ist nicht nur ein stimmungsvoll- romantisches Winterfest; es ist vor allem DAS Fest unserer Sehnsucht und unserer Zuversicht.

Eigentlich könnte hier heut schon der Christbaum stehen, im vollen Lichterglanz, und wir könnten aus vollem Halse "Stille Nacht singen", vor alle die wichtigsten Worte:

durch der Engel Halleluja

tönt es laut von Fern und Nah

Christ, der Retter, ist da!

Amen.

 

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