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Predigt Rogate 2017 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Dienstag, den 23. Mai 2017 um 09:35 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

so schön wie in Garching/Laudate ist es ja überhaupt nirgendwo.

Alle Kollegen kommen gern her und halten hier Gottesdienst - (Christoph Fuchs, Herbert Wasner, Katarina Freisleder, Martina Buck..)

weil nette Leute da sind, weil viele Leute da sind, weil die Kirche schön ist und gut gepflegt,

weil sich das Team gut verträgt und weil viel Leben im Haus ist - auch bei den Kindern und in der Jugend.

Kirche und Gemeindehaus sind relativ jung, wir haben auch nur eine (!) Kirche; da geht dann zwar mal a Zeitlang die Glockenanlage nicht, aber es fällt nicht gleich der Kirchturm um, wie woanders; die Baulast ist relativ gering. Wir müssen nicht jeden Cent in Renovierung und Restaurierung stecken;

wir leisten uns statt dessen eine wunderbare Sekretärin,

und weil wir dank der Kirchenvorsteher keine Mesner brauchen, bleibt auch noch Geld über für eine Jugendbeauftragte.

Wir sind auf der Insel der Seligen;

und in Garching Laudate ist es möglich, auf ganz vielen Kanälen zu predigen.

Wir predigen mit den Mitarbeitenden im Gottesdienst, ganz klar;

aber bei uns "predigt" auch die Tatsache, dass wir Jugendräume haben

und eine Mitarbeiterin für die Jugend.

Damit setzen wir um, dass Jesus die jungen Menschen auch ansprechen will.

Es predigt die Tatsache, dass Woche für Woche Kindergottesdienst ist.

Jedes Jahr Kinderbibelwoche.

Jedes Jahr Kinderzeltlager.

Aber auch dass es einen Besuchsdienst gibt, eine Spätlese, einen Chor:

viele Sprachen und Arten, zu predigen und zu verkündigen, nicht nur mit Worten, nicht im Talar, sondern mit Gesten und Liedern, mit Sorge umeinander und füreinander, mit Unterstützung;

ich finde auch, dass das Straßenfest "predigt". Drei Tage lang feiern, Biergarten, Reden und Lachen, da sind wir vielleicht an den Festen zur Zeit der ersten Christen, der Apostel, der Jünger, näher dran als mit manchem Gottesdienst - wir sagen ja, wir "feiern" Gottesdienst, aber vom Feiern merk ich manchmal am Straßenfest mehr.

Es ist Gold wert, dass wir da mitten drin mitfeiern, mit dem schönsten Festplatz - auch wenn die Gäste noch lang nicht evangelisch werden, bloß weil sie im Schatten der evangelischen Kirche ihr Bier trinken.

Aber im Dunstkreis der Kirchengemeinde kann man sich anstecken mit Gottvertrauen

und Hoffnung und Zuversicht, dass es sich lohnt, mit Gott zu rechnen und zu leben.

Wo stehen wir als Kirche, als Christenheit im Jahr 2017?

Auf der Insel der Seligen?

Oder doch auch mal auf verlorenem Posten?

Ist die Kirche out?

Zugegeben - die Laudatekirche ist voll; aber die Allianzarena ist voller.

Unsere Jugendarbeit ist cool. Aber die Konkurrenz schläft nicht.

Und apropos Schlafen, auch fromme Leute sagen, Sonntag früh muss ich ausschlafen. Gottesdienst ist mir nicht so wichtig. Gottesdienst ist langweilig.

Für ganz viele.

Auch bei mir.

Und zwar nicht, weil ich es grundsätzlich falsch mach,

und weil man es nur richtig machen müsste -

sondern weil der Gottesdienst als solches ein vormodernes Relikt ist.

Er war mal der Treffpunkt fürs ganze Dorf, für alle Bürger.

Dem Gottesdienst ferngeblieben sind nur die, die den Stall gemacht und das Vieh versorgt haben. Alle anderen waren im Gottesdienst, haben sich getroffen, sich ausgetauscht, sich informiert und anderen Informationen gegeben. Den hat man nicht verpasst.

Bis zur Reformation war Gottesdienst Messfeier,

ein Ritual, nur der Pfarrer hat so ganz genau gewusst, was er tut, wenn überhaupt.

Die Reformatoren haben dann das Predigen groß wieder eingeführt.

Da war revolutionär!

auf Deutsch!

Information!

Information über Glaubensfragen,

Bildung,

wissender Glaube,

Freiheit des Glaubens,

die Menschen dürften den Pfarrern an den Lippen gehangen haben.

Mit demselben Wissensdurst, der gleichen Neugier und vielleicht sogar Sensationslust, mit der die Konfirmanden heute am Smartphone hängen.

Aber nicht, weil die Pfarrer damals besser gewesen sind

oder die Gemeindeglieder,

sondern weil es andere Zeiten waren und andere Rahmenbedingungen.

Jesus hatte auch andere Rahmenbedingungen. Er hat auch verkündet,

aber auch nicht im schwarzen Talar sonntags um zehn;

was wir unter "Bergpredigt" kennen, ist ja keine Predigt, sondern eine Sammlung von Zitaten, von Aussagen aus konkreten Gesprächen mit konkreten Menschen.

Statt dessen hat er verkündigt, wo er ging und stand; beim Essen; beim Spazierengehen; beim Getränkeholen; bei Begegnungen mit Kindern; bei Begegnungen mit Prominenz aus Gesellschaft und Religion; am Krankenbett und so weiter.

Jesus war einerseits sehr eng im Kontakt mit seinen Mitmenschen; und er war andererseits, denke ich, ziemlich hartnäckig. Ganz der Vater.

Ich bin überzeugt, auch Gott ist hartnäckig.

"Betet ohne Unterlass!", ruft uns der heutige Bibelabschnitt für die Predigt zu.

Wenn ihr euren Vater im Himmel wirklich bittet, dann wird er euch geben, was ihr erbittet;

drum bleibt hartnäckig.

Und genauso bleibt doch auch Gott hartnäckig.

Die Ermunterung, dran zu bleiben, die gilt doch nicht nur uns;

nicht nur wir sollen Durststrecken durchhalten und dranbleiben,

auch wenn die Kirche mal leer ist und wir uns auf verlorenem Posten fühlen;

sondern auch Gott bleibt dran, wenn er scheinbar auf verlorenem Posten steht,

und genauso hartnäckig wie der bittende Freund im Evangelium

bleibt Gott auch an den Menschen dran.

Und wenn die Menschen nicht mehr in den Gottesdienst gehen wollen,

dann wird er sie auf andere Weise finden und ansprechen.

Und wenn die Menschen nicht mehr Kirchenmitglied bleiben wollen, dann wird Gott sein Bodenpersonal - sprich, uns alle - woanders hinschicken, damit wir die Menschen finden und ansprechen, wo wir gehen und stehen - beim Essen; beim Spazierengehen; beim Getränkeholen; bei Begegnungen mit Kindern; bei Begegnungen mit Prominenz aus Gesellschaft und Religion; am Krankenbett und so weiter.

Im Chor, am Straßenfest, auf der Kinderfreizeit, in der Spätlese, im Zeltlager und am Arbeitsplatz.

Wir haben, nach Auf und Ab und hin und her, derzeit wieder die gleiche Gemeindegliederzahlen wie 1971.

Wir haben aber wesentlich mehr Gemeinden.

Und auch mehr Pfarrer.

Drum kommen uns die Kirchen oft so leer vor,

drum fühlen sich die Christen manchmal so vereinzelt.

Aber man erreicht Menschen auch jetzt nicht mehr nur sonntags um zehn über die Predigt; statt dessen haben sich unsere Möglichkeiten vervielfacht. Predigen, verkündigen, über Gott reden, für Jesus werben, das geht jetzt auch per Whatsapp! Da gibts ein Kreuz als Symbol. Eine Kirche. Betende Hände. Eine brennende Kerze. Ein Smiley mit Heiligenschein.

Das schreit doch nach religiöser Kommunikation,

und danach, dass wir alle Gott anrufen, immer wieder.

Anrufen, oder skypen, ihn ans Steuer lassen, und auf Erlösung hoffen.

Denn Erlöstwerden wollen die Menschen genauso wie früher.

Im Alten Testament gibt es seitenlange Vorschriften für Opfer und Speisevorschriften;

heute lebt man vegan und versucht mit Speisevorschriften ein langes Leben zu verdienen und vom metabolischen Syndrom erlöst zu werden.

Früher ist man gewallfahrtet - heute geht man joggen,

früher hat man im Tempel Opfer gebracht, heute verbringt man Quality time mit Kindern und seinem Partner. Die Menschen sehnen sich nach Erlösung, genauso wie früher,

und dass sie Erlösung bei Gott finden, das musste Jesus verkünden und Paulus und davor die Propheten und Schriftgelehrten,

und heute müssen wir es verkünden, denn von selber kommen wir Menschen da nicht drauf.

Aber wir stehen damit nicht auf verlorenem Posten, lassen Sie sich das nicht einreden; im Gegenteil, wir sind genau da, wo es das Leitbild der Laudategemeinde verortet: mitten im Leben.

Die Insel der Seligen.

Gestern haben wir hier drei Kinder getauft.

Beten Sie für diese Kinder,

dass sie zum Glauben finden,

dass wir sie vor der Konfirmation wiedersehen,

dass sie behütet durchs Leben finden.

Vorletzte Woche haben hier zwei Menschen Hochzeit gefeiert.

Beten Sie für dieses Paar.

Beten Sie, dass deren Ehe so lang hält wie die vom Ehepaar Arndt;

beten Sie für das andere Brautpaar, dass die Hochzeit absagen musste.

Die Woche da davor stand hier ein offener Sarg mit einem ziemlich jungen Menschen;

beten Sie für seine Eltern, seine Familie, für seine junge Witwe.

Beten Sie - obwohl er tot ist.

Obwohl ja ganz offensichtlich ganz viele Gebete nicht erhört worden sind,

sonst wäre da kein Sarg gewesen,

garantiert hatten die Seinen gebetet, dass er gesund wird.

Und Gott hat Nein gesagt.

Keiner weiß, was er sich dabei gedacht hat.

Als ich klein war, stand ich total auf Heintje:

Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen...

ein tottrauriges Lied, der Bub wünscht sich immer ein Pferd.

Und er kriegt eins aus Marzipan, er kriegt eins aus Holz, am Schluss kommen Trauerpferde und holen seine Mutter... Ich krieg heute noch Gänsehaut.

Gott erfüllt uns nicht jede Bitte, und nicht jede erfüllt er so, wie wir uns das vorstellen; aber er lässt sich auch nicht abwimmeln. Und so wie wir um alles bitten und beten sollen,

so wirbt auch Gott weiter um diese Erde und ihre Bewohner,

wirbt um Ihre Mitmenschen, Ihre Kinder und Enkelkinder, die Nachbarn und Freunde, dass sie zum Glauben finden und Christen werden und Erlösung von Gott erwarten und von nichts anderem.

Er wirbt und kämpft um uns ohne Unterlass.

Also werben und missionieren auch wir. Ohne Unterlass, ohne aufzugeben.

Laden andere ein - wenn nicht hierher in den Gottesdienst,

dann woanders hin, in diese Gemeinde, auf diese Insel der Seligen,

weil man sich hier auf vielerlei Weise anstecken kann mit

Gottvertrauen und Hoffnung. Hoffnung, dass Gott erlöst.

Weil man sich anstecke kann mit der Zuversicht, dass es sich lohnt, mit Gott zu rechnen.

Mit Gott zu leben.

 

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