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Predigt zum Ewigkeitssonntag 2018 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 29. November 2018 um 13:42 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

mein großer Bruder ist nur knapp zwei Jahre älter;

als Kinder hatten wir, wie vermutlich viele Geschwisterpaare, ein wechselvolles Verhältnis, mit stürmischen und sonnigen Zeiten.

Wenn meine Mutter einen Blick ins Kinderzimmer geworfen hat, fand sie uns mal friedlich versunken ins gemeinsame Spiel, mit seinem Teddybären (dem Cositeddy) und meiner Puppe Uschi; dann hat sie sich leise zurückgezogen und die Tür wieder angelehnt, um nur ja nicht die Idylle zu stören.

Und mal musste sie dazwischengehen, wenn wir uns in den Haaren hatten.

So oder so, zur Schlafenszeit wurden wir immer in getrennten Räumen ins Bet gebracht, und gerade nach Raufereien hat sie sehr energisch unsere Zimmertüren geschlossen, damit die Handgreiflichkeiten nicht wieder aufflammen konnten.

Aber über der Tür waren Oberlichte.

Im Gang brannte die Deckenlampe, ihr Schein fiel ins Zimmer;

das hat mir immer gut getan, denn dann hab ich gespürt, die Mama ist da, das beruhigt,

und ich hab auch gewusst, dass mein Bruder im anderen Zimmer dieselbe Oberlichte hat. Das Licht aus dem Gang fällt auch in sein Zimmer, und so blieben wir beide der Mama und einander verbunden. Mehr als wenn jeder sein eigenes Lämpchen angehabt hätte.

Und so ähnlich, bildlich gesprochen, stehen wir Lebenden in Verbindung zu unseren Verstorbenen.

Wir sind in getrennten Räumen - aber in beide fällt das Licht aus derselben Quelle,

beide sind sanft in den Schimmer von Gottes Liebe getaucht und erhellt,

und es beruhigt zu wissen, auch der andere ist in Sicherheit, ist geborgen und und weiter mit mir verbunden.

Man sagt ja zum Sterben auch bildlich, ein Mensch "geht ins Licht", wenn er stirbt.

Viele von Ihnen sind heute hier, weil jemand aus Ihrem Umfeld ins Licht gegangen ist,

im vergangenen Kirchenjahr, hier aus Garching,

oder schon sehr viel früher oder auch ganz woanders, aber in jedem Fal jemand, der Ihnen verbunden war. Für manchen Sterbenden, manche Sterbende war der Tod vielleicht wie eine Erlösung, und sie wollten vielleicht auch gar nicht mehr länger leben.

Für andere war es zu früh. Sie hätten vielleicht noch was vorgehabt, hätten noch etwas erledigen wollen, waren vielleicht zu jung.

So oder so mussten Sie als die Angehörigen den schweren Part übernehmen, zurückzubleiben, weiter zu leben, ohne den anderen oder die andere; wie mag es Ihnen wohl mit dieser Aufgabe gehen?

Spüren Sie manchmal die Sehnsucht, auch zu sterben? hinterherzusterben, weil die Trauer so furchtbar weh tut? einfach, damit der Schmerz aufhört? oder um den Verstorbenen wieder nahe zu sein?

Oder gibt es etwas oder jemanden, das oder der Sie hält, etwas, was Sie noch zu erledigen haben oder noch erleben möchten, so dass Sie hoffen, bis zum eigenen Tod ist noch bisschen Zeit?

In unserem Bibelwort aus dem Philipperbrief ist Paulus fast hin- und hergerissen:

soll ich noch weiterleben wollen? oder soll ich mich in die Ewigkeit sehnen, mich nach dem Sterben sehnen, nicht nur, weil der Schmerz dann aufhört, sondern um, wie er es ausdrückt, "bei Christus zu sein"? Er schreibt, als hätte er da die Wahl.

Dabei liegt er ja im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess, und es ist völlig offen, wie das ausgehen wird: es kann sein, dass er freikommt, und damit rechnet er letztlich auch.

Dann will er weiter missionarisch arbeiten und von Gott erzählen, Gemeinden gründen und den Glauben verbreiten.

Es kann aber durchaus auch sen, dass er verurteilt wird.

Dass er hingerichtet wird und sterben muss - und beides, so schreibt er, soll ihm recht sein.

Wenn er stirbt, dann ist er eben "bei Christus". Er schreibt, das wäre ja sowieso sehr viel besser.

Aber so oder so - er lebt und er stirbt für Christus, und ihm und nur ihm ist er anvertraut und auch ausgeliefert - nicht einem unberechenbaren menschlichen Justizsystem. Sondern nur seinem Gott.

Wie es wohl mit Ihren Herzenszuversichten aussieht?

Früher wa man sich sicher, irgendwas ist ganz bestimmt nach dem Tod.

Ma hat nicht gewusst, ob es Himmel und Hölle gibt und wie man sich das den vorstellen soll,

aber man war sich auf jeden Fall sicher, dass etwas kommt nach dem Tod.

Dass es weitergeht.

Wie geht es Ihnen damit? Sagt Ihnen diese alte Glaubensgewissheit selbst noch was?

Paulus schreibt im Philipperbrief: "Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein!"

Wenn ich das meinem Psychiater sage, erhöht er die Dosis der Medikamente gegen Depressionen.

Wer sehnt sich schon nach dem Tod? Abe auch Paulus sehnt sich ja nicht nach dem Tod, sondern er sehnt sich danach, bei Christus zu sein, eben gerade nicht tot, sondern im Licht.

 

Der Tod ist das Sicherste, und zugleich auch das Unsicherste für uns Menschen,

aber für Palus ist sonnenklar: wir sind zur Auferstehung bestimmt,

wir werden bei Christus sein, und sich danach zu sehnen heisst, sich nach ewigem Leben zu sehnen, und gerade nicht nach dem Tod.

Wenn wir hierher in die Kirche kommen, wenn wir singen und beten, wenn wir Lesungen aus der Bibel und eine Predigt hören, dann um uns Gottes Licht auszusetzen. Wir schauen auf zu ihm, so wie ich im Kinderzimmer zu dieser Oberlichte geschaut hab: um was von diesem tröstlichen Licht zu erwischen, mich und mein dunkles Zimmer von diesem Licht bescheinen zu lassen, das mich mit den Eltern und dem Bruder verbindet. Tun Sie es hier ganz bewusst - und vielleicht auch einmal bei sich zu Hause, im Lieblingssessel vielleicht:

Setzen Sie sich aufrecht hin, nehmen bewusst Ihre Umgebung war, atmen ein paar mal bewusst ein und aus - und dann stellen Sie sich bildlich dieses Licht vor, wie es von oben auf Sie herabfließt und Sie erleuchtet und Sie buchstäblich anfüllt - Sie von innen raus wärmt und aufhellt, von den Zehen aufwärts bis hin zum Kopf.

Dabei schmilzt dieses warme Licht der Liebe Gottes alles weg, was verhärtet und schmerzlich ist, und löst auch den Schmerz und die Trauer behutsam auf... Trauen Sie das Gott zu?

Wir haben ja mancherlei Rituale, die uns ein wenig trösten und helfen sollen.

Wir besuchen und schmücken die Gräber, wir stellen Bilder von unseren Verstorbenen auf und zünden Kerzen davor an, wir bewahren Erinnerungsstücke, manche heben Kleidung auf und tragen manches vielleicht sogar.

Ich hüte von meinen verstorbenen Eltern alles, was ihre Handschrift trägt und mich deshalb besonders innig und unverwechselbar an sie erinnert.

Aber naürlich erinnert die Handschrift an eine Hand, die es nicht mehr gibt;

die Kleidung an einen Körper, der nicht mehr da ist,

und die Bilder an ein Zeit in der Vegangenheit, als wir noch im selben Raum waren, die jetzt Verstorbenen und wir.

Da ist, wie manche Menschen beim Einschlafen am Nachtkästchen ein Lämpchen brennen lassen oder ein Licht in die Steckdose anstecken, ein eigenes Lämpchen, das Orientierung gibt. Nicht, wie in meinem Elternhaus, ein Licht, das von draußen im Gang ins Zimmer fällt.

Wenn wir uns mit Gott in Verbindung setzen durch das Gebet, durch den Glauben, im Abendmahl und mit der Bibel - dann bringen wir uns mit dem Raum in Verbindung, der über unseren Lebensraum, unser Lebenszimmer hinausgeht und uns wirklich, auch gegenwärtig, lebendig verbindet. Indirekt verbunden hält mit dem Raum, in dem unsere verstorbenen Lieben jetzt bewahrt werden und leben, im Licht, bei Gott.

Und dort, bei Gott, sozusagen draußen, jenseits unserer Türen, ist das Licht nicht geblieben; nächsten Sonntag ist erster Advent. Es beginnt die Zeit der Vorfreude auf das Fest, dass Gott mit seinem Licht in die Welt gekommen ist, auch in die Dunkelheit unserer Trauer.

Überall werden Lichterketten aufgehängt, leuchtende Lichtpunkte in der Dunkelheit; nehmen Sie die alle als Hinweis auf unseren Gott, der mit deinem Licht in unsere Dunkelheit kommt und uns lebendig verbunden hält mit unseren Verstorbenen im Nebenzimmer.

Jedes Sternchen, es sei am Himmel, im Supermarkt oder an einer Dekoration irgendwo, ist wie ein Gruß von denen, die ins Licht gegangen sind und mit uns leben, bei Gott.

Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn; und wir sind alle bestimmt zur Auferstehung und um bei Christus zu sein.

Amen.

 

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