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FVCML0208 10
Predigten
Über den roten Teppich: Palmsonntag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Dienstag, den 23. April 2019 um 07:03 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

Jesus hat gewusst, was er tut.

Das muss ihm klar gewesen sein:

- wenn er zum jetzigen Zeitpunkt, kurz vor dem Passahfest, nach Jerusalem geht, riskiert er Aufsehen. Und obendrein nimmt er nicht die stillen Seitenstraßen, sondern lässt es - ganz im Gegenteil - zu, dass ihn die Leute erkennen, dass sie ihm zujubeln und ihn feiern.

Und der Gipfel: Er provoziert auch noch und setzt sich auf einen Esel, signalisiert damit den Gebildeten, dass er sich für den Messias hält.

Er hat gewusst, was er tut.

Offensichtlich fand er, es ist Zeit:

Zeit für die Konfrontation,

Zeit für die Provokation,

Zeit für die Eskalation.

Er wusste, was ihm droht, da bin ich mir sicher;

er wusste aber auch, was Gott letztendlich von ihm erwartet, und er fand offensichtlich, jetzt ist es an der Zeit: Es ist Zeit, ernst zu machen.

Es ist Zeit, zu sterben.

Er beendet die Zeit seiner Wanderschaft mit den Jüngern. Bestimmt nicht leichten Herzens; die haben gute Zeiten miteinander gehabt. Lange Spaziergänge, tiefsinnige Gespräche, immer wieder Wunderheilungen, sicher hat Jesus diese freundschaftliche Verbundenheit und den Erfolg genießen können. Wir hatten das jetzt in der Langau auch, nicht nur eine hat mir gesagt, schade, dass das schon vorbei ist. Warum nur ein Wochenende? Warum nicht länger?

Vielleicht hätte Jesus gern noch ein Jahr drangehängt - Wanderungen mit seinen Freunden, Predigen, heilen, Wasser zu Wein machen, feiern, Brot vermehren... Es hätte ihn vermutlich niemand gehindert.

Aber er zieht in Jerusalem ein. Begibt sich - aus dem geschützten Bereich des Privaten - ins Zentrum der Aufmerksamkeit,

über den Roten Teppich!

Er zeigt sich. Er steht zu sich selber.

Zieht die Blicke auf sich und nimmt den Jubel entgegen. Er lässt sich huldigen, er badet in der Menge und im Applaus. Ich stell mir das sehr würdevoll vor, trotz oder gerade wegen dieses Eselchens:

Jesus hält sich für den Sohn Gottes, für den Erlöser; und dafür steht er jetzt auch ein.

Privat und für sich kann sich ja jeder halten, wofür er will;

diese Selbsteinschätzung bewährt sich ja erst, wenn sie auch unter Beschuss gerät, und das riskiert Jesus jetzt, in der festen Überzeugung: den Rummel und die Bewunderung der Menschen bin ich auch wert. Ich bin hier, auf dem roten Teppich, im Zentrum des Jubels, und ich bin hier genau richtig! Das strahlt der auch aus.

Herrmann Hesse schreibt: "Jeder, der das wirklich tut und lebt, wozu er fähig ist, ist ein Held!" - drum ist Jesus am Palmsonntag ein Held, und das spüren die Menschen.

Menschen jubeln immer gern einem Ideal zu;

aber auch Jesus kann dieses Gefühl von Würde, diese Haltung, nicht aus sich selbst raus entwickeln. Er braucht dazu die Resonanz von anderen, und das passiert bei diesem Einzug in Jerusalem: er wird gewürdigt und erfährt die Wertschätzung von anderen.

Was sind Sie sich wert?

Wie nehmen Sie Ihren eigenen Wert wahr,

wann fühlen Sie sich gewürdigt?

Woran merken Sie es, dass Sie respektiert werden?

Was Sie sich wert sind, das können Sie nicht nur aus sich selbst heraus erschließen. Der Wert, den sich ein Mensch selbst zuspricht, ist ein Gefühl, ein Gefühl der Würde,

Vielleicht hat Jesus an diesem Palmsonntag sein Bewußtsein für seinen eigenen Wert gestärkt. Die eigentliche Aufgabe unseres Lebens besteht darin, der (oder die) zu sein, der/die wir selber eigentlich sind, und vielleicht hat Jesus den Roten Teppich, den Palmsonntag, gebraucht, um alles danach durchzuhalten: Den Prozess. Die Erniedrigung und die Demütigung, sein Sterben, den Tod.

Er hat vorher nochmal richtig Zuspruch und moralische Unterstützung aufgeladen und aufgetankt.

Dass die dieselben Menschen, die heute jubeln, ihn morgen verurteilen werden, das dürfte Jesus gewusst haben, aber mit ihrer Zustimmung am Palmsonntag haben sie ja trotzdem recht gehabt. Auch wenn sie bei dieser Zustimmung nicht bleiben und dann nicht mehr recht haben.

Aber am Palmsonntag schon. (Wären sie nur dabei geblieben!)

Jesus weiß - Jesus nimmt es hin, dass auf den Jubel der Niedergang folgen wird, dass das Blatt sich wenden wird. Der Ruhm ist vergänglich,

der Platz auf dem Roten Teppich nur vorläufig;

das geht uns allen so -

und es ist weise, wenn wir uns das immer mal wieder vor Augen halten:

- unser guter Stand, unser Ruf ist allenfalls vorläufig, nur geliehen.

- Unser Hab und Gut ist vergänglich,

- unsere Partnerschaften sind zerbrechlich - spätestens mit dem Tod;

- unsere Kinder gehören uns nicht,

- unsere Heimat bleibt uns eventuell nicht,

alles wird uns geliehen, maximal bis zu unserem eigenen Tod;

und vielleicht badet Jesus im Jubel des Palmsonntags auch, um sich emotional drauf vorzubereiten, dass er alles verliert.

Er hat nur noch wenige Tage zu leben.

Aber Jesus weiß, wofür er lebt. Und für wen er lebt.

Jesus lebt für Gott.

Wofür leben Sie?

Es ist gut, wenn Sie das wissen: für was oder wen brennt im Letzten Ihr Herz, wofür stehen Sie ein, wenn Ihnen alles genommen wird? Was ist das Entscheidende, was Ihnen keiner nehmen kann?

Jesus weiß: ich bin Gottes Sohn und erlöse die Welt. Das kann ihm keiner nehmen,

und damit geht er mitten hinein - erst hinein nach Jerusalem, und dann hinein in die Welt.

Jesus ist nicht bescheiden.

Nicht "moralisch perfekt, politisch korrekt und irgendwo fern von dieser Welt".

Das ist der Dalai Lama. Der möchte seine eigenen Wünsche abtöten, der zieht sich zurück und hält sich raus, und das Ziel ist es, sich das Nirwana zu verdienen: aus dieser Welt zu verschwinden.

Aber Jesus will sich nicht das Nirwana verdienen. Nicht aus der Welt verschwinden.

Der will die Welt erlösen, und drum flüchtet er nicht aus dieser Welt hinaus, sondern geht über den Roten Teppich mitten in diese Welt hinein: und als allererstes hinein in den Konflikt, in die Verhaftung und den Prozess.

Denn nicht in dem, was wir Menschen tun, begründet sich unser Christsein, sondern in dem, was er tut, Gott, Jesus, darin begründet sich unser Christsein. Es gibt keinen Sieg über das Böse ohne diese Hingabe, ohne das Scheitern und den Schmerz, und bevor Jesus uns an die Welt verliert, opfert er lieber sich selbst.

Er hat nur noch ein paar Tage zu leben.

Wenn Sie - sagen wir, nur noch ein paar Monate zu leben hätten, und Sie wüssten es:

was wäre Ihnen das wichtigste?

Was würden Sie tun, damit es die besten Monate sind, die Sie je erlebt haben?

Was wäre das Schwierigste für Sie?

In welcher Haltung, in welcher Stimmung möchten Sie diese Monate erleben, und

welchen letzten, größten Wunsch haben Sie?

Wie werden Sie ihn verwirklichen?

Wir haben in den letzten Monaten einige Sterbefälle gehabt von eher jungen Menschen, Frau Puchert war 45, Herr Kraus 38; die Jahre allein sagen nichts aus, welchen Wert dieses Leben hatte. Wir haben auch schon Babies beerdigt.

Und der Sinn des Lebens ist nicht erst wichtig, wenn es ans Sterben geht; der Himmel ist nicht nur für die Sterbenden da, er steht jedem von uns offen. Jetzt.

Herrmann Hesse schreibt: "Euer Leben hat genau so viel Sinn, als ihr selbst ihm zu geben vermögt!" Ich meine, Sinn ist das, was sich lohnt - es ist wichtig, einen Sinn zu haben für das ganz eigene, die eigene innere Festung, ein bisschen Eigen-sinn.

Vielleicht hätte mancher Jünger oder die Mutter von Jesus, Maria, ihn gerne abgehalten von dieser Aktion am Palmsonntag:

Geh nicht ausgerechnet jetzt nach Jerusalem!

Und wenn, dann bitte nicht über die Hauptstraße,

nicht mitten durch die Menge! lass dich abschirmen von der Öffentlichkeit!

und lass um Himmels willen das mit dem Esel und geh zu Fuß wie jeder andere! Du provozierst sie doch bloss!

Seine Mutter dürfte über ihn die Haare gerauft haben, wie sich Teenagermütter manchmal die Haare raufen über ihre Söhne und Töchter.

Und wenn Jesus heute unter uns leben würde, würden wir uns auch über ihn die Haare raufen.

Wir uns über ihn, er sich über uns; wir könnten uns unglaublich übereinander aufregen, genau wie die Jesus und die Menschen damals.

Denn Leben und Glauben sind eine Sache der Leidenschaft, und unser Gott kennt das ganze Repertoire der Gefühle, auch Wut und auch Trauer und Liebe und Zorn. Unsere Emotionalität ist Teil unserer Gottebenbildlichkeit;

wir haben Gefühle, weil wir Gott ähnlich sind, und Jesus hat Gefühle, weil er Gott ist und zugleich Mensch.

Lassen Sie Jesus am Roten Teppich einziehen in das Zentrum Ihres Lebens, Ihres Fühlens und Denkens und Ihrer ganzen Existenz;

bejubeln Sie ihn, auch wenn Sie ihn immer wieder auch mal verraten und verleugnen, aber kehren Sie immer wieder zu ihm zurück und lassen Sie ihn Ihrem Leben Sinn schenken.

Denn (Joh 12, 19): Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet: siehe, alle Welt läuft ihm nach.

 

 
Brot des Lebens PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Dienstag, den 02. April 2019 um 10:02 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

kleine Kinder stecken alles in den Mund.

Später werden sie dann wählerischer; auf der Konfifreizeit haben wir die Vegetarier und die Veganer, die Laktoseintoleranten und die Glutenfreien, aber essen müssen sie alle!

Und schon im Alten Testament wird das Wort Gottes mit Essen und Trinken verglichen, um deutlich zu machen, wie dringend wir alle Gottes Wort brauchen. Das muss man wissen - dann versteht man, was Jesus meint, wenn er sagt, "ich bin das Brot des Lebens": das soll heißen,

ich, Jesus, bin jetzt dieses Wort Gottes. Nicht als Buch oder als Sendschreiben,

sondern als Person Jesus Christus.

Nicht das Brot wird am Altar auf geheimnisvolle Weise Leib Christi - (die Hostie verwandelt sich in Fleisch) - sondern in Jesus Christus ist das Wort Mensch geworden, ein Mensch aus Fleisch und Blut nährt uns, füttert uns mit Gottes Wort. Nicht Brot wird zu Fleisch, sondern Fleisch wird zu Brot.

Durch dieses Bild mit dem Brot spricht uns Jesus auf unsere Bedürftigkeit an. Auf unsere menschliche Natur, unsere menschlichen Bedürfnisse. Wir sind alle immer wieder traurig, brauchen alle immer wieder mal Trost. Wir sind alle immer wieder mal krank, brauchen alle immer wieder mal einen Arzt. Wir machen alle immer wieder mal Fehler, brauchen Nachsicht, und wir sind alle immer wieder hungrig und brauchen was zu essen,

und genauso brauchen wir alle Gott, immer wieder, lebensnotwendig, und von Jesus kriegen wir das, was wir von Gott brauchen.

Wir brauchen Gott zum Leben genauso notwendig wie Nahrung.

Ums Essen machen sich ja viele unglaublich Gedanken. Bio oder nicht, Palmöl, Farbstoffe, Glutamat, Allergien, Vollkorn, Kalorien, Gelatine, Süßstoff, auf was man nicht alles achten soll! Da stehen die Leute im Supermarkt und studieren die Zutatenliste, und wenn man jemanden drauf anspricht, hat man ein Gesprächsthema für die nächste Viertelstunde. Mindestens.

Pfarrer dürfen über alles predigen, nur nicht über zehn Minuten! Ich bin a bisserl neidisch auf den Eifer, mit dem sich die Leute Gedanken ums Essen machen. Ob die sich genauso viel Gedanken um Gott machen?

Verlassen wir in Gedanken den Supermarkt, gehen wir in die heimische Küche. Viele kennen diese Hemmschwelle beim Aufräumen von Essensresten: Essensreste wirft man nicht weg! Ein Kanten Brot, auch wenn er schon hart ist, den schmeisst man nicht einfach weg, schon gar nicht, wenn man selber Zeiten im eigenen Leben durchgemacht hat, wo es nichts zum Essen gegeben hat und wo man gehungert hat.

Mindestens genauso respektvoll sollten wir mit dem Glauben umgehen: den wirft man nicht weg. Den lässt man auch nicht einfach alt werden. Und selbst wenn da nur noch ein Rest ist, trocken und hart und man beisst sich die Zähne dran aus - einfach in den Müll? kommt nicht in Frage.

"Ich bin das Brot des Lebens!", sagt Jesus, Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

Nächstes Wochenende fahren wir in die Langau; da wird viel gesungen und mit den Kindern gespielt, spazierengehen und miteinander essen werden wir auch, aber wir setzen uns auch zusammen und befassen uns mit unserem Glauben. Mehrfach täglich. Wir lesen ein paar Verse aus der Bibel, wir tauschen uns drüber aus, ringen um das rechte Verständnis, erweitern den eigenen Horizont um die Sichtweise eines anderen -

das ist eine Beschäftigung wie mit dem täglichen Brot, das man ja auch miteinander teilt, es bricht, den Duft genießt, es zerbeisst und zerkaut, es sich einverleibt, daraus Kraft zieht - man lebt davon. Und man besorgt sich immer wieder Nachschub.

Ich denke, auch daran hat Jesus gedacht, als er seinen Jüngern gesagt hat, sie sollen Abendmahl miteinander feiern. Ich glaube, damit war mehr gemeint als nur das Sakrament am Altar. Ich denke, damit war ein komplettes Gemeindeleben gemeint, wo man sich umeinander bemüht, sich umeinander sorgt, sich bemüht, einander zu verstehen, wo man einander hilft, miteinander teilt und füreinander da ist. Im Alltag - und im Bezug auf den Glauben.

Nie war es leichter, an die Geschichten und Worte aus der Bibel zu kommen. Man muss sie noch nicht mal kaufen und aufschlagen, ich brauch mit den Konfirmanden nicht mehr das komplizierte System aus Buchangabe, Kapitelzahlen und Verszahlen zu üben: Man findet alles im Internet, es gibt sogar eine App! und ganz viele kennen die simpelsten Jesus-Geschichten nicht.

Ganz viele könnten mir nicht erklären, warum etwa der Zwang zum Kopftuch mit dem evangelischen Glauben ganz sicher nicht zusammenpasst. Oder warum es für uns undenkbar ist, dass ein Mensch, nur weil er besonders fromm ist und besonders viel Theologie studiert hat, angeblich näher am lieben Gott dran ist oder besser geeignet ist, die Messe zu halten oder das Abendmahl einzusetzen:

und zwar ganz einfach, weil unser Glaube Brot des Lebens ist. Schwarzbrot. Wenn man ein Mensch ist, wird man immer wieder hungrig, und man isst das Brot des Lebens und wird davon aber nichts besonderes oder etwas heiligeres, sondern man tut das, was ein Mensch eben tut: seinen Glauben mit Leib und Seele genießen, sich das Wort Gottes einverleiben und sich mit dem stärken, was uns unser Schöpfer eben zum Leben gibt.

Jesus sagt dieses "Ich bin das Brot des Lebens" nicht nur beim letzten Abendmahl, sondern er sagt es nach der Brotvermehrung, als er gerade fünftausend Leute satt gemacht hat. Satt werden wollen und glauben wollen, das gehört zusammen,

und wenn wir uns nur um gesunde Ernährung Gedanken machen und nicht mehr ums Ewige Leben, dann verpassen wir was. Dann lassen wir uns das Beste entgehen.

Mit demselben Eifer, mit dem wir uns in Ernährungsgrundsätze vertiefen und in Kochrezepte und in die richtige Auswahl der Läden, wo wir die Zutaten einkaufen, mit demselben Eifer sollten wir uns auch drum kümmern, was wir wissen von Gott, was Jesus gesagt und getan hat und was sich unser Schöpfer gedacht hat, als er uns Menschen erschaffen hat.

Und: alles zu meiden, was Gott nicht will, ist mindestens so wichtig wie Palmöl zu meiden und künstliche Zusatzstoffe. Das eine gefährdet unsere Gesundheit und das Ökosystem der Erde, das andere gefährdet das ewige Leben.

Und noch aus einem zweiten Grund sagt Jesus von sich, dass er das Brot des Lebens ist, im Zusammenhang mit diesem Speisungswunder... Sie kennen die Geschichte, wo sich die Menschen in Gruppen hinsetzen und miteinander essen sollen. Jeder kennt den Effekt von Gruppen: sobald man sich zusammentut, wird es übersichtlicher, und es wird auch verbindlicher. Man wendet sich einander zu - und wenn es sein soll, kümmert man sich auch umeinander, und man teilt.

Dieser Aspekt spielt beim Glauben eine ganz wichtige Rolle, vor allem auch in der Familie. Reden Sie miteinander. Teilen Sie nicht nur Tisch und Bett - teilen Sie auch Ihren Glauben. Tauschen Sie sich aus, was Sie glauben, auch, was Sie hoffen; regelmäßig frag ich bei Trauergesprächen, ob der Verstorbene/die Verstorbene eine Hoffnung gehabt hat über den Tod hinaus, und regelmäßig krieg ich zur Antwort: darüber haben wir nie geredet.

Unsere Gottesdienstpraxis verleitet da auch dazu: ich rede, Sie hören zu.

Beim Abendmahl teilen wir aus, Sie empfangen.

Vielleicht sollten wir das wieder regelmäßiger anders machen. Das Brot einfach dem ersten geben, und Sie reichen es untereinander weiter. Den Kelch dem ersten reichen, und der gibt ihm dem Nachbarn, der Nachbarin: Kelch des Heils, für dich.

So wie wir einander beim Feierabendmahl, aber auch bei jeder gemeinsamen Mahlzeit selbstverständlich die Schüssel und Platten reichen und drauf schauen, dass jeder hat, was er braucht - so müssen wir auch einander zureden und von Gott erzählen und Mut machen, wirklich zu glauben.

Da gibt es eine große Scheu, das weiß ich schon. Sonst wären wir Pfarrerinnen und Pfarrer ja arbeitslos. Man traut sich nicht, man meint, man müsse erst alles wissen und alles verstanden haben, bevor man vom Glauben reden darf.

Aber das stimmt nicht, der Schwimmlehrer muss das Wasser auch nicht physikalisch erklären können, bevor er die Schwimmschüler reinschickt. Der Schwimmlehrer muss nur sicher sein, dass das Wasser trägt, den Rest merken die Schüler beim Schwimmenlernen ganz von allein.

Suchen Sie Ihre Lieblingsgeschichte, Ihr liebstes Bibelwort raus und sorgen Sie dafür, dass Ihre Lieben davon erfahren. Indem es aufgeschlagen am Tisch liegt oder auf einem Zettel steht - und dann erzählen Sie, was Ihnen dran gefällt, und fragen Sie, ob ein anderer auch eine Lieblingsgeschichte hat. Lassen Sie sich vom Enkel am Handy die App installieren. Stecken Sie den Enkeln nicht nur einen Zehneuroschein zu, sondern auch einen Vers aus der Bibel.

Ein Diakon hat mir mal aus seiner Kinderzeit erzählt, dass die Mutter zum Pausenbrot immer einen Bibelspruch in die Brotzeit gesteckt hat.

Teilen Sie Ihre Hoffnung miteinander, wie Sie das Brot teilen, und kümmern Sie sich um Ihren Glauben, wie Sie sich auch um das tägliche Brot und die gesunde Ernährung kümmern:

Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben. 48 Ich bin das Brot des Lebens. 49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben. 50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.

51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.

 

 
Predigt zu Epiphanias PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 07. Januar 2019 um 07:25 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

ich bin ja immer etwas betrübt, wenn im Advent schon die Christbäume geschmückt werden, nicht erst am Heiligen Abend;

aber richtig traurig find ich das jetzt, wenn die Leute schon die abgeräumten, die abgehalfterten Bäume hinter sich her zu den Sammelstellen zerren und sie dort zu großen Haufen aufeinanderschmeißen, obwohl doch Weihnachten noch gar nicht vorbei ist.

Heut ist doch erst Epiphanias, "Heilig Drei König" bei den Katholiken,

und diese Weisen aus dem Morgenland treffen doch nicht auf Christbaum-Sammelstellen und diese Organisations-Schachteln von Tchibo, wo man die Krippe und die Kugeln und die Lichterketten ordentlich wegverstaut bis zum nächsten November (oder Oktober, je nachdem) -

sondern die kommen zur Krippe! - und beten an.

Das Christkind ist doch immer noch da.

Diese Sensation des göttlichen Kindes - die ist doch nicht nach ein paar Tagen abgearbeitet wie das Festessen (Raclettekäse!) und der Gabentisch am Heiligen Abend, sondern wie bei jedem Menschenkind geht es mit dem Wickel- und Säuglingsalter jetzt erst so richtig los.

Bei den Krippen in den Kirchen oder auf Gemälden von der Weihnachtsgeschichte können sich die Künstler ja an den Weisen aus dem Morgenland gestalterisch so richtig "austoben", an den Kamelen und Elefanten, den bunten Gewändern, den Kronen und dem Schmuck... Und dann erst die Geschenke!

Während manches Kripperl durchaus im Oberland irgendwo stehen könnte: in Berchtesgaden vielleicht - mit Kaspar, Melchior und Baltasar wird´s exotisch und prachtvoll.

(Heribert Prantl sprach in der SZ mal vom "religiösen Zirkus Krone.") er schreibt: "Das exotisch Fremde hält Einzug in die Frömmigkeit, das zauberhaft Andere in der vertrauten, ins Heimische transportierten biblischen Szenerie."

Der Horizont unserer Weihnachtsgeschichte weitet sich:

raus aus der Wohnzimmeratmosphäre, wo unsere Christbäume und Gabentische stehen:

Wir waren neulich in einer Weltraum-Ausstellung, da war die Erdkugel dargestellt im Kreis der anderen Planeten im All; der eine eher braun und die Oberfläche voll Krater, der nächste hell wie die Wüste, bleich wie der Mond... Nur die Erde blau und grün und bewohnt, voller Leben.

Es lässt einen schon tief Luft holen und staunen, um sich vorzustellen: Genau hier, ausgerechnet auf diesem Planeten hätte sich Gott persönlich in einem Menschenkind irgendwo in einem Stall uns Menschen gezeigt.

Und dann erforschen Wissenschaftler diesen Weltraum, heute nicht anders als damals die Magier, die Weisen, die Sterndeuter aus dem Morgenland; genauso wie es heute Menschen gibt, die die Natur erforschen, oder immerhin fasziniert von ihr sind,

nur dass die sogenannten Heiligen drei Könige ganz offensichtlich in der Wissenschaft nicht die Erfüllung gefunden haben. In der Moderne gibt es ja immer wieder Menschen, die sagen, "ich suche Gott in der Natur, ich finde ihn eher auf einem Berggipfel oder beim Blick in den Sternenhimmel als in einer Kirche!"

Genau da, wo diese Menschen hin wollen - da kommen im Gegenteil die Weisen aus dem Morgenland her.

Sie sind von der Natur, von aller Wissenschaft unbefriedigt genug, sind neugierig und wissensdurstig genug, um einem Stern nachzuwandern bis zur Krippe in Betlehem.

Die Schriftgelehrten in Jerusalem, die Theologen, die sozusagen bloß um die Ecke gewesen sind, die sind nicht im Stall aufgetaucht. Die Naturwissenschaftler aus dem Orient schon!

Daran musste ich heuer bei der Konfirmation denken, vielleicht war von Ihnen jemand dabei.

Ines Hütter und ich hatten die muslimische Gemeinde eingeladen zur Konfirmation. Denen hatten wir ja durch Herrn Krause zum Fastenbrechen gratuliert; und jetzt haben im Gegenzug sie eine Delegation geschickt aus Jugendlichen und Erwachsenen, und unseren Festgottesdienst mitgefeiert und ein Grußwort gesprochen.

Da haben manche von uns etwas Mühe gehabt damit. Ich versteh das gut.

Dieses Bild von den orientalischen Weisen im Stall von Betlehem ist deshalb ein wichtiger Hinweis, eine Aufforderung, eine wichtige Mahnung: grenzt euch nicht ab gegeneinander, sondern geht im Gegenteil aufeinander zu.

Wir finden Gott nicht gegeneinander, im religiösen Wettlauf. Im Wettkampf. Die Könige sind ja offensichtlich nicht um die Wette gerannt. Es war auch egal, wer als erster an diese Krippe kommt. Die konnten sich ruhig absprechen, sich helfen bei der Orientierung, ruhig gemeinsam gehen, gemeinsam suchen, gemeinsam ankommen, gemeinsam anbeten;

und genauso können wir heute ruhig aufeinander zugehen, auch auf die Fremden, auch auf die Orientalen. Wir können, wir sollen gemeinsam suchen, miteinander, auch aufeinander warten, uns absprechen, aufeinander achten,

und uns gemeinsam führen lassen ins Unbekannte.

Ob das die Suche ist nach der religiösen Wahrheit,

oder einfach nur die Unsicherheit eines neuen Jahres, miteinander:

gemeinsam mit Naturwissenschaftlern,

gemeinsam mit Jugendlichen und Alten,

gemeinsam mit den Flüchtlingen,

gemeinsam auch mit den Katholiken und den Moslems

und mit all dem anderen Fremden, was diese Welt an Buntheit und an Staunenswertem zu bieten hat.

Eine Gesellschaft, vor allem auch eine Gemeinschaft von Christen muss Fremdes annehmen, muss sich bereichern lassen können und offen sein für das Ungewohnte und Neue.

Ich zitiere nochmal Heribert Prantl, er stellt fest: "Die Christen und die, die es einmal gewesen sind, tun sich manchmal schwer mit dem Islam-Dialog - oft auch deswegen, weil sie dem muslimischen Glaubensstolz und der Inbrunst vieler Muslime nicht viel entgegenzusetzen haben." (Zitatende - ) -

zum Beispiel, weil sie die Grundlagen des eigenen Glaubens gar nicht so recht kennen und:

weil hier immer von einem Kind die Rede ist an Weihnachten.

Was soll das mit diesem Kind? einem Gott als Baby, einem Baby als Gott?

Hier geht es ja nicht einfach drum, ein bürgerliches Kleinfamilienidyll zu zementieren:

in der Mitte das niedliche Einzelkind, Fürsorgeobjekt seiner Helikoptereltern, daneben, demütig kniend, die junge Mutter, die ihre Erfüllung darin findet, entbunden zu haben und künftig den Haushalt zu führen, während im Hintergrund der tapfere Ernährer über alle die Wache hält -

wenn Weihnachten nur dabei stehen bleibt, bei Rührung und Niedlichkeit und Idylle, dann hat es keinen tieferen inneren Wert.

Drum ist es für viele auch immer so schnell vorbei.

Ich erinnere mich an die Weihnachten meiner Kinderzeit; an Heilig Abend war alles idyllisch, mit leuchtenden Augen bei meinem großen Bruder und mir;

und spätestens am Nachmittag des nächsten Tages hatten wir Bauchweh von den Plätzchen und haben uns um die Geschenke gestritten.

Mein Vater wusste da immer ein schönes Fremdwort dafür, er nannte das "hedonistische Adaption", die Gewöhnung an den Genuß; meine Mutter hat das gleiche auf Deutsch gesagt und obendrein noch gereimt: "Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen!" Die Idylle von Weihnachten provoziert nicht mehr. An das Gute und Schöne gewöhnt man sich viel zu schnell.

Drum kommen da auch viele immer noch in die Kirche, die mit dem Glauben an einen allmächtigen, starken Gott ihre Schwierigkeiten haben: von Allmacht ist ja beim Christuskind keine Rede. Alles, was man Gott vorwerfen möchte: -

dass er das Leid und den Krieg nicht verhindert,

- dass er Krankheit und Hunger duldet,

- dass er nicht eingreift,

das kommt ja alles in der Krippe nicht vor.

Mit einem Baby kann man nicht diskutieren, das kann man nur anhimmeln.

Verfremden wir einmal versuchsweise unser Weihnachten! (es ist ja nicht mehr Heiliger Abend, wir sind wieder unter uns, da darf ich Ihnen mal etwas zumuten, darf provozieren, damit wir verstehen, was die ganze Geschichte eigentlich soll.)

Dazu müssen Sie ausprobieren, das nennt man negative Visualisierung.

Hab nicht ich erfunden, ist aus der Stoa; probieren Sie es mal aus.

Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich mal ausführlich vor, wie es zum Beispiel wäre, wenn Ihnen - ein Bein fehlt. Das rechte von mir aus. Malen Sie es sich ganz genau aus. Was das bedeuten würde für Ihren Alltag:

- was schwieriger werden würde,

- was fortan ganz unmöglich wäre;

- was Sie brauchen würden, an Umbauten etwa: zum Beispiel in Ihrem Bad, in Ihrer Wohnung, - zum Autofahren,

- für alle Verrichtungen und Erledigungen im Alltag: Krücken, Rollstuhl, Medikamente, Ärzte, ein Krankenhaus... stellen Sie sich alles ganz genau vor.

Wenn Sie dann Ihre Augen öffnen - dann werden Sie vielleicht genau dieses rechte Bein besonders schätzen.

Paulus macht das genauso, nur nicht mit dem rechten Bein, sondern mit der Liebe, im ersten Korintherbrief, ich les ein paar Verse:


Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

Und das macht Gott mit der Weihnachtsgeschichte mit uns.

Wir sollen uns einmal vorstellen, Gott wäre wirklich hilflos und schwach.

Vielleicht ist eine Krippe dazu viel zu vertraut;

Nehmen wir also für diesen Versuch statt einem Baby ein anderes Symbol für echte Hilflosigkeit, für Bedürftigkeit und dafür, auf andere angewiesen zu sein:

stellen wir uns kein Baby vor, sondern einen alten Menschen, und nicht einen rüstigen Rentner, wie der Herr Meister einer gewesen ist, aufrecht, mit Rollator und Hut,

sondern stellen wir uns einen echten Pflegefall vor. Im Pflegebett. Mit Gittern rechts und links, und mit Dekubitusmatratze.

und als solcher zeigt sich uns Gott in der Krippe. Hilflos.

Malen Sie sich aus, Gott wäre wirklich hilflos.

Was das bedeuten würde für uns und für unsere Welt.

Für unseren Alltag.

Für unsere Hoffnung.

Für den Sinn unseres Lebens.

Wenn Sie so einmal über Weihnachten nachdenken und dann die Augen öffnen, dann können Sie vielleicht Ihren ganzen Glauben und alles, was Sie sonst noch wissen von Gott, wieder richtig schätzen. Wie das rechte Bein.

Gott sei Dank ist die Krippe nicht alles.

Gott sei Dank ist Jesus nicht klein geblieben, nicht hilflos und schwach, nicht niedlich und harmlos,

Gott sei Dank ist Weihnachten mehr als Idylle und Krippe und Stille Nacht: Christus, der Retter, ist da! Frohe Weihnachten.

Amen.

 
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