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Predigten
Vertrauen: der ungläubige Thomas PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Sabine Brand-Lehmann   
Dienstag, den 19. April 2016 um 08:48 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

einmal sind meine Eltern zum Notar gegangen und haben mir Generallvollmacht erteilt.

Diese Urkunde dokumentiert, dass mir meine Eltern ihr Vertrauen geschenkt haben. Ein großes Geschenk. Eine Auszeichnung.

Und so groß hätte das Vertrauen des Thomas in seine Mit-Jünger sein müssen, mindestens - damit er ihnen sein Vertrauen schenkt, wenn sie ihn bei seiner Rückkehr überfallen mit der Botschaft, dass Jesus lebt und ihnen erschienen ist.

Sie haben sein Vertrauen nicht. Thomas glaubt nicht.

Da ist etwas entscheidendes schiefgegangen.

Was brauchen Menschen, damit sie einander vertrauen?

Womit hatte ich das verdient, - das Vertrauen meiner Eltern?

- Sicher nicht, weil ich die perfekte Tochter bin. Im Gegenteil, kaum jemand kannte mich doch so lang und so gut wie sie;

- sicher nicht, weil es keine Alternativen gegeben hätte. Da waren gute Freunde und Freundinnen, eine große Verwandtschaft...

Dieses Vertrauen war eine riskante Vorleistung.

In der aktuellen Wochenzeitschrift „Die ZEIT“ ist ein großer Beitrag von Stefanie Kara über Vertrauen - wie es entsteht (und welche Rolle das Hormon Oxytocin im Körper spielt); sie schreibt:

„Risiken gehen wir in unserem Leben viele ein: Wir fahren Auto, wir kaufen Aktien, wir klettern auf Berge. Wir können Unfälle haben, Geld verlieren, in ein Gewitter geraten.

Aber nichts trifft uns so hart, wie von einem anderen Menschen enttäuscht zu werden. Der missratene Sohn des Vertrauens ist der Verrat.

Vertrauen ist deshalb eine ganz besondere Form des Riskierens: Vertrauen heißt, die Angst vor dem anderen zu überwinden.“

Ob meine Eltern Angst vor mir hatten? Ich kann es nicht ausschließen; aber auf jeden Fall haben sie es riskiert, mir dennoch zu vertrauen.

- und deshalb muss die Kirche, die Gemeinschaft der Christen, allem voran das Vertrauen der Menschen gewinnen - nur dann werden sie es riskieren, den Christen zu glauben.

Nur wenn sie vertrauen, werden sie auch Glauben schenken.

Die Botschafter - damals die Apostel, heute wir alle - müssen vertrauenswürdig sein.

Die Menschen müssen bereit sein, sich blind auf sie zu verlassen, in Herzensangelegenheiten. In ihren innersten Überzeugungen, in der Deutung ihres Lebens durch die Auferstehung. Sie sehen nicht - und sollen doch glauben.

Und so wie zwischen meinen Eltern und mir wird die Basis nicht sein, dass Christen keine Fehler machen dürfen. Dass die christliche Kirche perfekt ist.

Oder dass Alternativen gar nicht in Frage kommen.

Sondern, schreibt Kara in ihrem Beitrag in der ZEIT:

„Vertrauen bedeutet also, ins Risiko zu gehen. Wir setzen darauf, dass unser Gegenüber Wort hält, dass der andere tut, was er sagt, und lässt, was uns schadet. Es liegt irgendwo in der Grauzone zwischen Wissen und Nichtwissen.

Wer etwas sicher weiß, hat keinen Bedarf an Vertrauen.

Wer gar nichts weiß, hat dafür keine Basis.“

die Menschen schenken Christen Vertrauen, wenn sie über die Gruppe und ihre Hintergründe schon etwas wissen, wenn sie eine gewisse Schicksalsverbundenheit spüren und bereit sind, ein Risiko einzugehen.

***

Gehen wir in Gedanken zeitlich zurück vor diese Begegnung mit Thomas.

Jesus ist verhaftet, gekreuzigt worden - und begraben.

Mit eingezogenen Köpfen hocken die Jünger beisammen, hinter verschlossenen Türen.

Thomas fehlt. Warum? Das wissen wir nicht.

Jesus tritt in ihre Mitte, spricht den Friedensgruß.

Er zeigt seine Wundmale: sie erkennen ihn - und sind froh.

In den letzten beiden Tagen wurde im Fernsehen immer wieder und wieder der Moment gezeigt, als Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft verkündete, „Wir sind gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass Ihre Ausreise....“ - der Rest geht im Jubel unter.

So ähnlich müsste doch eigentlich das Wiedersehen zwischen dem Auferstandenen und seinen Jüngern gewesen sein. Er zeigt seine Wundmale, spricht den Friedensgruß, der Rest geht im Jubel unter.

Und genau das scheint das Problem zu sein, später mit Thomas... Die Jünger haben verpasst, was bei dieser Begegnung noch passiert ist. Welchen Auftrag Jesus ihnen gibt:

Jesus haucht sie an und sagt: „nehmt hin den Heiligen Geist.“

Das ist ein Auftrag.

Jesus sendet sie,

so wie er selber gesendet wurde von seinem himmlischen Vater;

Er macht Botschafter aus ihnen, mit dem gleichen Auftrag, der gleichen Autorität wie er selbst sie hat.

Der Vater sandte den Sohn;

der Sohn sendet die Jünger.

Und aus dem Fortgang der Geschichte mit Thomas hat man den Eindruck:

- der ganze Teil mit dem Heiligen Geist und der Vollmacht, Sünden zu vergeben, der geht im Jubel der Jünger unter. Den haben sie leider nicht mitgekriegt.

Und wir modernen Menschen, auch wenn wir glauben, auch wenn wir eben noch jubelnd Ostern gefeiert haben - hören wir ihn denn, diesen Teil mit der Sendung und dem Heiligen Geist?

Die christliche Gemeinde zumindest hierzulande schrumpft - und das, denke ich, auch deshalb, weil wir wie die Jünger, nicht vollumfänglich verstanden haben, dass wir nicht nur für uns selber glücklich glauben sollen.

Sonntags Gottesdienst feiern

und von Herzen auf Gott vertrauen - sondern wir sollen auch andere anstecken. Anderen weitergeben, was uns trägt und hält.

Man kommt an den Glauben zu Jesus Christus immer nur durch andere. Unser Glauben ist nicht ausgelegt für Autodidakten!

Man kann sich Jesus Christus nicht selbst erschließen, auch nicht durch die raffiniertesten Meditationstechniken.

Es gibt keine Methode, mit der man sich so in sich selbst versenkt, dass man irgendwo in der Tiefe des menschlichen Selbst Gott oder Jesus Christus vorfinden kann.

Der Dalai Lama zum Beispiel vertritt genau das Gegenteil.

Bei ihm kommt eine große Weltaufgeschlossenheit zusammen mit einer Versenkungsspiritualität:

Es gibt nur den einen Geist, die einzige Wirklichkeit;

der Mensch und die Welt sind nur - wie eine Mondspiegelung im Wasser,

ein von der Wirklichkeit geworfener Schatten.

Idealerweise bleibt die Oberfläche des menschlichen Gemütes möglichst blank und glatt.

Ungerührt, unberührt.

Das ethische Ideal ist die Gelassenheit.

Das sieht Paulus ganz anders.

Nicht nur EIN Geist, im Gegenteil:

Der Schöpfer und sein Geschöpf. Der Mensch ist keine Spiegelung Gottes oder ein Schatten, sondern der Mensch ist ein geschaffenes Gegenüber zu Gott.

Der Schöpfer liebt dieses Gegenüber - sein Geschöpf.

Liebe wühlt die spiegelglatte Oberfläche der Seele auf

Der Schöpfer lässt seinen Menschen gerade nicht möglichst unberührt, sondern ganz im Gegenteil - er verwandelt ihn, durch seine Liebe und durch die Auferstehung.

Das ethische Ideal ist die Liebe.

Eifer der Liebe zu Gott und zum Nächsten,

**

Thomas war also unterwegs, kommt zurück zu seinen Freunden.

Wir wissen ja nicht, was die ihm jetzt gesagt haben.

Zum Glück haben sie ihm überhaupt irgendwas gesagt!

* Wann haben wir denn das letzte Mal ein Gespräch über unseren Glauben geführt mit jemandem, von dem wir annehmen müssen, er glaubt noch nicht?

* Wann haben wir das letzte mal weitergesagt, was wir hoffen,

um andere anzustecken?

* Wann haben wir das letzte Mal versucht, das Vertrauen eines anderen zu gewinnen, damit auch der Gott sein Vertrauen schenkt und glaubt und getauft wird und selig wird?

Die Jünger haben dem Thomas gesagt, was passiert ist.

Der Thomas ist eigentlich doch der allererste, der jetzt angesteckt und missioniert werden müsste von den frisch bevollmächtigten Botschaftern Jesu Christi.

Er ist der erste, den sie gewinnen müssten.

Aber was auch immer sie gesagt haben - Thomas zuckt die Schultern: „Des glaub ich nicht.“

Die Jünger haben sein Vertrauen nicht.

Und dem müssen wir uns auch als Kirche immer wieder stellen, wenn wir erkennen, die Menschen wenden sich ab vom Christentum oder finden von vornherein nicht den Weg in die Nähe der Kirche: sie vertrauen uns nicht.

Dabei hängt, davon sind Christen überzeugt, das Seelenheil eines Menschen davon ab, dass er glaubt. Damals das des Thomas - heute unseres und das unserer Zeitgenossen.

Ist für Thomas damit der Zug abgefahren?

Er war nicht zur rechten Zeit am richtigen Ort - Pech gehabt. Er kann ja nichts dafür.

Er wusste ja nicht, dass der Auferstandene kommen würde.

Thomas sagt, ich glaub nur, was ich seh, und ich möcht den Finger in die Wunde legen.

Die anderen haben ja auch erst gesehen und dann geglaubt.

Und er, Thomas, soll jetzt plötzlich blind glauben, unbesehen glauben.

Ungerecht?

Jesus kommt nochmal.

Zeigt sich nochmal.

Extra dem Thomas zuliebe.

Und ich stell mir vor: Bei diesem zweiten Besuch steht Jesus dann da und schaut seinen Jüngern, einem nach dem anderen, tief in die Augen.

Und er sagt: „Letzte Woche hab ich euch bevollmächtigt. Ich hab euch den Heiligen Geist eingehaucht!

Und noch nichtmal euer engster Kumpel hier nimmt euch ab, dass ich auferstanden bin.

Das ist echt schwach. Das ist traurig. Das geht so nicht!

- Ihr müsst so von mir reden, dass sie euch glauben!

- Ihr müsst so sein, dass sie euch vertrauen!

Ihr Leben hängt davon ab, dass sie euch die Sache mit Gott und dem ewigen Leben abnehmen. Dass sie sich auf euch und auf mich verlassen!“

Jesus verlangt viel von seinen Jüngern, finde ich. Sehr viel.

Von den Jüngern...

Von den Christen allgemein....

Von den Gemeinden,

von der Kirche...

den Religionslehrern,

den Pfarrern,

den Dekanen, den Eltern und Taufpaten....:

Unter uns muss Vertrauen sein -

und auch Außenstehende müssen uns vertrauenswürdig finden.

Wir müssen nicht perfekt sein.

Wir müssen auch nicht die einzigen sein, die von Gott reden und wie man ihn sich der Bibel entsprechend vorstellen kann und wie man sein Leben mit ihm führen könnte.

Aber die Leute müssen spüren, dass sie und wir, die Menschen dieser Erde, innerhalb und außerhalb der Christenheit, zusammengehören, dass wir ihr Bestes wollen und dass sie sich auf uns verlassen können.

Falls das der Fall ist, schenken sie uns vielleicht auch Glauben.

Und auch deshalb ist es so wichtig, dass unsere Gemeinden mit einer gewissen Verbindlichkeit miteinander umgehen, dass der eine sich auf den anderen verlassen kann, dass er tut, was er verspricht, und dass er lässt, was dem anderen schadet.

Und dazu muss man sich, denke ich, auch drauf verlassen können, dass mir der andere alles sagt, was wesentlich ist. Mir nicht entscheidendes vorenthält, so wie wir es manchmal in falsch verstandener Liberalität miteinander tun.

Wer weiß, wie die Jünger reagiert haben, als Thomas sagte, das glaub ich nicht?

Haben sie ihn schulterzuckend links liegen gelassen?

Oder haben sie ihn bestürmt?

Wir wissen es nicht, aber ich könnt mir vorstellen, sie haben gebetet. Um Glauben für Thomas - oder dass Jesus nochmal kommt und sich dem Thomas auch zeigt,

denn wenn sie den Thomas gerngehabt haben und von Herzen sein Bestes wollten, dann haben sie sicher nicht tatenlos hingenommen, dass er das entscheidende dann nicht glaubt.

Und deshalb, wenn es uns auch nicht gelingen sollte, unsere Mitmenschen anzustiften zum Vertrauen auf Gott, sollten wir nicht schulterzuckend resignieren, sondern wenigstens für sie beten, dass sich Jesus ihnen selber zeigt

oder dass jemand anders als Sie oder Ich das Vertrauen dieses Mitmenschen gewinnen kann und ihn anstiften kann zum Glauben.

„Denn selig sind, die nicht sehen und doch glauben,

damit sie aus Gottes Macht durch den Glauben

bewahrt werden.“

 

 
"Menschen fischen"? - Gespräche mit Tiefgang PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Mittwoch, den 08. Juli 2015 um 09:49 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

als ich vor dreizehn Jahren meinen Dienst auf der letzten Pfarrstelle in München-Laim angetreten habe, da hatte ich direkt Angst vor einem der Ruhestandspfarrer.

 

Er war zwar schon ein alter Herr, aber er hatte noch großen Einfluss auf die Gemeinde; und er war entschiedener Gegner der Frauenordination und hatte meine Wahl als Pfarrerin auf der dritten Pfarrstelle unbedingt verhindern wollen - er war überzeugt, Frauen als Pfarrerinnen, das ist gegen göttlichen Willen, hauptsächlich weil Frauen intellektuell doch irgendwo unterlegen sind. Fand er.

 

Wir waren kaum ins Haus eingezogen, da stand ein Mann im (!) Vorgarten und starrte finster ins Wohnzimmer. Ich kannte ihn nicht - aber irgendwie war mir sofort klar - das isser. Ich bin raus, hab ihn begrüßt, kaum meinen Namen nennen können, da ergoß sich ein wasserfallartiger Wortschwall über mich - ebenso vehemente wie wirre theologische Ausführungen - ich hab mehrfach kurz angesetzt, um auch was zu sagen, aber vergeblich, er dozierte wild gestikulierend - und ich hab zugehört. Lang still zugehört.

 

Und plötzlich brach das Schauspiel ab;

er stoppte, mitten im Satz, zumindest wohl mitten in einem Gedankengang, sah mich an, ergriff meine Hand und rief: „Ich wollt Sie ja nicht hier haben. Aber wenn ich mir das alles so anhör, klingts ja doch ganz vernünftig!“

 

Wandte sich ab, und zog winkend von dannen.

 

Ein Gespräch mit Tiefgang führen - was gehört Ihrer Meinung nach dazu, damit das gelingt? Muss es lang sein? Ist es wichtig, dass beide zu Wort kommen? Dass einer den anderen einen Blick in die eigene Seele werfen lässt? Dass man ehrlich miteinander redet, offen? Muss ich dem anderen dabei in die Augen schauen können, oder darfs auch ein Telefongespräch sein, ein schriftliches Gespräch vielleicht, ein Brief, ein Briefwechsel?

 

In der Apothekenumschau (der „Rentner-Bravo“) schreibt Peter Bach´er: „Wenn sich die Chance zu einem guten Gespräch ergibt, sollte man sofort alles stehen und liegen lassen (...), um sich alle Zeit der Welt zu nehmen.“

 

Er zitiert Goethe, der fragte, „was ist herrlicher als Gold? - Antwort: das Licht. Und was ist erquicklicher als Licht? Antwort: Das Gespräch.“

 

 

Das Gespräch in Abgrenzung wohl zu einer Unterhaltung - die dann eher an der Oberfläche bleibt, auch angebracht und nett sein kann und zweckdienlich, aber leichter und unverbindlich - und in Abgrenzung zu den Wortwechseln, wo zwar vielleicht sogar viel gesagt wird, aber doch am Ende nichts rauskommt. Weil man sich missversteht, aneinander vorbeiredet, einfach nichts rausholen kann aus der Begegnung;

 

manchmal nimmt man das mit einem Schulterzucken hin, es ist in Ordnung

 

- aber vielleicht haben Sie auch schon Gespräche erlebt, in die sind Sie mit einiger Hoffnung auf einen Ertrag hineingegangen, aber es kam nichts dabei raus. Die Hoffnung wurde enttäuscht, auch wenn Sie vielleicht, wie die Fischer, „die ganze Nacht gearbeitet haben“, sich die Köpfe heiß geredet und miteinander gerungen haben

 

- oder die Reaktion vom anderen blieb einfach aus oder es wurde vielleicht nur sinnlos gestritten und die Netze für die guten Ergebnisse, die sind leer geblieben.

 

Das geht mir durch den Kopf, wenn ich den Fischzug des Petrus in meiner Fantasie vor mir sehe, wir haben die Geschichte aus dem Lukasevangelium gehört. Jesus predigt, vom Boot des Petrus aus redet er zu den Leuten am Ufer; und schließlich sagt er zu Petrus, als die Sonne vom Himmel brennt und es Zeit wär für einen Mittagsschlaf, sicher nicht zum Fischefangen, komm, ruder ganz raus auf den See und werft eure Netze aus.

 

Petrus wird geschnaubt haben, denk ich.

In das grelle Licht geblinzelt und abgewunken,

was versteht schon ein Rabbi, ein Studierter wie Jesus vom Fischefangen?

 

Im Stillen widerspricht er Jesus vielleicht: Mann, wir haben schon die ganze Nacht gefischt. Wo die Fische auf Futtersuche sind und wo es dunkel ist, wo man sie leichter erwischt. Unsere Netze sind leer geblieben, wir haben nichts gefangen. Jetzt ist hellichter Tag, die Fische halten sich unten am Grund ganz ruhig, das ist sinnlos, jetzt zu arbeiten! Außerdem sind wir todmüde...

 

Andererseits - er hat jetzt lange Zeit zugehört, wie Jesus gepredigt hat. Er hat Charisma, er hat was zu sagen gehabt, das hat Hand und Fuß gehabt, also zuckt er die Schultern und sagt, okay -

 

auf dein Wort hin, wenn du es sagst - will ich die Netze auswerfen.“

 

Die Netze auswerfen“ kann man symbolisch verstehen, auf vielerlei Weise, und grad im Zusammenhang mit der Ankündigung an Petrus „von nun an wirst du Menschen fischen!“ sind das nicht nur ganz positive Symbole.

 

Die Fische zappeln gefangen im Netz, sind dem Tod geweiht, fallen dem Fischer zum Opfer, keiner von uns möchte in diesem Sinne „ins Netz gehen“ oder auch aufgefordert werden, nach anderen Menschen „Netze auszuwerfen“.

 

Menschen fischen kann in unseren Tagen auch die schrecklichen Assoziationen wecken zu den Flüchtlingen, die aus dem Meer geborgen werden, sehr oft tot ins Boot gezogen werden und nicht mehr zu retten sind.

 

Ich möchte den Fischzug des Petrus, den großen Fang heut in einem ganz anderen Sinn als Symbol verstehen -

 

nämlich für eine Begegnung, bei der was rauskam, einem Gespräch mit Tiefgang, wo vielleicht etwas bisher Verborgenes offenbar wurde, das Spuren hinterlässt im Herzen der Beteiligten, wo jemand aus einem Gespräch Nahrung gewinnen kann für seine Seele, denn der Mensch lebt nicht vom Brot allein.

 

Jesus schickt den Petrus und die anderen Jünger „Menschen fischen“ - und damit ist nicht gemeint, dass sie wie der Rattenfänger von Hameln durch die Dörfer ziehen und willenlose Opfer ihrer Flötentöne hinter sich herlocken sollen, sondern:

 

Jesus schickt die Jünger in echte Begegnungen, auf Augenhöhe miteinander, von Herz zu Herz, und macht ihnen Hoffnung, dass so eine Begegnung Tiefgang haben kann und reiche Erträge bringt.

 

Zwei unserer Jugendlichen engagieren sich mit sehr viel Herzblut für die Asylbewerber in Garching und arbeiten zur Zeit an einem Beitrag über deren Situation für den nächsten Gemeindebrief. Sie haben mir erzählt, wie sehr diese Menschen, die hier neu anfangen müssen, oft allein schon Mühe haben, auch nur ins Gespräch zu kommen.

 

Aber gar nicht mal nur aus Gründen der Sprachbarriere.

Auch wenn sie auf Englisch jemanden ansprechen, der sicher fünf Brocken Englisch kann: right, left, yes, no, sorry, thank you!, mehr brauchts ja nicht z.B. für eine Wegbeschreibung

 

und doch passiert es ihnen immer wieder, dass sich der andere wortlos, ohne den Versuch zu helfen, oder auch nur eine Geste des Bedauerns, abwendet und sie stehenlässt, als sei der Fragesteller ein lästiges Tier, das um Zuckerstücke gebettelt hat.

 

Ich hoffe, dass ihnen das nie mit einem Christen passiert.

 

Wir können nicht die Welt retten.

Wir können nicht verhindern, was in den unglaublichen Flüchtlingsströmen derzeit an Not und Elend passiert, knapp sechzig Millionen Menschen sind derzeit auf der Flucht, im zweiten Weltkrieg waren es auch nicht mehr.

 

Wir können auch nicht jeden in unser Haus aufnehmen, nicht jedes Schicksal wenden, nicht für jeden Menschen Mutter Teresa sein.

 

Vielleicht denkt sich das jemand, der so einen Flüchtling stehen lässt, der abwinkt und sich abwendet: „was soll´s denn, ich kann dem doch eh nicht helfen, und wenn ich dem helf, dann kommen fünf andere nach, das ist sinnlos!“

 

Wenn Ihnen das das nächste Mal durch den Kopf geht, dann denken Sie an den Petrus. Auch der hat abgewunken, es ist sinnlos, jetzt die Netze auszuwerfen! Wir haben schon die ganze Nacht nichts gefangen, als die Bedigungen günstig waren! Jetzt brennt die Sonne vom Himmel, es hat erst recht keinen Sinn!

 

- aber: „Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ „Auf dein Wort hin lass ich mich darauf ein.“ In Gottes Namen lass ich mich jetzt auf diese Begegnung ein -

 

du, Jesus, wirst unsere Netze füllen und uns einen Ertrag für diese Begegnung schenken, auch wenn wir uns das jetzt grad kein bisschen vorstellen können.

 

Natürlich setzt das voraus, dass wir ganz bewusst unser Mitgefühl kultivieren. Dass wir gut zu uns selber sind, damit wir in uns selbst genug Stärke finden, uns auf einen anderen einzulassen -

 

und dass wir ganz bewusst in unseren Herzen und unseren Gedanken die Liebe zu unserem Nächsten nähren und nicht den Hass oder die Gleichgültigkeit.

 

Versuchen Sie ganz bewusst immer wieder ihr Herz zu öffnen für die, die in Not sind. Erstmal nur ganz still bei sich selbst, vielleicht jedes Mal, wenn Sie eine Notarztsirene hören. Oder am Ende jedes Gebetes.

 

Denken Sie da als Erstes an jemanden, den Sie wirklich lieben

 

- denken Sie dann an sich selbst, öffnen Sie ihr Herz bewusst für sich selbst -

 

und gehen Sie dann - und erst dann! - in Gedanken zu einem Menschen, der Ihnen fernsteht. Der Ihnen eigentlich erstmal egal ist. Wenden Sie sich von ganzem Herzen diesem Menschen zu, mit einem guten Gedanken, mit einem Wunsch vielleicht - und

 

versuchen Sie das, als Königsdisziplin, da und dort und immer mal wieder auch mit jemanden, der Ihnen so gar nicht liegt.

 

Vielleicht gelingt Ihnen dann, was der Herr Bach´er rät, in der Apothekenrundschau, dass Sie „sofort alles stehen und liegen lassen, um sich alle Zeit der Welt zu nehmen“ für ein Gespräch, aus dem beide so viel Ertrag ziehen können, dass die Netze zu reißen drohen -

 

denn vielleicht ist es schlicht auch ein Lebensauftrag für uns Christen, dass wir in Gottes Namen, auf Jesu Wort hin, die Netze auswerfen, bereit sind für Begegnungen mit Tiefgang;

 

und „Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen. Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.“ Amen.

 

 

 
Kann eine Pfarrerin Depressionen haben? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 21. März 2015 um 13:49 Uhr

Jetzt kenn ich das also auch - wie das ist, krank zu sein.

Schwach zu sein.

Verzweifelt.

 

Nicht die souveräne Seelsorgerin, die sich um andere kümmert, anderen zuhört und hilft -

 

sondern selber hilfsbedürftig. Verzweifelt. Unleidlich. Verstört.

 

Jetzt weiss ichs, habs am eigenen Leib erfahren, wie das ist, wie sich das anfühlt.

 

Und ich bin nicht mehr dieselbe wie vorher.

 

Das war undenkbar für mich; als mir die Ärztin gesagt hat, Sie gehören in eine Klinik, für sechs, acht Wochen - am Ende waren es vierzehn - da war ich wie mit dem Hammer vor den Kopf gehauen:

 

ICH? Ich doch nicht!! Ich gehör zu den Helfern, die anderen sind die, die krank sind!!

 

Aber meine Cousine hat mir gut zugeredet und hat gesagt:

 

„Wie willst du Seelsorgerin sein für andere, wie willst du dich jemals einfühlen können, wie das ist, krank zu sein, wenn du selber nie krank gewesen bist?

 

1. Jeder, der Analytiker werden will, muss selbst eine Lehranalyse durchlaufen!

 

2. Du verstehst die Trauernden besser, seit du selbst an den Gräbern deiner eigenen Eltern gestanden hast!

 

3. Und jetzt lernst du kennen, wie es ist, krank zu sein, allein schon dafür, damit du dich in die Kranken einfühlen kannst,

 

Das erweitert deinen Horizont.

Dir fehlt sonst ein Lebensbereich - so wie ein Mensch, der niemals gereist ist.

 

Kann eine Pfarrerin Depressionen haben?

Psychisch krank und gestört sein?

Natürlich kann sie.

Wie jeder andere Mensch: Gott bejaht die Person, die Persönlichkeit - und eine Krankheit bedroht sie. Verändert sie. Zerstört sie vielleicht.

 

Wozu? Für was ist das gut? ich weiß es nicht

 

- was ist der Sinn einer Krankheit? das sieht man ja ganz unterschiedlich, je nachdem,

 

- ob man grad drinsteckt in der Krankheit oder ob man sie hinter sich hat -

 

ob man selber betroffen, d.h. krank ist, oder ob ein Mitmensch krank ist und man selber ist Beobachter oder Helfer -

 

Verallgemeinern lässt sich die eigene Deutung nie - und:

 

Davonlaufen funktioniert sowieso nicht.

 

Ich habs echt versucht.

Mit aller Entschiedenheit. Immer wieder. Versuch es auch jetzt immer mal wieder.

 

Je mehr ich versucht habe, das Leid zu vermeiden, desto mehr hab ich gelitten,

 

die Angst vor dem großen Unbekannten hat mich vielleicht mehr gequält als mich das große Unbekannte selber gequält hätte,

 

und es wegzudrücken hat vielleicht mehr Kraft gekostet, als es gekostet hätte, es mir gleich anzuschauen.

 

Es gibt Abwehrmechanismen, die nicht hilfreich sind, davonzulaufen gehört dazu, verdrängen - und sich im Gegenteil bewusst zu konfrontieren kann auch schon heilende Wirkung haben.

 

Das schwerste und vielleicht eben auch das wichtigste war für mich:

 

a bisserl aufzumachen.

 

Meine Gedanken und meine emotionalen Reaktionen zuzulassen, erstmal auch ohne irgendwas sofort verändern zu wollen - nicht nur das sehen, was ich mir verzweifelt wünsche, Gesundheit, Stärke, Leben - sondern anzuschauen, was da ist: Krankheit, Schwäche, Verzweiflung.

 

A bisserl aufmachen. Sich mit dem eigenen Körper und dem Augenblick, so wie er ist, anzufreunden. Die Aufmerksamkeit zu ihm hinzulenken, obwohl und gerade weil man grade krank ist - Gott mich gerade krank sein lässt. Und mir trotzdem meine Würde gibt. Meine Würde hab ich von Gott.

 

Eine Würde und einen Wert zu haben ist nicht die Belohnung dafür, dass ich bin, wie ich bin.

 

Ich bin nicht deswegen wertvoll, weil ich Pfarrerin bin, weil ich gut predigen kann, weil ich gerne Brezen und Kaffee und Ovomaltine mag und weil ich so und so aussehe.

 

Meine Würde ist nicht Ertrag meiner Persönlichkeit.

 

Sondern Gott schenkt sie mir, meine Würde, egal wie es mir geht.

 

Darin liegt die Kontinuität zwischen gesundem Leben und Krankheit: Gott schenkt mir meine Würde. Gott schenkt den Wert meines Lebens.

 

Und da drin liegt der Sinn des Lebens: dass es seinen Wert von Gott hat.

Gott ist nicht der Garant von Gesundheit.

Auch nicht von Glück.

 

Gott ist die Quelle des Lebens,

 

und Lebenssinn heißt nicht Glück und nicht Gesundheit,

sondern wertvolles Leben.

 

Mein Leben ist wertvoll.

Jeder Atemzug erinnert mich: wie wertvoll, dass ich überhaupt noch lebe.

Kann ja jeden Augenblick vorbei sein, theoretisch.

Aber noch lebe ich. Noch atme ich.

 

Und die Anstrengungen lohnen sich,

die es braucht, um dieses Leben zu bewältigen:

 

denn mein Leben ist nicht einfach bloß irgendein Schicksal, unbarmherzig, unberechenbar -

 

mein Leben ist auch nicht bloß Aufgabe, für die man sich unendlich anstrengen und zammreissen muss.

 

Mein Leben hat eine Quelle, hat einen Grund, in Gott.

 

Ihm kannst du vertrauen in dunkelster Nacht,

wenn alles verloren erscheint.

Er liebt dich, auch wenn du ihm Kummer gemacht,

ist näher, als je du gemeint....

 

Drum kann ich ihn wahrnehmen, so wie er ist, den Augenblick - und meinen Körper, meinen Zustand, auch wenn ich grad gequält bin von irgendeiner Krankheit.

 

Leib und Seele aufmerksam wahrnehmen, sich damit anfreunden, statt davonzulaufen.

 

Aber: das läuft natürlich total unserer Intuition zuwider, unseren elementarsten Instinkten.

 

Durch Schmerzen und Beschwerden registriert der Organismus „Gefahr!“, und für ihn bedeutet das automatisch entweder Flucht - oder Kampf.

 

Bestimmt nicht stillhalten und hinschauen.

 

Aber grad wenn man krank ist, geht dann oft weder Flucht noch Kampf.

Manchmal geht nur noch - weiter atmen.

Sonst nichts. Wie in den Wehen.

 

Nicht davonlaufen, auch nicht aktiv werden - sondern statt dessen direkt in die Empfindung rein weiter Luft holen - und wieder ausatmen, - nicht abschweifen - nicht verlieren in Vergangenem - nicht eine Zukunft konstruieren, die es so doch nie geben wird - nicht ausweichen, „nicht rumspinnen“, sondern nur annehmen, ohne zu handeln, ohne zu reagieren, auch ohne zu bewerten. Vielleicht kann ich dann realistisch einschätzen, was ich jetzt brauche.

 

Manchmal a Decke, a Wärmflasche, manchmal eine Hand zum Festhalten, ein Kissen im Rücken, manchmal mei Ruh, manchmal Tigerbalsam, einen Spaziergang, einen heißen Tee - aber vor allem muss ich erstmal hinspüren, damit ich merk, was ich brauch, damits vielleicht a kleines bisserl besser wird. Genau da hinspüren, wo es grad fehlt.

 

Das braucht gigantische Willenskraft, viel mehr, als ich oft hatte und habe.

Willenskraft, Zeit, Raum, Unterstützung.

 

Weil dann fällt es mir ja auch auf:

 

wo und wie ich mich verändere durch die Krankheit. Was das körperlich auslöst bei mir. Wie sehr mich das entwurzelt, destabilisiert.

 

Krisenzeiten können das Beste und das Schlimmste im Menschen zutage fördern.

 

Und: die Willenskraft stoppt auch nicht alles.

 

Man kann manches nicht mit dem Verstand zum Schweigen bringen.

Den Gedanken an den Tod zum Beispiel, an unsere Sterblichkeit,

oder meine Angst, nicht mehr gesund und belastbar zu werden,

oder nicht mehr arbeiten zu können,

oder der Gedanke an den Rückfall oder oder oder -

 

dieses Grübeln kann ich manchmal nicht abstellen. Und mir die Gedanken nicht einfach ausreden.

 

Man kann sie sich aber ganz im Gegenteil anschauen. In aller Ruhe.

 

Wann taucht der Gedanke auf? Wie oft taucht er auf? Wie lang bleibt er?

 

Man kann vielleicht akzeptieren, dass es so ist, dass er auftaucht - und vielleicht kann er dann allmählich etwas von seiner Kraft verlieren, wenn man sich dann immer wieder der Gegenwart zuwendet,

 

den eigenen Atem wahrnimmt, dem Körper Beachtung schenkt, so wie er ist, ohne ihn verändern zu wollen -

 

ohne die eigenen Befürchtungen nicht verwechselt mit der Realität.

 

Denn Beschwerden zu ignorieren ist falsch, - und übermäßig Sorgen machen ist auch falsch und bei jedem Anlass zu meinen, die Welt geht unter, (das ist ja meine Spezialität).

 

Wir haben von Jona gehört aus dem Alten Testament.

Meine Lieblingsgeschichte.

Nicht nur für Kinder, Kinderbibelwoche:

 

die Geschichte vom Davonlaufen und vom Eingefangenwerden.

Die Geschichte davon, dass man unserem Gott nicht auskommt.

 

Und dass es bei unserm Gott kein Davonlaufen gibt.

Also, man kann natürlich davonlaufen, immer wieder,

aber Gott läuft uns nach, holt uns wieder ein und bringt uns immer wieder aufn Weg. Selber, oder über seine Helferinnen und Helfer.

 

Beim Jona in der Bibel wars keine Krankheit, vor der er davongelaufen ist - sondern Gott hat ihm einen Auftrag gegeben, und dem wollte sich Jona nicht stellen. Er sollte Ninive ausrichten, dass die Stadt vernichtet werden wird.

 

Das wollte der Jona nicht.

Wollte sich drücken.

Ist in die andere Richtung davongelaufen.

 

Und ich versteh ihn. Anderen im tiefen Ernst unangenehme Wahrheiten sagen müssen, um so einen Auftrag rauft sich keiner, die Propheten in der Bibel nicht und die Helferinnen und Helfer Gottes aus unserer Zeit auch nicht.

 

Bei Jona benutzt Gott einen riesigen Fisch, um ihn auf den rechten Weg zurückzubringen -

 

bei mir hat Gott immer wieder Mitmenschen benutzt, die sich Gott sei Dank nicht davor gedrückt haben, mich einzufangen, mir unangenehme Wahrheiten zu sagen und mich auf den Weg zurückzustupsen -

 

bei Jona hat Gott einen Rizinusstrauch wachsen und dann verdorren lassen, um ihn zur Einsicht zu bringen,

und auch bei mir hat er keine Mühen gescheut, um mich dazu zu bringen, die Veränderungen zu akzeptieren:

 

auch wenn ich die Dinge nicht verstehe, wie sie sind -

so sind sie trotzdem, wie sie sind.

 

Egal, wenn es aber immer so gewesen ist - diesmal isses anders -

 

ob mir das passt oder nicht und ob ich mir das zutraue oder nicht - es ist jetzt und diesmal einfach so.

 

Jona hat das eingesehen, nachdem ihn der Fisch verschluckt hatte.

 

So einen Fischbauch stell ich mir gruselig vor.

Stockfinster, modrig und schleimig, fischig und feucht

 

eher unbehaglich und ungemütlich.

 

Greislicher gehts kaum.

 

Da hat sich Jona an Gott erinnert und hat sich an ihn gewandt. „Ihn angerufen“,

 

nicht mit dem Handy,

auch nicht per whatsapp,

„nur“ im Gebet,

 

aber ganz egal - er hat sich ergeben. Sich genau dem zugewandt, vor dem er bis dahin versucht hatte, abzuhauen. Kehrtwende. Sich dem stellen, was Sache ist. Egal, ob mir das passt oder nicht. Den Dingen ins Auge schauen.

 

Gott hat ihn gehört.

 

Das entscheidende in dieser Geschichte ist nicht so sehr der riesige Fisch gewesen, der im rechten Moment aufgetaucht ist und den Jona verschluckt hat,

 

das entscheidende war nicht der Sturm, der das Schiff in Seenot gebracht hat,

 

das entscheidende war nicht der Rizinusstrauch -

 

sondern dass Jona sich endlich seinem Gott zugewandt, sich gestellt und mit ihm gesprochen hat, statt sich vor ihm zu verkriechen.

 

Und genauso war auch in meiner Krankheitsgeschichte jetzt das Entscheidende nicht der therapeutische Trick siebzehn, nicht die Wahl der Klinik oder das richtige Medikament und auch nicht, wie es bisher immer gewesen ist, meine Erfahrungen, „noch jedesmal!“, sondern

 

dass sich Gott mir immer wieder zugewandt hat im Gespräch mit Mitmenschen, mir geantwortet hat, jedesmal, wenn ich ihn endlich gelassen habe. Jedesmal, wenn ich endlich aufgehört hab, mich umzudrehen und nach hinten zu schauen, im Bild gesprochen: eine schiefe Furche nach der anderen zu pflügen.

 

„Jedesmal dann“ -

 

Denn ich bin ja nicht „durch“, keiner von uns ist „durch“ mit dem Leben bis zum letzten Atemzug - sondern der Moment kommt immer wieder.

 

Immer wieder ist der entscheidende Moment der, wo wir Gott endlich lassen. Ihn uns ansprechen lassen, ihn antworten lassen, wo wir uns ihm ergeben - hinschauen - hinspüren - und trotzdem weiter atmen.

 

Manche Menschen glauben, man kommt seinem Schicksal nicht aus.

Ich glaub nicht an Schicksal, ich glaub an Gott, und dass man Gott nicht auskommt.

 

Wir haben nicht die Wahl, ob es Gott gibt oder nicht,

auch nicht, ob er einen Anspruch auf uns erhebt, einen Auftrag hat für uns oder nicht.

 

Wir haben nur die Wahl, ob wir diesen Gott annehmen wollen, als unseren Gott, unser Schicksal - oder ob wir davonlaufen, uns verkriechen, die Luft anhalten - und damit letztlich untergehen. Unser Leben verpassen und verfehlen.

 

Mit Gott zu leben, sich ihm zu stellen, das ist nicht die verlockendste Alternative unter vielen.

 

Sondern die einzig wahre.

 

Sich auf Gott einzulassen, ihn anzunehmen, das ist das einzig wahre.

Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben -

 

nicht der Garant von Glück und Gesundheit, sondern die Quelle des Lebens auch wenn wir am Ende nicht mehr dieselben sind wie vorher.

 

Nur Gott bleibt immer derselbe.

Er wartet, dass wir uns ihm zuwenden und uns ihm stellen,

 

davonlaufen gilt nicht,

 

und: er traut uns das nicht nur zu,

sondern er erwartet das einfach von uns.

 

 

Amen.

 

 

 
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