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Predigten
Zur Rechten und zur Linken von Gottes Thron? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 21. März 2015 um 13:47 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

mein Vater war Rechtsanwalt, und als Teenager hab ich ihn mal zu einer Verhandlung begleitet. Ich saß irgendwo hinten im Zuschauerraum - und er hatte natürlich seinen Platz vorne, bei den Prozessbeteiligten, (Kläger, Beklagter, Staatsanwalt, Richter und so weiter...)

 

Mir war natürlich mein Papa tief vertraut.

Ich kannte ihn von daheim, wenn er am Frühstückstisch saß, mit wirren Haaren, in seinem dicken grünkarierten Bademantel; oder im Sessel vor dem Fernseher, in eine Wolldecke gekuschelt und ein Glas Wein in der Hand.

 

Jetzt kam eine ganz andere Seite von ihm zur Vorschein. Er hatte die schwarze Anwaltsrobe an und hielt sein Plädoyer, warf mit lateinischenFachausdrücken und geschliffenen Formulierungen um sich und ging ganz auf in seiner professionellen Rolle, souverän, wortgewandt, ich hab richtig gefremdelt und hatte nochmal neu richtig Respekt vor ihm.

 

Und jetzt hören wir im Markus-Evangelium von Jakobus und Johannes. Jünger von Jesus. Der sagt, er ist der Messias.

 

Jakobus und Johannes kannten Jesus, waren tief vertraut mit ihm. Viele Nächte haben sie mit ihm am Lagerfeuer gesessen, sein Gesicht flackernd beleuchtet durch die Flammen, tagelang sind sie mit ihm gewandert in brütender Sonne, haben hitzig debattiert und fröhlich gefeiert im Schatten irgendwelcher Bäume, haben am Ufer vom See Genezareth gesessen und schweigend aufs Wasser gestarrt, sie haben sich gemeinsam um Kranke gekümmert und denen die Hände aufgelegt; Jesus war ihnen ganz nah, vertraut.

 

Jakobus und Johannes haben Jesus gekannt, mitsamt seines Launen - wie er drauf war, wenn er mal grantig war, wenn er seine Ruhe gebraucht hat, oder wenn seine Augen geblitzt haben, beim Lachen vielleicht; sie hatten seine Stimme im Ohr, wie sie klingt, wenn er was erklärt hat oder ganz weich jemanden trösten wollte und gut zugeredet hat, oder wenn er traurig war.

 

Jetzt sprach er davon, dass er seine Herrschaft antreten wird, seinen Thron besteigen und sein Reich regieren als „der Messias“.

 

Und die Jünger denken sich, den kennen wir doch, den Messias.

Der ist ganz vertraut, und wenn er auf den Thron steigt, da wärs doch dann nett, wenn wir rechts und links von ihm sitzen dürften, und das steht uns als seinen Freunden doch auch zu. Das sind die Ehrenplätze - und die hamm wir doch in der Tasche.

 

Und ich denk, da ähneln wir ihnen irgendwo, wenn wir über Gott nachdenken.

 

Über den lieben Gott. Der ist uns vertraut, seit Kindertagen,

die Geschichten aus der Kinderbibel, dem Kindergottesdienst,

wo die Tiere in Zweierreihen in die Arche Noah einziehen wie die Flohkiste auf Kindergartenausflug,

 

wie ein Jesus mit dunklen wallenden Locken die Kinder zu sich ruft und ihnen die Hände auflegt und sie segnet, oder der gute Hirte mit dem Schäfchen auf den Schultern.

 

Ein naher, vertrauter, ein harmloser Gott.

Vor dem fürchtet sich keiner,

und die Plätze im Himmel, die hamm wir doch eigentlich alle schon in der Tasche, oder? Vielleicht nicht grad direkt zur Rechten und zur Linken -

 

aber wenn ich jetzt etwa an Beerdigungsgespräche denke -

 

da macht sich eigentlich nie jemand Sorgen.

Dass ein verstorbener Angehöriger nicht in den Himmel kommt.

Da heisst es dann immer,

 

naja gut, ein Kirchgänger war er oder sie jetzt nicht,

aber schon ein guter Mensch,

der ist jetzt sicher im Himmel.

 

Vorsicht.

 

Hier warnt Jesus.

Er droht nicht, er macht keine Angst,

 

aber so wie ich im Gerichtssaal am Zuschauerbankerl gefremdelt hab mit meinem Vater in der schwarzen Robe beim Plädoyer,

 

so könnte es sein, dass wir alle fremdeln werden am Zuschauerbankerl vor Gottes Thron: und Gott wird nicht nur vertraut und lieb und harmlos sein, sondern wir werden nochmal ganz neu eine Menge Respekt, ja geradezu: einen Heidenrespekt haben vor ihm.

 

Jesus bestätigt Jakobus und Johannes: ja, ihr werdet mit der gleichen Taufe getauft, mit der ich getauft werde, werdet den selben Kelch leeren müssen, den ich trinke, werdet ein ähnliches Schicksal erleiden wie ich -

 

wir sind uns tatsächlich sehr nah, ihr und ich. Gottes Sohn, Mensch und Gott, Jesus und seine Jünger.

 

Aber das heisst noch lang nicht, dass ihr den Platz an meiner Seite im Himmel schon in der Tasche habt. Der ist vorgesehen für ganz bestimmte, den vergibt Gott höchstpersönlich, und die Kriterien kenn ich, Jesus, gar nicht, seid euch ja nicht zu sicher, egal wie vertraut und wie innig ihr mit mir seid.

 

Im Konfirmandenkurs ging es ums Abendmahl.

Ich hab euch beigebracht, dass man nicht Danke sagt, wenn man die Hostie kriegt, sondern? - Amen.

 

Und Amen heisst schon nochmal mehr als Danke.

Ich geb dir die Hostie und behaupte, das ist Christi Leib!

Und du/ Sie sagen Amen dazu, das bedeutet:

 

Ja, das denke ich auch, das glaube ich oder ich möchte es zumindest glauben. Dass in diesem Stück Oblate Gott selber ganz nah ist, gegenwärtig ist. Dass das heiliges Brot ist.

 

Und genauso sagt Jesus seinen Freunden: Gott ist der Bestimmer! Gott ist der Chef! Gott macht die Regeln! - und wir befolgen sie nur. Wir sagen Ja und Amen dazu, ja, wir wollen sie anerkennen,

wir lassen Gott den Chef, den Bestimmer sein -

 

auch wenn er damit ein großes Stück fremder wird für uns, unverständlich vielleicht, unberechenbar, fern, unnahbar -

 

und wir fremdeln. Haben einen Heidenrespekt. Vielleicht sogar Ehrfurcht und Angst, manchmal.

 

Das müssen wir alle im Blick behalten: Gott IST der liebe und nette,

wir vertrauen ihm schon unsere Kinder an in der Taufe und im Religionsunterricht,

 

an Weihnachten feiern wir die Heilige, Heile Familie überhaupt,

und auch Ostern ist ja irgendwie schon auch niedlich mit den süßen Hasen und den bunten Eiern und den Frühlingsblumen; ABER:

 

zu Ostern gehört auch die Fastenzeit und Karfreitag.

Drum fehlt das Gloria in der Liturgie (Frau Z.?),

eine der Glocken schweigt beim Läuten vor dem Gottesdienst (schon gemerkt??),

und auch hier im Raum gibts eine Veränderung..? (Kreuz in der Taufkapelle);

 

Ostern ist mehr als Hasen und Eier.

Nächsten Sonntag ist Palmsonntag, Einzug in die Jerusalem,

und darauf folgt die „Heilige Woche“, die Karwoche, die wichtigste Woche im ganzen Kirchenjahr.

 

Ich sag da jedes Jahr: es wär schad, wenn wir uns erst nächsten Sonntag wiedersehen, Sie lassen sich Wichtiges, Lebenswichtiges entgehen! nämlich Gründonnerstag, mit dem Feierabendmahl hier in der Kirche, ein einmaliges festliches gottesdienstliches Abendessen hier in der Kirche als Andenken an das Abschiedsfest von Jesus und seinen Freunden;

 

damals hat er das erfunden, was wir als Abendmahl feiern.

Gründonnerstag, 19 Uhr, hier in der Kirche, wer einmal dabei war, vergisst es nie - die Bänke kommen alle raus, wir sitzen an langen Tischen mit weissen Tischdecken und Brot und Wurst und Käse;

 

und danach wird alles wieder umgebaut, weil ja am Karfreitag hier wieder Gottesdienst ist. Ernst, todernst sogar, alle kommen in schwarzen Anzügen und flüstern höchstens und die Glocken schweigen;

 

es geht um die Kreuzigung Christi,

 

und ich werbe sehr eindringlich,

 

setzen Sie sich dem Ernst dieses Tages auch aus!

 

Halten Sie diesen ernsten, stillen Feiertag, verharmlosen und übergehen Sie ihn nicht einfach.

 

Den Konfis hab ich beigebracht, dass mich das auf die Palme bringt, wenn sie das Abendmahlsbrot nicht richtig bezeichnen. (Wie heissen die Oblaten? Hostien!)

 

Es gibt noch eine zweite Möglichkeit, mich auf die Palme zu bringen, etwas kaputtzumachen durch Unachtsamkeit:

 

und das ist Osterdeko, bunte Plastikeier oder ähnliches, wenn sie schon weit vor Ostern, an Gründonnerstag und Karfreitag und Karsamstag in den Zweigen der Vorgärten baumeln.

 

Des ärgert mich furchtbar.

 

Wartens halt bitte mit dem Dekorieren den Ostersonntag, die Auferstehung Jesu ab.

 

Vor dem Geburtstag zu gratulieren ist ganz verpönt, da sinds alle abergläubisch, und in den Vorgärten meiner Gemeindeglieder ist bitte vor Ostern karfreitäglicher Ernst und Schmucklosigkeit und Kargheit -

 

weil wir doch unseren Gott und seinen Tod nicht verharmlosen wollen.

 

Damit wir ernstnehmen, wie fremd dieser Gott den Menschen sein könnte, welchen Heidenrespekt wir alle vor ihm haben werden, wenn wir am Zuschauerbankerl sitzen, und eben nicht zu seiner Rechten und seiner Linken an Gottes Thron, und wenn entschieden wird, ob wir leben, mit Gott, oder ob wir untergehen.

 

Um nichts weniger geht es an Ostern.

 

Alle Jahre wieder, wenn es irgendwie geht, drück ich mich vor dem Karfreitag, davor, da den Gottesdienst halten zu müssen; gut, dass wir heuer die Heike Immel haben. Weil die Vorstellung dermaßen furchtbar ist, das wäre Gottes letztes Wort gewesen, das Todesurteil über den Menschen.

 

Stellen Sie sich vor, Jesus wäre tot geblieben.

 

Gottes letztes Wort: der Tod und das Kreuz.

 

Sein letztes Wort an unsere Toten: sie alle wären verloren -

wir selber wären verloren -

 

und es gäbe keinerlei Hoffnung auf Ostern und Auferstehung.

 

Halten Sie diese Vorstellung in Gedanken mal einen Karfreitag, einen stillen Karsamstag lang aus. Die schreckliche Vorstellung, wir hätten wirklich nur ein Frühlingsfest mit Hasen und Eiern, mit Blumen und Süßigkeiten, und nicht den Sieg Gottes in Jesus Christus über den Tod.

 

Denn nur wenn einem das Fremde, das Bedrohliche und Todernste an Gott bewusst ist, nur dann kann man doch das Nahe, das Zugewandte und Liebevolle an Gott überhaupt erst wirklich schätzen, wie kostbar das ist.

 

Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;

zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das steht mir nicht zu, euch zu geben, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

 

 

 

 
Gewaltlosigkeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Freitag, den 18. Juli 2014 um 14:28 Uhr

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

was wissen Sie eigentlich über Gandhi?

 

Das ist dieser kleine dünne Mann mit den abstehenden Ohren, in den Worten von Martin Kämpchen „dieses krummbeinige Männlein mit glattrasiertem Kopf, mit Knollennase und knielangem Lendenschurz“ aus Indien, ein studierter Rechtsanwalt; die Vorfahren väterlicherseits waren seit drei Generationen Ministerpräsidenten.

 

1869 wurde er geboren, in Indien und England ausgebildet und ging später eben als Anwalt nach Südafrika, unter indische Einwanderer. Im Kampf gegen deren Diskrimierung hat er seine Methode des gewaltlosen Widerstandes erprobt, für den er so bekannt und berühmt wurde.

 

1915 ist er nach Indien zurückgekehrt, hat gekämpft für die Unabhängigkeit,

 

1947 wurde Indien frei, ein knappes halbes Jahr später hat ihn ein Attentäter erschossen.

 

Schüchtern muss er ursprünglich gewesen sein, total ungeeignet also als Rechtsanwalt. Außerdem wohl eher eitel, ein schwacher Mensch, Zigaretten, Wein, Bordell, Diebstahl, nichts ist ihm fremd gewesen;

 

aber zugleich gab es wohl schon von Jugendjahren an eine Neigung, mit sich selbst sehr hart ins Gericht zu gehen und unglaublich hohe Ansprüche an sich selbst zu stellen.

 

Am Ende hat er sich von Grund auf radikal zum Guten verändert, warum?

 

Weil er zu der Überzeugung gekommen war:

Das Verhalten des Einzelnen ist nicht belanglos, sondern es hat metaphysische Konsequenzen. Deshalb wollte er seine Begierden und Leidenschaften reinigen und heiligen.

 

Und zwar durch und durch.

 

„Mahatma“ haben ihn schließlich die Leute genannt, das ist ja nicht sein Vorname - sondern das ist ein sanskritischer Ehrenname, das heißt „Große Seele“.

 

Diesen Ehrennamen hat er erst abgelehnt; später hat er in ihm immerhin ein Ziel gesehen und wollte ihm mit der Zeit immer mehr gerecht werden, immer mehr drauf hinleben, ein Mahatma, eine große Seele, zu werden.

 

Darin sah er seine Lebensaufgabe - und die hat er ernst genommen, todernst.

 

Für die Massen in Indien ist Gandhi mit seinem Werk umstritten geblieben. Er wirkt heute nur noch sehr oberflächlich im Bewusstsein der Nation. Im Westen ist er fast mehr adaptiert worden, allerdings auch idealisiert und vereinfacht und vor allem verabsolutiert.

 

Das muss man sich schon bewusst machen, dass seine Taktik von der kompromisslosen Gewaltlosigkeit nur sinnvoll und möglich war innerhalb eines bestimmten Gesellschaftssystems, nämlich einem, das ohnehin humanistisch orientiert war.

 

Unter Hitler wäre er einfach vergast worden oder in Vietnam, wäre als obskurer Fanatiker dritten Ranges allenfalls in die Fußnoten der Weltgeschichte eingegangen.

 

Aber er wollte in Indien soziale Gerechtigkeit, die Gleichheit der Individuen, dass die Unberührbaren auch als vollwertige Menschen behandelt werden. Aber er wollte eben nicht nur politisch aktiv sein, soziale Strukturen verändern, sondern existentiell und individuell die Motive jedes einzelnen Menschen reinigen, veredeln, heiligen - allem voran seine eigenen.

 

Faszinierend an Gandhi sind letztlich weniger seine politischen Erfolge und seine sozialen Reformideen.

 

Faszinierend ist, wie radikal er an das Gute im Menschen glaubt: Herzensreinheit, Selbstlosigkeit und Gewaltlosigkeit, „das muss doch möglich sein!“, das war seine Vorstellung, und wenn man schon nicht so sein kann, so kann man sich wenigstens drum bemühen, immer mehr so zu werden.

 

Gandhi war kein Christ.

 

An Jesus hat ihm aber natürlich vieles gefallen, vor allem die Bergpredigt und dort natürlich das Stück daraus, das ich vorhin gelesen habe: die Seligpreisungen:

 

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
   6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
   7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
   8 Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
   9 Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

 

Was ist Frieden?

Frieden ist das Schweigen der Waffen, die Abwesenheit von Krieg;

aber das ist ja längst nicht alles.

 

Denken wir über Gandhi hinaus.

 

Fragen wir die Bibel, was ist Frieden? Im Epheserbrief steht schlicht: „Christus ist unser Friede.“ (Eph 2, 14)

 

Religionen haben ja immer schonmal beide Funktionen übernommen: Einerseits Quelle von Gewalt zu sein - und andererseits von Frieden.

 

Gewaltentstehung auf der einen, Friedensstifter auf der anderen Seite - und das kann gar nicht anders sein. Denn es geht um Wahrheitsansprüche, die man nicht mehr hinterfragen kann, um Herkunftsmythen, um heilige Texte...

 

das Alte Testament strotzt von Gewalt: Simson, ein Geweihter von Mutterleib an, kann mit bloßen Händen junge Löwen zerreissen;

 

mit einem Mord begann die Befreiung Israels aus der Fremdherrschaft der Kanaaniter;

 

beim Tanz ums Goldene Kalb gibts Tote,

die Baalspriester werden zu Hunderten umgebracht,

 

wie passt das zu Jesus, der sich widerstandslos hat festnehmen und kreuzigen lassen?

 

Jesus ist die biblische Vision vom Frieden, er ist der lang verheißene Friedensfürst - und zugleich muss aber doch der historische Jesus einer der größten Unruhestifter und Aufmischer der Geschichte gewesen sein.

 

Nach dem Matthäusevangelium sagt Jesus:

34 Ihr sollt nicht glauben, daß ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen gegen seinen Vater und die Tochter gegen ihre Mutter und die Schwiegertochter gegen ihre Schwiegermutter. 36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein.

Das klingt so gar nicht nach den Jesusgemälden, die manche/viele von Ihnen über dem Bett im Schlafzimmer hängen haben. Mit Jesus als dem guten Hirten mit dem Schaf auf der Schulter.

Das klingt nicht nach dem lieben Gott, der alles versteht und alles verzeiht.

Das klingt auch nicht danach, als hätte Jesus vor allem unser soziales Miteinander hier im Leben regeln und erneuern wollen.

Jesus wollte nicht politischen Frieden. Noch viel weniger als Gandhi.

Jesus wollte Frieden zwischen Mensch und Gott. Nicht nur Frieden auf Erden, sondern Friede zwischen Himmel und Erde.

Die Gesellschaft, in der Jesus gelebt hat, war gewalttätig. Die Römer durften die Leute zwingen, dass sie alles stehen und liegen lassen und mit ihnen mitgehen, etwa um ihre Lasten zu tragen.

Kleinste Vergehen sind rigoros und brutal bestraft worden,

die Frauen waren rechtlos,

es gab Armut und Unterdrückung,

die Zolleinnehmer haben den Leuten das Geld abgepresst und es nachher zum Fenster rausgeworfen... -

... aber hier Frieden zu schaffen, Gerechtigkeit, Freiheit, das lag weit außerhalb der Möglichkeiten der ersten Christen.

Jesus hat seine Jünger nicht aufgerufen, die Welt zu verändern, sondern in einer gottlosen Welt Gottes Willen zu tun, ohne Kompromisse und immer und unbedingt.

Vergeltung und Gerechtigkeit wird stattfinden. Aber: Rache ist das Hoheitsrecht Gottes. Rächt euch nicht selbst, denn mein ist die Rache, spricht der Herr, steht schon

Römer 12:

Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht!

18Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden!

19Rächt euch nicht selber, liebe Brüder, sondern lasst Raum für den Zorn (Gottes); denn in der Schrift steht: Mein ist die Rache, ich werde vergelten, spricht der Herr.

20Vielmehr: Wenn dein Feind Hunger hat, gib ihm zu essen, wenn er Durst hat, gib ihm zu trinken; tust du das, dann sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt.

21Lass dich nicht vom Bösen besiegen, sondern besiege das Böse durch das Gute!

Das ist Friede.

 

Jesus sagt zum Abschied zu seinen Jüngern: Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch - nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

 

Mehr als alles andere ist Frieden persönlicher Frieden des Einzelnen mit Gott, „mit sich im Reinen zu sein“. Jeder Sonnenuntergang am Abend macht a bisserl wehmütig, weil er uns erinnert, dass irgendwann endgültig die Sonne untergeht für einen jeden und eine jede von uns - und dann soll uns Gott nicht unversöhnt antreffen.

 

Drum sollen wir Frieden schließen miteinander, jeden Tag, jeden Abend, „lasst die Sonne nicht untergehen über eurem Zorn!“ und versöhnt euch jeden Abend miteinander - wenn es sein soll, auch die Evangelischen mit den Katholiken hier am Straßenfest auf dem Parkplatz, es ist die beste Gelegenheit.

 

und: lasst euch versöhnen mit Gott.

 

Selig sind die Sanftmütigen“ - was ist denn sanftmütig?

 

Das Gegenteil von Rumpelstilzchen - und das Gegenteil von denen, die mit Gewalt das erreichen und durchdrücken wollen, was sie für richtig halten.

 

Dabei sind die Sanftmütigen auch nicht zwangsläufig die Bequemen für ihre Umgebung. Manchmal schaffen gerade sie die dauerhaftesten Veränderungen.

 

Die sanftmütige Herrschaft von Jesus hat Bestand seit 2000 Jahren (und wird noch in alle Ewigkeit weiter bestehen);

 

Sanftmütige haben Krankenhäuser gebaut und Witwen und Waisen versorgt,

 

Sanftmütige haben die Sklaverei abgeschafft und die Menschenrechte mit durchgesetzt,

 

Sanftmütige haben mit ihrer Liebe mehr Menschenherzen erobert und Gutes für die Menschheit erreicht als es Gewaltherrscher und Druck hingekriegt hätten, denken ie an das Ende der DDR, an Martin Luther King;

 

die Sanftmütigen könnten Ellenbogen einsetzen, könnten schimpfen, könnten Druck ausüben - aber sie entscheiden sich anders.

 

Sie überlassen es Gott, ihnen Gerechtigkeit zu verschaffen und sie zu rächen.

 

Sie verwandeln ihren Groll nicht in aggressive Taten und halten es statt dessen aus, (für eine Weile noch) durchaus auch mal auf der Verliererseite zu stehen - weil Gott es richten wird.

 

Was heisst das für uns? Was heisst es für die Ökumene in Garching, was heisst das allgemein für unsere menschlichen Auseinandersetzungen auf der Suche nach der Wahrheit?

 

Kriegen die Katholiken recht, oder die Evangelischen, soll man nachgeben, muss man sich durchsetzen? Was heisst gewaltfreier Widerstand nach Gandhi, nach Jesus, wie machen wir es richtig?

 

Gandhi sagt, wir sollen mit der Wahrheit im Bunde bleiben, dann sind wir mit Gott im Bund.

 

Und: wir sollen den Preis der Unterwerfung nicht einfach zahlen, um ungeschoren davonzukommen.

 

Wir sollen unsere eigenen Lebensaufgaben, wie wir sie erkannt haben, todernst nehmen, zu äußersten Opfern bereit sein und auf der Wahrheit beharren; wir sollen die Suche nach der Wahrheit unter gar keinen Umständen aufgeben.

 

Aber: wir sollen dabei nicht die leiseste Absicht haben, dem Gegner Schaden zuzufügen. Sanftmütig sein und bleiben.

 

Allenfalls sollen wir ihn zu gewinnen versuchen durch Leiden in der eigenen Person, aber alles, was lebt, sollen wir lieben wie uns selbst und uns damit identifizieren.

 

So oft werden wir ermuntert von Selbsthilferatgebern aller Art und auch von den Sonntagspredigten, dass wir uns selber lieben sollen, damit wir fähig werden, den Nächsten zu lieben.

 

Heute bedrängen uns Gandhi und Jesus gemeinsam: bleibt nicht bei der Selbstliebe stehen! Verhätschelt euer eigenes Ego nicht, sonst holen euch eure Leidenschaften und eure Begierden ein.

 

Sondern haltet euch selbst und eure Begierden an der kurzen Leine - und wendet euch eurem Nächsten zu.

 

Und der Komparativ zur Nächstenliebe, die Steigerung überhaupt - ist die Feindesliebe.

 

„Liebt eure Feinde und tut Gutes denen, die euch hassen!“, das ist zwar wahnsinnig radikal - aber es ist original „Jesus“. Lassen Sie es uns ernstnehmen. Ihm war es todernst damit, im wahrsten Sinne des Wortes.

Es sollte auch uns todernst damit sein, uns Christen, katholisch genauso wie evangelisch.

 

Vielen Christen scheint heute die Frage nach den Konfessionen als überholt. Es interessiert nicht, was „katholisch“ oder „evangelisch“ ist. Die überlegen, was „christlich“ ist.

 

Das kann völlig unterschiedliche Gründe haben:

 

- Es kann Ausdruck allgemeiner religiöser Gleichgültigkeit sein.

- Es kann auch Unverständnis bedeuten gegenüber den Feinheiten theologischer Gegensätze.

- Es kann aber auch anzeigen, dass sich da jemand auf das Wesentliche im Glauben konzentriert.

 

In vielen Familien wird ökumenische Gemeinschaft gelebt, in größter Selbstverständlichkeit und ohne große Probleme - durchbrochen nur durch Gottesdienst- und Abendmahlsgemeinschaft, absurd genug.

 

In beiden Gemeinden, katholisch und evangelisch, gibts durchaus konfessionelles Bewusstsein:

 

- bei den einen ohne jedes Anti-Gefühl,

- bei anderen, oft gerade bei den Engagierten, mit gewissen Ressentiments, hier wie dort:

 

Man befürchtet Substanzverlust, man befürchtet, dass Glaubenswahrheiten gleichgültig werden, man befürchtet eine Preisgabe der eigenen kirchlichen Identität.

 

Und unter den Theologen ist es genauso.

 

Aber vereinen wird die Kirche der Christenheit weder das Agapemahl oder Nicht-Agapemahl in Garching im ökumenischen Gottesdienst oder hier am Parkplatz,

 

noch der Papst noch Pfarrer Ljubisic oder eine von uns -

sondern einen wird unsere Kirche Jesus Christus selber.

 

Und im Vertrauen darauf, dass Jesus das schon hinkriegen wird, können wir als Evangelische und als Katholiken uns durchaus immer mal wieder abwechselnd oder einseitig oder gemeinsam getrost auf der Verliererseite im ökumenischen Dialog wiederfinden.

 

Und wir können es dort, auf der Verliererseite, durchaus eine Zeitlang aushalten. Macht nix. Wir verlassen uns drauf, beide Seiten: am Ende der Tage wird Gott es richten. Und die Wahrheit kommt zu ihrem Recht und setzt sich endgültig durch.

 

Deshalb sollten wir alle immer wieder persönlich Frieden schließen mit Gott; wir sollten im Umgang mit unserem Nächsten unnachgiebig festhalten an der Wahrheit, aber dem anderen dabei auf keinen Fall Schaden zufügen wollen; wir sollten niemals faule Kompromisse eingehen, nur um ungeschoren davonzukommen, und nichts und niemand sollte uns allen so wichtig sein wie der Frieden zwischen Himmel und Erde.

Selig, die keine Gewalt anwenden; denn sie werden das Land erben.

Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden satt werden.

Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.

Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.

Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden.

Amen.

 
Predigt am Ostermontag PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Peter Marinkovic   
Dienstag, den 29. April 2014 um 07:15 Uhr

Predigt am Ostermontag 2014

über Apg 10,34a.36-43

Peter Marinkovic

Der für heute vorgesehene Predigttext steht in der Apostelgeschichte 10,34a.36-43:

34 Petrus aber tat seinen Mund auf und sprach: Gott … 36 (Er) hat das Wort dem Volk Israel gesandt und Frieden verkündigt durch Jesus Christus, welcher ist Herr über alle.

37 Ihr wisst, was in ganz Judäa geschehen ist, angefangen von Galiläa nach der Taufe, die Johannes predigte, 38 wie Gott Jesus von Nazareth gesalbt hat mit Heiligem Geist und Kraft; der ist umhergezogen und hat Gutes getan und alle gesund gemacht, die in der Gewalt des Teufels waren, denn Gott war mit ihm. 39 Und wir sind Zeugen für alles, was er getan hat im jüdischen Land und in Jerusalem. Den haben sie an das Holz gehängt und getötet. 40 Den hat Gott auferweckt am dritten Tag und hat ihn erscheinen lassen, 41 nicht dem ganzen Volk, sondern uns, den von Gott vorher erwählten Zeugen, die wir mit ihm gegessen und getrunken haben, nachdem er auferstanden war von den Toten. 42 Und er hat uns geboten, dem Volk zu predigen und zu bezeugen, dass er von Gott bestimmt ist zum Richter der Lebenden und der Toten. 43 Von diesem bezeugen alle Propheten, dass durch seinen Namen alle, die an ihn glauben, Vergebung der Sünden empfangen sollen.

Amen

Übersetzung Martin Luthers (1984)

Liebe Gemeinde,

was kommt nach dem Tod? Folgt überhaupt noch etwas nach, eine wie auch immer geartete Weiterexistenz, oder ist nach dem Tod „alles aus“?

Jüngst hat eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag des evangelischen Magazins Chrismon ergeben, dass 60 Prozent der über 60-jährigen der Aussage zustimmen, dass nach dem Tod „alles aus“ ist. Nur 34 Prozent zwischen 14 und 19 Jahren schlossen sich dem an. 57 Prozent der Jüngeren glauben hingegen, dass die Seele nach dem Tod weiterlebt. Dieser Ansicht sind wiederum nur 34 Prozent der über 60-jährigen.

Ein interessantes Ergebnis, über das nachzudenken sich lohnt. Doch das Auffälligste ist nicht einmal so sehr, dass die prozentuale Verteilung bei den Älteren und Jüngeren genau umgekehrt ausfällt.

Das Auffälligste ist, dass eine Position kaum genannt worden ist, nämlich der Kern der Botschaft des heutigen Ostertages: die biblische Hoffnung auf leibliche Auferstehung.

Der Umfrage zufolge glaubt heute kaum noch jemand an die leibliche Auferweckung durch Gott.

Die Auffassung „mit dem Tod ist alles aus“ kann sich ebenfalls auf die biblische Tradition berufen. Die meisten Schriften der Hebräischen Bibel, unserem christlichen Alten Testament, vertreten eine solche Ganztodtheologie: Wenn der Mensch stirbt, ist er voll und ganz tot. Es entweicht auch keine unsterbliche Seele, die irgendeine Form der Weiterexistenz sichern könnte. Erst in spätalttestamentlicher Zeit, nach 300 v. Chr., entstehen Vorstellungen eines Lebens nach dem Tod, auf die ich später zurückkommen werde.

Woher stammt die Annahme einer unsterblichen Seele, die gerade bei heutigen Jugendlichen so beliebt ist?

Die Unsterblichkeit der Seele war das Hoffnungsangebot der griechischen Antike. Der Körper galt als Kerker der Seele. Im Tod wird sie von ihm frei.

Gegen die Leibfeindlichkeit dieser Weltanschauung wandten sich die frühchristlichen Denker. Der im 3. Jahrhundert n. Chr. in Alexandria lehrende Origenes fand eine Seele ohne Leib nicht vorstellbar. Der Kirchenvater Tertullian formulierte um 200 n.Chr.: „Wenn der Erlöser als gute Nachricht nur das Leben der Seele verkündet hätte, was hätte er denn Neues gebracht im Vergleich zu Pythagoras, Plato und dergleichen Männer?“

Worin besteht der entscheidende Unterschied zwischen der biblischen Auferweckungshoffnung und der griechischen Vorstellung einer Unsterblichkeit der Seele (oder der pauschalen Ansicht, dass es irgendwie weitergehen wird, à la „Hinter dem Horizont geht’s weiter“, wie Udo Lindenberg einst sang)?

Die biblische Hoffnung auf Auferstehung denkt von der Gerechtigkeit für die Opfer der Geschichte her, nicht vom menschlichen Überlebenswillen. Der Tod ist sonst der große Gleichmacher. Irgendwann muss es einen Richterspruch geben, damit die Verlierer der Weltgeschichte, die in Vergessenheit geraten können, nicht endgültig verloren haben. Der Augsburger Philosoph Thomas Schärtl formulierte bei einer Tagung der Katholischen Akademie - im Zusammenhang einer Diskussion über postmortale Gerechtigkeit - einmal die drastischen Worte: „Ich will Auferstehung und keine Unendlichkeit!“

In den alttestamentlichen Auferstehungsaussagen geht es um ein neues, unvergängliches Leben für bereits Verstorbene und um eine endgültige Überwindung des Todes. So heißt es in der Jesaja-Apokalypse (Jesaja 24-27), Gott werde den Tod ‚für immer verschlingen’ (Jes 25,8), eine Kontrastaussage zu der Vorstellung, dass die Unterwelt den Menschen verschlinge (Ps 69,19; Jes 5,14 u.ö.).

Wichtigster und unumstrittener Beleg für eine Auferstehungserwartung ist schließlich Daniel 12,2-3. Unter dem Eindruck der Religionsverfolgungen der Makkabäerzeit (2. Jh. v. Chr.) stellt sich angesichts der Martyriumserfahrungen der Gerechten die Theodizeefrage, und sie findet eine Antwort in der Hoffnung auf postmortale Gerechtigkeit: ‚Und viele, die im Land des Staubes schlafen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach, zu ewigem Abscheu’ (Dan 12,2)“.

Biblische Auferweckungshoffnung gründet allein in Gott und seiner schöpferischen Kraft.

In 1 Sam 2,6 heißt es: „Der Herr tötet und macht lebendig, er führt hinab zu den Toten und wieder herauf“.

Für das Verständnis dieser Textstelle ist Psalm 104 besonders aufschlussreich. In Vers 29f. spricht der Beter Gott direkt an: „Verbirgst du dein Angesicht, werden sie schreckensstarr, entziehst du ihren Atem / ihren Geist(hebr. rûach), verscheiden sie, und zu ihrem Staub kehren sie zurück. Sendest du deinen Atem / deinen Geist (hebr. rûach) aus, so werden sie geschaffen“. Gott ist es, der mittels des Atems das Leben schenkt und wieder nimmt. Ganz so wie es bei der Erschaffung Adams am Anfang der Bibel heißt: „Da formte Gott, der Herr, den Menschen aus Erde vom Ackerboden und blies in seine Nase den Lebensatem/die Seele (hebr. næpæš). So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ (Genesis 2,7)

Auch die Auferweckung Jesu Christi durch Gott ist ein schöpferischer Vorgang, ein Akt der Neu-Schöpfung. Der Künstler Matthias Nithart, genannt Gruenewald, hat dies in seinem Auferstehungsbild des Isenheimer Altars um 1510-11 geradezu kongenial umgesetzt.

Für die biblische Auferstehungshoffnung ist die leibliche Auferweckung konstitutiv. (Der Geist-Leib, der Auferstehungsleib, ist nicht einfach normale Materie, sondern vielmehr eine Art himmlische Materie.) Dabei ist mit Leib der Selbstausdruck einer Person gemeint, nicht nur der physische Körper, von dem die Seele sich im Tode trennt: Es geht um die ganze Person mit all ihren Bezügen zu anderen - zu anderen Geschöpfen, zur Erde, zur Welt. Der Leib ist geradezu das Einfallstor für andere und für die Kommunikation mit anderen. Leibliche Auferstehung meint nicht die Wiederkehr des Körpers, die Rekonstruktion des verfallenen Körpers, sondern leibhaftige Auferstehung meint, dass die Person als Ganze auferweckt wird. Nicht nur sozusagen eine „nackte Seele“ (ohne Körper), sondern die Person als Ganze mitsamt ihren Bezügen zu den anderen wird auferweckt. D.h. sie geht in eine andere Dimension ein, in die Dimension des Anderen, in die Dimension Gottes, in das ewige Leben, also in eine andere Seinsweise und in eine andere Dimension außerhalb unserer Raum-Zeit-Kategorie.

In der endgültigen Begegnung mit Gott und dessen Liebe merken wir, was an uns dieser Liebe entsprochen hat und was ihr nicht entsprochen hat. Wir merken, dass die Liebe Gottes uns erfasst und erwärmt und - sozusagen - das Gefrorene an uns auftaut.

Fast so wie es den beiden Jüngern ergangen ist, die mit dem auferstandenen Jesus von Jerusalem ins nahe gelegene Emmaus gingen, ohne ihn zu erkennen. Erst beim Brotbrechen am Abend in der Herberge wurden ihre Augen geöffnet und er verschwand vor ihnen. Da sprachen sie untereinander:

Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete? (Lukas 24,32) Und sie gaben diese Botschaft weiter.

Vertrauen auf Gottes Gerechtigkeit und der Glaube an Gottes Treue und Liebe, die uns verwandeln zu neuem Leben – das ist es, was der christlichen Auferstehungshoffnung zugrunde liegt. Der Tod kann weder Gottes Gerechtigkeit noch Gottes Liebe Grenzen setzen.

Amen.

 
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