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Predigten
Erntedank, Mitarbeiterdank, Elternzeit PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 05. Oktober 2013 um 10:46 Uhr

Liebe Gemeinde,

 

die Früchte hier vor und auf dem Altar - sie sind der Gabentisch Gottes.

Wie am Heiligen Abend die Geschenke am Gabentisch liegen, die wir einander gegenseitig machen, so symbolisieren die Gaben heute, an Erntedank, alles, was Gott uns schenkt:

 

was wir zum Leben brauchen - Erfolge und Freuden, Bewahrung und Glück, Versöhnung, Freundschaft, Familie und alle Sternstunden.

 

Und die Erntedankgaben symbolisieren unseren Anteil an Lebensernte, den wir Gott zurückgeben,

 

Mit dem wir Gott Danke dafür sagen und ihm und anderen zeigen, dass uns bewusst ist, woher wir alles haben und wem wir alles verdanken - dass also unsere Lebensernte nicht nur Erträge unserer Mühen sind, sondern letztlich Gottesgeschenke, vom Himmel geschickt.

 

Dass ist der erste Grund, warum wir für dieses Fest heute die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Kirchengemeinde besonders eingeladen haben - weil wir gemeinsam Gott danken wollen für Sie - und für alles, was Sie erreichen und bewirken konnten im Dienste dieser Gemeinde.

 

Der zweite Grund ist unsere Dankbarkeit an Sie. Wir Hauptamtlichen, also, die wir bezahlt werden für unsere Arbeit, wir danken Ihnen, den Ehrenamtlichen, stellvertretend für alle, denen Ihr Engagement zugute kommt.

 

Man kann eine Kirchengemeinde mit einem Baum vergleichen; der wächst heran, wurzelt sich tief ein, wird meterhoch und kaum kann man den Stamm umfassen; so ist auch eine große Gemeinde, mit vielen Mitgliedern, sonntags ist die Kirche voll und es ist schön, dazuzugehören. Ein großer Baum, unsere Laudategemeinde.

 

Die Mitarbeit von Gemeindegliedern, das ehrenamtliche Engagement, das sind die Früchte am Gemeindebaum. Hier bringt die Gemeinde Frucht für die Menschen am Ort - auf vielerlei Weise.

 

- Sie erfahren vom Gemeindeleben.

- Sie werden vielleicht unterstützt darin, Glauben zu finden.

- Hier findet vielleicht der eine oder die andere aus der Isolation wieder neu in eine Gemeinschaft hinein.

- Hier werden vielleicht manches mal Ehen und Familien gestärkt,

- Hier kriegt jemand ganz tatkräftig Hilfe und Unterstützung,

- hier kann vielleicht jemand neu die eigene Berufung entdecken und leben.

 

Ich möchte jetzt verschiedene Tätigkeitsfelder in Laudate mal aufrufen.

Und meine Bitte wäre, dass sich diejenigen kurz mal erheben, die sich dieser Gruppe zurechnen und hier in Laudate ehrenamtlich aktiv sind.

 

Ich weiß, dass Sie das immer alle nicht mögen.

Aber auf die Weise erfahren Sie alle voneinander,

nehmen sich wahr,

können sich vielleicht nachher auch mal drauf ansprechen

und miteinander ins Gespräch kommen über das, was Sie tun;

 

und vielleicht gewinnen Sie auf diese Weise auch mal Mitarbeiter und neue Helfer dazu.

 

Und als weiteren Anreiz zum Aufstehen werden wir Ihnen bei der Gelegenheit Ihren Gutschein fürs Mittagessen überreichen, vielleicht entschädigt Sie das auch für die Zumutung, sich zeigen zu sollen :-)

 

Ich benenne ohne alphabetische oder sonst eine Reihenfolge der Wertigkeit unsere Gruppen und Dienste:

 

Kirchdienst

Kirchenmusik (viel ehrenamtlich!)

Kindergottesdienst (nachher nachreichen an die, die heute aktiv sind)

Kinderbibelwoche

Adventskranz und Christbaum

Kirchenkaffee

Frühschicht im Advent

Kirchenvorstand

Kirchenpfleger

Blumengießen

Taufwand gestalten

Chronik schreiben

Chor und Chorleitung

Gemeindebriefredaktion

Gemeindebrieflayout

Gemeindebriefaustragen

Spätlese vorbereiten und durchführen

Seniorenausflüge gestalten

Kindergruppe Rote Bande

Konfirmandenkirchdienst

Konfileiter

Zeltlager

Arbeitskreis Ökumene

Straßenfest

Gemeindefest (sind alle draußen und grillen?)

Besuchsdienst (braucht dringend Verstärkung!)

Gestalten der Osterkerze

Blumenschmuck

Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Homepage, Schaukasten)

Hilfe im Handwerk, Reparaturen, Renovieren, Grillen heute

 

welches ehrenamtliche Engagement hab ich vergessen? Wären alle da, müssten jetzt mehr als 140 Personen aufgestanden sein.

 

Welch ein Reichtum.

 

Und dieser Recihtum, ihn sich auch vor Augen zu führen und Danke zu sagen - das ist auch der Hintergrund für die Feiertagsruhe.

Schon das Volk Israel hat sich den Reichtum von Gottes Schöpfung vor Augen geführt, hat dankbar Erntedank gefeiert und daraus abgeleitet:

 

die Ernte ist groß; Gottes Güte ist groß; wir können uns den Sabbat und die Arbeitspause dieses freien Tages leisten - denn Gott sorgt für uns.

 

Israel ging noch einen großen Schritt weiter, hat alle sieben Jahre das Jubeljahr gefeiert; dort wurden die Sklaven freigelassen, wurden die Schulden erlassen und die Felder brach stehen gelassen, um deutlich zu machen: nicht wir sind die Herren über die Schöpfung und nicht über unsere Mitmenschen, sondern Gott allein gehört die Welt. Unsere Zeit steht in seinen Händen.

 

So ähnlich mach ich es auch, zum einen oder anderen hat es sich schon rumgesprochen: ich werde ab November nochmal einen langen Urlaub nehmen. Die Ernte ist so groß, dass es geht;

die Gemeinde ist so aktiv und so fit, dass das geht;

 

der Kirchenvorstand ist gut eingearbeitet, ist weiter arbeitsfähig;

die Jugend ist personell gut versorgt, die Besetzung mit Ines Hütter nannte der Dekan in einem Gespräch am vergangenen Freitag „genial“;

die Sabine Brand-Lehmann ist im Pfarrbüro nach zwei Jahren gut eingearbeitet und arbeitsfähig, die Besetzung ist auch genial;

 

unsere Sanierungen, auch den Übergang auf die Fernwärme und die WC-Anlage im UG ist bis dahin abgewickelt,

 

der Neubau für den Kindergartenbetrieb steht und ist bezogen und eingeweiht,

 

der Zweckverband kümmert sich um Personal und Verwaltung des Kindergartens;

über 140 Menschen arbeiten ehrenamtlich mit, und die Kirche stellt eine Vollzeitvertretung für mich, und das ist nicht Katarina Freisleder. (Ich sage gleich noch mehr dazu.)

 

wann denn, wenn nicht jetzt bin ich eine Zeitlang entbehrlich?

 

Was ich vorhabe, wird gar nicht mal so sehr eine „Auszeit“ sein.

„Auszeit“ sagt man ja im Sport (Fußball o.ä.), wenn das ganze Spiel unterbrochen wird, alles stillsteht, weil man sich absprechen will oder wenn einer verletzt ist.

 

Oder in der Erziehung spricht man von Auszeit, wenn aufsässige Kinder eine Zeitlang auf einen stillen Stuhl in die Ecke gesetzt werden.

 

Das trifft auf mich nicht zu.

 

Ich werd mich vielmehr für ein Jahr auswechseln lassen.

 

Ich mache unbezahlten Urlaub,

krieg also kein Gehalt, koste meinen Arbeitgeber in dieser Zeit nichts -

 

und an meiner Stelle wird Pfarrerin Heike Immel aus Milbertshofen mit einer ganzen Stelle in Vollzeit ausschließlich dafür da sein, mich zu vertreten und meine Aufgaben in der Gemeinde und im Beruf auszufüllen.

 

Wie ist das möglich?

 

Ich bin nicht schwanger.

 

Ich hab aber drei Kinder, und ich bin bei keinem der drei Mädchen in Elternzeit gegangen.

 

Ich stand immer acht Wochen nach der Entbindung wieder in der Gemeinde auf der Matte und hab weiter gearbeitet.

Das war wirtschaftlich für uns anders gar nicht möglich, Sie wissen das vielleicht, ich bin der Alleinverdiener bei uns und damit die Familienernährerin.

 

Aber als vor zwei Jahren mein Vater starb, hat er uns etwas hinterlassen; und meine Familie und ich kamen zu der Entscheidung, dass das kostbarste, was sich mit diesem Nachlass jetzt kaufen lässt, eine Zeit ist, in der auch ich einmal Zeit hab für meine Töchter und meinen Mann, und in der sich die Akkus auch wieder etwas aufladen.

 

Zwar werden meine Kinder dann etwas weniger erben, wenn ich tot bin; aber dafür haben sie mehr von mir, so lange ich noch lebe.

 

Meine Hoffnung und meine Plan ist es, dieses Jahr zu nutzen für die Familie und (!) zur Inspiration.

Statt immer selber vorne zu stehen, würd ich jetzt gerne mal meinen Kollegen in anderen Gemeinden über die Schulter schauen:

 

in Freimann haben sie Gottesdienste mit spezieller Musik, da platzt ihnen regelmäßig die Kirche aus allen Nähten, wie machen sie das?

 

Sie feiern auch Jugendgottesdienste,

wie läuft das bei denen?

 

In der Christuskirche gibt es Glaubenskurse und die sprechen vor allem die mittlere Generation an - wie sieht das aus? wär das auch was für uns?

 

In Dorfen sind sie politisch unheimlich aktiv, für die Integration von Asylbewerbern und Flüchtlingen,

 

in Nürnberg wollen sie eine Vesperkirche einrichten für Obdachlose, was steckt da dahinter?

 

Ist bei alledem auch was für uns dabei?

oder inspiriert uns das zu ganz was anderem?

Was gibt es außerhalb von Kirchengemeinden und kirchlichem Umfeld, was uns für unsere Arbeit hier bereichern könnte?

 

Theater, Musik, Kino, Kunst und Kultur - ich hab vieles schleifen lassen in den siebzehn Jahren, seit ich hauptberuflich in der Kirche arbeite.

 

Sie wissen, dass ich gerne mit diesen Handpuppen spiele und da gibt es auch Workshops und Kurse; aber die finden in Hildesheim statt. Mit einem freien Tag in der Woche ist mir die Teilnahme bisher unmöglich gewesen, vielleicht geht es jetzt?

 

Lauter solche Sachen möcht ich einmal ausprobieren, miterleben, und dabei Ideen sammeln und Inspiration - um in einem Jahr, so Gott will, wieder hier zu sitzen voll Tatendrang und voll Energie und mit einem Sack voll Plänen und Projekten, wie Laudate noch mehr wachsen und gedeihen, noch mehr Früchte tragen kann als bisher.

 

Denn es ist ein großer Schatz dieser Gemeinde, dieser Reichtum an Früchten, an Mitarbeitern und Ehrenamtlichen, und wo dein Schatz ist, so sagt Jesus seinen Freunden, da ist auch dein Herz.

 

Mein Herz gehört dieser Gemeinde.

Und ich denke, das wissen Sie auch.

 

Ich freu mich auf mein freies Jahr, das am 8. November beginnt, ich bin also noch eine Zeitlang da;

(außerdem bleiben wir im Pfarrhaus wohnen!)

 

und ich freu mich auch auf den Wiedereinstieg bei Ihnen in alter neuer Frische am 8. November 2014. Amen.

 

 
(Fremd-)Sprachen der Zuneigung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Freitag, den 13. September 2013 um 19:46 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

meine einprägsamsten Erlebnisse mit fremden Sprachen hatte ich bei den Böhmischen Brüdern. Gleich nach dem Vikariat bin ich für drei Jahre nach Tschechien gegangen, als Pfarrerin in Cheb, früher Eger; dort sind ja fast keine Deutschen mehr, die sind vertrieben worden, mit ganz wenigen Ausnahmen;

 

und ich sollte dort Besuche machen, Kinderbibelstunden halten, Gottesdienste vorbereiten, predigen, Pfarrersarbeit eben, alles auf Tschechisch, und ich konnte kein Wort.

 

Ich kann mich so gut einfühlen in die Spätaussiedlerkinder aus Russland, wie verloren man sich fühlt in einem Meer aus unverständlicher Sprache;

 

immerhin konnte ich mich verständlich machen. Die Tschechen können ja meistens Deutsch. Sie konnten mich sozusagen besuchen auf meiner Sprachinsel, mir zuliebe auf meine Sprache umsteigen;

 

und mit der Zeit kam dann Stufe zwei. Ich hab mich eingehört - also zunehmend mehr verstanden. Mehr verstanden, als ich selber reden konnte, und vor allem: mehr verstanden, als mir die Tschechen zugetraut haben. Da hab ich mancherlei gehört, das nicht für meine Ohren bestimmt war;

 

und dabei auch mal manches gehört, was mich sehr berührt hat.

 

An eine Gebetsgemeinschaft erinnere ich mich, da fiel, -wie vorher auch schon immer mal wieder - , mein Name, aber jetzt hab ich verstanden, was mein Kollege da gesagt hat. „Dekujeme ti za Kathrin!“, hat er gesagt, er hat Gott gedankt dafür, dass ich da bin.

 

Ich war sehr gerührt.

 

Auf Deutsch gesagt hat er mir das nie.

 

Die dritte Stufe hab ich dann nicht mehr erreicht -

wo ich hätte selbstverständlich hinüber- und herüber hätte wechseln können von einer Sprache in die andere; es blieb bei „Sprachinsel-Besuchen“ dabei, dass ich immer mal nicht ganz das hab sagen können, was ich sagen wollte, sondern das sagen musste, was ich sagen konnte -

 

Aber schon das hat uns einander viel näher gebracht, als wenn ich auf meiner Sprachinsel hocken geblieben wäre. Das kennen Sie von Urlaubsreisen, schon ein paar Sätze in der Landessprache verändern den Kontakt, vom Touristenverkaufskontakt zu etwas mehr Herzlichkeit.

 

Und so einen ähnlichen Prozess durchläuft auch jede Freundschaft und erst recht die Liebe. Die Partner sprechen oft erstmal verschiedene Sprachen und müssen sich erst annähern, vielleicht sogar mühsam die Sprache vom anderen lernen, wenigstens stückerlweise - und hier meine ich nicht die Landessprache, sondern die Sprache der Liebe.

 

Das ist eine Theorie aus den achtziger Jahren von Gary Chapman -

dass es mehrere Arten gibt, seine Zuneigung auszudrücken und auch sie so zu erfahren, dass man sie gut spüren und annehmen kann, fünf davon hat er beschrieben.

 

1. Lob, 2. Zeit (für den anderen/für sich), 3. Geschenke, 4. Hilfsbereitschaft, 5. Zärtlichkeit.

 

Eine davon liegt einem am meisten, jedem eine andere.

In der kann man selber am leichtesten seine Zuneigung ausdrücken,

in der spürt man Zuneigung vom anderen am deutlichsten;

 

das ist dann die eigene Muttersprache der Zuneigung.

 

Die Muttersprache der Liebe.

 

Und wenn der Partner/ die Partnerin eine andere Muttersprache der Liebe hat - und das ist relativ wahrscheinlich, zwischen zwei grundverschiedenen Menschen, am Ende auch noch Mann und Frau -

 

dann kann der eine vielleicht noch so viel Hingabe, Zuwendung, Liebe zeigen - der andere kriegt es gar nicht mit. Geschweige denn, dass er es verstehen und vielleicht sogar beantworten würde.

 

Das klassische Beispiel haben Sie alle vor Augen und/oder im Ohr, sie dreht sich vor dem Spiegel und seufzt: „Ich passe nicht mehr in Größe 36.“

 

Was will sie jetzt hören?

Vielleicht ist das eine Beziehungsaussage, sie sehnt sich danach, dass er sagt, „Schatzi, ich liebe an dir jede Kurve.“

 

Vielleicht.

 

Vielleicht sehnt sie sich auch danach, dass er sagt, „Schatzi, lass uns einen Kurs machen in veganem Kochen.“

 

oder einen Tanzkurs.

 

Dahinter steckt in der Sprache der Liebe die Sehnsucht, dass er Zeit mir ihr verbringt. Zeit zu zweit.

 

Ob sie sich nach einem schlichten pragmatischen Rat sehnt, das weiß ich nicht: „meld dich im Fitneß an und iss nicht so viel!“

 

Meine Lebenserfahrung sagt mir aber: die Wahrscheinlichkeit besteht, dass sie genau so einen Rat kriegen wird, und er wird sich sehr liebevoll dabei fühlen, denn das ist seine Sprache der Liebe: die Hilfsbereitschaft. Wenn sie dann grantig wird, wird er ratlos sein und fragen, was regst du dich denn so auf? ich wollte dir doch nur helfen.

 

Das Gegenbeispiel erlebt man vielleicht beim Hausbesuch zur Goldenen Hochzeit, wenn die Jubelbraut dankbar sagt, seit fünfzig Jahren schenkt er mir jeden Samstag einen Blumenstrauß. Und die Augen leuchten und sie drückt seine Hand - und er zwinkert mir zu und lacht. Er hat ihre Sprache der Liebe entdeckt - Geschenke - und versteht sie und spricht sie auch. Bingo.

 

Denn die Sprache der Liebe, der Zuneigung, das ist durchaus nicht nur ein Thema für Hochzeiten und für Jungvolk, im Gegenteil -

 

aus der Aufgabe, zu lieben, wächst man ja schließlich nicht raus mit dem Alter. Im Gegenteil.

 

Je älter man wird, desto öfter fragt man sich doch wahrscheinlich drei Dinge: rückwärts bezogen, auf die Vergangenheit: „hat sich die Mühe gelohnt?“ Bezogen auf die Gegenwart fragt man sich: „wozu bin ich da?“ und wenn man in die Zukunft schaut, will man sicher sein, dass man immer mal wieder glücklich sein wird, schöne Momente erleben wird und zufrieden sein kann.

 

Alles verändert sich immer wieder, es wird ganz bestimmt nicht einfacher; der berufsbezogene Rhythmus aus Distanz und Nähe geht verloren, die Aufgaben im Haushalt und in der Freizeit verteilen sich möglicherweise neu, der Bekanntenkreis muss neu aufgebaut werden, und man braucht immer neue Strategien, um auch komplizierte Strukturen zu meistern - und muss doch weiter das Interesse am Mitmenschen pflegen.

 

Am schlimmsten ist wahrscheinlich immer der dran, der das Gefühl hat, sein Tun und Lassen hat für niemanden mehr Bedeutung.

 

Und der wichtigste Schutz vor diesem Bedeutungsverlust ist ein Ehepartner, am besten einer, der die eigene Sprache der Liebe versteht und sie spricht, um Resonanz zu erzeugen,

 

dieses Gefühl, verstanden zu werden und akzeptiert und respektiert - eben geliebt. wie mit zwanzig. oder mit fünf.

 

Diese Sehnsucht hat Gott in uns angelegt, uns geliebt zu fühlen, von noch irgendeiner anderen Person als uns selbst.

 

Über kaum ein Thema kursieren so viele Witze wie über alte Ehepaare.

 

Am bekanntesten vermutlich der mit den beiden Semmelhälften, oben und unten; und die schöne Frage ans Goldene Hochzeitspaar, ob man nie an Scheidung gedacht hat in all den Jahren, und sie sind sich einig, an Scheidung nie, aber oft an Mord;

 

mein Lieblingswitz korrespondiert mit der Empfehlung, durch Candlelightdinner bei Sekt und stimmungsvoller Klaviermusik im teuren Restaurant die Leidenschaft am Leben zu halten. Ein Goldenes Jubelpaar berichtet also, dass es seine fünfzig Ehejahre dieser Gewohnheit verdankt, tatsächlich? ja! wir gehen jede Woche! er immer dienstags, sie donnerstags!

 

Am Traualtar versprechen sich die Paare, dass sie sich lieben und achten und ehren und sich die Treue halten, so lange sie leben. Sie holen sich Gottes Segen dazu; und beim Segen geht es nie nur um die Besiegelung bereits erfahrenen Glücks, sondern immer auch um den wirkmächtigen Zuspruch von Zukunft. Grade der Segen am Hochzeitstag bezieht immer die nächste Generation und zukünftigen Nachwuchs mit ein.

 

Und dann wird es oft so haarig und schwierig und wortkarg und tränenreich; nicht zuletzt auch deshalb, weil wir meinen, im Beruf ist es logisch, da muss man sich reinhängen und sich anstrengen - aber privat dann, in der Familie, der Partnerschaft, da will man auftanken, und da soll sich doch am besten alles leicht und glücklich anfühlen.

 

Und wir vergessen, dass der Partner, die Partnerin die erste Berufung ist - mit dem sind wir im Idealfall noch lange zusammen, wenn längst alle Kinder groß sind, und idealerweise auch dann noch, wenn der Beruf schon Geschichte ist.

 

Die Hochzeit mit dem großen Gottesdienst und dem feierlichen Trauungssegen macht es deutlich: hier, an der Seite des Partners, der Partnerin, da hab ich zuallererst meinen Platz -

 

und der Beruf darf ruhig wichtig sein. Darf viel Zeit beanspruchen, das bleibt gar nicht aus, vor allem, wenn jemand Karriere will und Verantwortung und viel Engagement. Er darf nur nicht die Erstverantwortung, die Erstberufung verdrängen und schon gleich gar keine Flucht sein aus dieser Erstverantwortung.

 

Und diesen Wunsch, geliebt zu werden - den hat offensichtlich auch unser Gott. Er hat uns geschaffen, als Gegenüber - um wen zu haben, den er lieben kann. Und Gott liebt in allen Sprachen der Liebe - in welcher spüren Sie ihn am deutlichsten? Sehnen Sie sich nach Zeit zu zweit, mit ihm alleine? nach seiner Hilfe? schwelgen Sie in Dankbarkeit für seine Geschenke, dürsten Sie nach seiner Anerkennung? Brauchen Sie vor allem den Segen, die Zärtlichkeit Gottes, seine innige Nähe? In welcher Sprache lieben Sie ihn?

 

Und wann haben Sie beiden das letzte Mal gesagt, wie sehr Sie ihn und sie lieben - Ihrem Gott, Ihrem Ehemann, Ihrer Ehefrau - und zwar in allen Sprachen der Liebe, damits der/die andere auch ganz sicher versteht?

 

Legen Sie sich was zurecht - jetzt gleich, und setzen Sie´s am besten noch heute um in die Tat. Beides.

 

 

 

 
Privatgrund Gottes PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Samstag, den 31. August 2013 um 15:22 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 (Gen 28, 10-19a)

stellen Sie sich vor, Sie sind mit Rucksack und Zelt unterwegs.

Sie brauchen einen Schlafplatz, finden zum Glück eine brauchbare Wiese, können ihr Nachtlager aufschlagen und im Schein von Taschenlampen sogar noch eine Kleinigkeit essen.

 

Erst am Tag drauf beim Aufstehen entdecken Sie dann das Schild: Privatgrundstück.

 

Und willkürlich kriegt man doch sofort ein ungutes Gefühl und schaut sich um nach einem Grundstücksbesitzer, nach einem riesigen Hund vielleicht, und man packt sein Zeug zusammen und schaut, dass man weiterkommt.

 

So ähnlich muss das bei Jakob gewesen sein, der auf Wanderschaft war; abends hat er sich irgendwo hingelegt, mit einem großen Stein zum Schutz vor wilden Tieren in greifbarer Nähe, und nachts hat er dann eine Erscheinung gehabt.

 

Eine Vision mit einer großen Treppe und Engeln, die dran rauf- und runtersteigen... Und aus der wurde ihm deutlich, er ist hier beileibe nicht im Niemandsland ist, im rechtsfreien Raum -

 

sondern an einer heiligen Stätte, auf Privatgrund Gottes sozusagen, und dass er mit seinem privaten Schicksal, samt dem ergaunerten Erstgeburtssegen und den Verheißungen, Bestandteil eines großen göttlichen Plans ist, der weit über seinen beschränkten kleinen Horizont rausgeht.

 

Und so ähnlich auch wir modernen Menschen hier und heute:

 

wir stehen ja gefühlsmäßig doch im Zentrum unseres eigenen kleinen Universums, gestalten unser Leben und und unser Umfeld; und ob einer dann an Gott glaubt oder nicht, das scheint wie eine Option, die man dazuschalten kann oder auch nicht.

 

Von wegen.

 

Mit einer Geschichte wie der von Jakob und der Treppe vom Himmel zur Erde können uns die Augen aufgehen: unser Lebensgrund gehört uns nicht und ist auch kein Niemandsland.

 

Ob wir es glauben oder nicht: Wir leben mitten in einem Privatgrundstück Gottes. Der Boden, auf dem wir stehen, ist heilig, und der Mensch mit seinem kleinen persönlichen Schicksal ist einsortiert in die Pläne Gottes.

 

- nicht im Sinne einer festgeklopften individuellen Vorsehung - sondern in dem Sinn, dass jeder von uns, unabhängig von Einzelschicksalen und moralischer Integrität (oder auch Fragwürdigkeit), einen Platz hat in Gottes großen Plänen mit seiner Welt.

 

Und genau wie Jakob erschrickt, ist das auch für uns erstmal durchaus ein Grund zum Erschrecken.

 

Da steht der Himmel offen und die Engel wandern auf der Treppe rauf und runter; und die bringen nicht den Himmel auf Erden zu Jakob - sie könnten ihm ja zum Beispiel die schmerzlose Tilgung seiner Schuld bescheren, oder dass der Krach mit dem großen Bruder beigelegt ist oder ihm sonstwelche geheimsten Wünsche erfüllen.

 

Das schreiben wir ja Engeln gerne zu; da gibts dann den Engel der Zärtlichkeit und den Engel der Freundschaft und den Engel der Heilung und den Engel der Versöhnung und ichweißnichtwas... Anselm Grün zum Beispiel hat da viel drüber geschrieben...

 

aber die Engel in Jakobs Vision erlösen ihn nicht.

Sie lösen überhaupt keins von seinen Problemen, die Probleme und seine Befindlichkeiten spielen da gar keine Rolle.

 

Die Engel sind ausschließlich dazu da, ein Bewusstsein für die Gegenwart Gottes zu schaffen. Sie überbrücken mit ihrem Rauf- und Runterwandern auf der Treppe die Distanz zwischen Himmel und Erde, sie zeigen dem Jakob im Schlaf die Verbindung zwischen der Herrlichkeit Gottes und der manchmal einfach doch sehr schweren Welt.

 

Ich hab auch schon Engel verschenkt. Wenn jemand ins Krankenhaus kam oder zum Geburtstag. Menschen möchten heil durchs Leben kommen, und wir brauchen Objekte für unsere Angst und für unsere Sehnsucht, da bieten sich Schutzengel scheinbar an.

 

Bei vielen Menschen ist so ein Objekt in einer ähnlichen Funktion wie ein Schutzengel - das eigene Haus. Die eigenen vier Wände, am besten eins, wo man einmal außen rum gehen kann, das der Familie Heimat geben soll, vielleicht sogar über Generationen hinweg. Dafür nehmen Menschen oft unglaubliche Entbehrungen auf sich. (auch für den Garten!)

 

Für andere ist das Objekt der Sehnsucht ein Ehering.

Oder ein bestimmtes Schmuckstück, ein Stein, ein Glücksbringer oder eben auch eine Engelsfigur; wir suchen nach Kräften, die Schutz garantieren,

 

und es tut uns gut, wenn wir uns hinweisen lassen auf Gottes Macht, seine Präsenz und darauf, dass wir auf heiligem Boden stehen und Bestandteil von Gottes Plan sind. Aber es wird uns nicht gelingen, uns der Mächte Gottes zu versichern. Sie einfangen, sie garantieren zu wollen. Engel sind immer nur Hinweise auf Gott und was wir an Wirkung spüren mögen, das ist Gottes Wirken - nicht das der Engel.

 

Ein Engel ohne Gott und ohne den Glaubenan Gott, er sei aus Silber oder Edelsteinen und auch noch so gut gemeint, ein Engel ohne Glauben und ohne Gottes Wirksamkeit ist wie ein Ehering ohne Ehe,

 

ein figürlicher Gegenstand ohne Wirkung und ohne Bedeutung.

 

In Jakobs Vision dagegen, da berühren sich Himmel und Erde, da öffnet sich das Tor zum Himmel;

 

und für uns? Wir glauben an Jesus Christus. Dass der Heilswille Gottes nicht mehr einem Volk gilt, sondern jedem und jeder von uns individuell,

 

dass sich im Glauben, im Herzen jedes einzelnen das Entscheidende tut zwischen Gott und dem Menschen.

 

Das Tor des Himmels steht für die Christen deshalb nicht mehr offen über dem Tempel in Jerusalem oder dem Berg Sinai oder in Haran, sondern der Himmel steht offen über jedem einzelnen menschlichen Herzen.

 

Hier steigen die Engel auf und nieder, hier berühren sich Himmel und Erde. Und so wie Jakob einen Stein aufrichtet und Öl drübergießt und auf die Weise eine Kultstätte schafft, so ist auch jeder und jede von uns geweiht zur Kultstätte - durch die Taufe.

 

Und für unser Herz gilt, was Jakob zum Ort der Vision von den Engeln sagt: Fürwahr, der HERR ist an dieser Stätte, und ich wußte es nicht! 17 Und er fürchtete sich und sprach: Wie heilig ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.

 

Wenn diese Geschichte aus dem Neuen Testament wäre, würde es jetzt um Lebensveränderung gehen. Dass Jakob sich bekehren, seine Schuld bekennen und gutmachen soll, dass sein Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist und sein Herz, genau wie unseres, mit Leib und Seele ein Privatgrundstück Gottes.

 

Und dem Jakob geht es ja überhaupt nicht gut an diesem Punkt der Geschichte. Das Erstgeburtsrecht hat er seinem Bruder für einen Teller Linsensuppe abgekauft, und den Segen seines blinden alten Vaters hat er sich mit Hilfe seiner Mutter Rebekka ergaunert durch eine List mit dem Lammbraten und dem Ziegenfell.

 

Jetzt ist sein Bruder stocksauer und Jakob ist auf der Flucht, und das wird auch die nächsten vierzehn Jahre so bleiben.

 

Jakob ist also wunschgemäß ausführlich gesegnet worden; und dieser Segen wirkt auch, das hat sein Vater Isaak ja selber gesagt.

 

Esau war ja heimgekommen, kurz nachdem der Vater den Jakob gesegnet hatte, und Esau hat gesagt, Vater, mich sollst du segnen, kannst du den anderen Segen, den an den Jakob, nicht rückgängig machen? Oder hast du noch einen anderen Segen?

 

Und Isaak hat gesagt, ich kann keinen Segen zurücknehmen, der ist jetzt wirksam, so wie es ist. Esau hat doch eigentlich Pech gehabt, und Jakob Glück.

 

Aber jetzt liegt er da, der Jakob - reich gesegnet - und findet doch keinen Frieden. Er liegt im Dunkeln, niedergeschlagen, den Kopf auf einem Stein, und im Herzen Angst vor dem Bruder und vor den wilden Tieren.

 

Und dann auch noch auf Privatgrund Gottes, wo ihm vermutlich siedendheiß bewusst wird, dass er einmal Rechenschaft wird ablegen müssen für sein Leben und dass das Erbe des Vaters allein noch keine Garantie dafür ist, dass sein Leben gelingt -

 

sondern Leben gelingt nur da, wo das passiert, was sich Gott vorstellt, da wo Gottes Pläne verwirklicht werden, ganz egal, was das für den Einzelnen zunächst bedeutet.

 

Jesus Christus hat uns das vorgelebt - ein zunächst mal entsetzliches Einzelschicksal als Bestandteil des göttlichen Planes brachte das Heil für die ganze Welt -

 

und genauso ist auch der Segen für den Jakob tatsächlich erstmal kein Grund zur individuellen Zuversicht für den Jakob, nach dem Motto: „mach nur, Jakob, es wird alles gut“. Im Gegenteil.

 

Sein göttlicher Plan ist Gott wichtiger als die Frage, ob der Jakob ein Betrüger ist, und der Jakob ist nur eine Zwischenstation auf dem Weg der Erfüllung göttlicher Zusage -

 

denn das, was Gott da dem Jakob verspricht, das hat er fast wortgleich vorher dem Abraham schon versprochen, und Jakob erbt jetzt sozusagen diese Verheißung.

 

Jakob merkt bei der Vision mit der Treppe vom Himmel zur Erde, dass er Bestandteil eines gigantischen göttlichen Planes ist, und dass das viel wichtiger ist als sein kleines familiäres System

 

mit den Rivalitäten mit seinem Bruder und dem alten Vater und dessen Erbschaft - Jakob versteht, dass er in einem viel größeren Zusammenhang steht, als er dachte.

 

das ist ja eine Wellenbewegung aus abwechselnder Bindung und Ablösung, die sich durch das ganze Leben zieht:

 

Am Lebensanfang ist jeder Mensch im Bauch seiner Mutter erstmal ein Teil von ihr. Ihr Körper, ihr Organismus ist seine Welt. Totale Bindung - Symbiose.

 

Wissenschaftler sagen, dass Babies auch noch eine ganze Zeitlang nach der Geburt sich selbst als ein Teil der Mutter, die Mutter als einen Teil von sich selbst erleben, eine Einheit.

 

Erst allmählich verstehen die Kinder: hier bin ich und du bist dort, das ist etwas anderes - du und ich, das ist zweierlei.

 

Im nächsten Schritt weitet sich dann der Blick noch eins mehr und das Kind erkennt: ich bin zwar nicht ein Teil meiner Mutter.

 

Aber ich bin ein Teil einer Gruppe, meiner Familie, es gibt Menschen, die gehören fest zu mir dazu. Bonding, das ist im Idealfall wieder eine starke Bindung. Man sagt ja, zum Aufziehen von Kindern braucht es ein ganzes Dorf.

 

Später, bis zu den Teenagerjahren, wieder die Gegenbewegung: ich löse mich von meiner Familie. Ich muss selbständig werden.

 

Idealerweise harmonisiert sich das dann später wieder etwas, die Familie findet mit den erwachsenen Kindern neu zusammen, man fühlt sich füreinander zuständig und geht auf Augenhöhe miteinander um.

 

Irgendwann dann sterben die Eltern.

 

Das Herz muss sich wieder neu einstellen: ich hab jetzt keine Generation mehr über mir. Muss mich lösen. Aber ich kann trotzdem zurechtkommen, ich bin groß und stark.

 

Später dann vielleicht wieder mehr Abhängigkeit, wenn man Unterstützung braucht, auch das muss man erst wieder zulassen können. Vielleicht neu lernen.

 

Eine lebenslange Wellenbewegung aus Bindung und Ablösung.

 

Und zugleich kann und soll der Mensch ein Leben lang immer wieder, immer wieder auf neue Weise, je nach biografischem Standpunkt, wissen: ganz allein und losgelöst bin ich nie.

 

Ich hab immer meinen festen Ort in der Vorsehung Gottes, bin immer Bestandteil seiner Pläne und eine Zwischenstation für seine Verheißung; - ob ich es glaub - oder nicht.

 

Über meinem Herzen steht der Himmel offen, der Grund meines Lebens ist immer Privatgrund Gottes.

 

Da gehöre ich hin, daraus ergibt sich der letzte Sinn meines Lebens; und wichtig ist nicht, dass ich in jedem Moment meines Lebens das kriege, was ich mir grade wünsche, sondern wichtig ist letzten Endes vor allem, dass Sein Wille geschehe. Amen.

 
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