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Predigten
Himmelfahrt: Wir sollen eins sein. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 09. Mai 2013 um 10:46 Uhr

(Die Himmelfahrtserzählung wird vorgelesen;

- Die Osterkerze wird ausgeblasen.)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

schade.

 

Alle Jahre wieder ist meine innere Antwort auf die Himmelfahrtsgeschichte ein leises Bedauern - weil ich mich mit den Jüngern ein wenig identifiziert, sie auch ganz schön beneidet habe um diesen Zustand nach der Auferstehung:

 

Sie haben ihren Freund und Meister wieder;

unbeschadet, alles ist gut ausgegangen;

 

die Gemeinschaft ist jetzt nicht mehr bedroht von seinen Feinden, denn was soll ihm nach der Kreuzigung noch passieren;

 

ihnen ist Jesus sozusagen sicher, sie haben ihn hautnah um sich herum, ich beneide sie glühend!

 

So hätt ich das auch gern!

 

Zwar haben nur die Leute unmittelbar in der räumlichen Nähe was davon. Wer 50 km weg wohnt oder in einem anderen Land, der hat nichts von der Auferstehung. Aber vielleicht ist das den Freunden von Jesus in der glücklichen, privilegierten Nähe unmittelbar um ihn herum erstmal egal, Hauptsache, er ist da.

 

Sie haben den vollen Ertrag von Weihnachten, sozusagen:

Gott ist nicht Gott geblieben, abgehoben, ein selbstzufriedener Götze irgendwo auf einer Wolke, sondern er ist Mensch geworden.

Hat sich mit ihnen, den Menschen, und damit auch mit uns identifiziert.

 

Aber: das ist nur die eine Seite der Medaille und nur die eine Hälfte vom Glück.

 

Jetzt muss noch die Gegenrichtung kommen:

 

Jetzt muss sich Jesus, müssen wir Jesus auch wieder mit Gott identifizieren. Wenn Jesus nur ein toller Mensch war, nicht mehr - dann ist er ein moralisches Idol, so wie - ? Albert Schweitzer oder Gandhi oder Mutter Theresa. Und das ist Jesus (!) zu wenig.

 

Das wäre wieder wie bei dieser Geschichte von Otto Waalkes, der einen ganzen Packen Hunderteuroscheine am Bürgersteig findet, zusammengehalten von einem dicken Gummiband;

 

und er bückt sich danach, hebts auf, jubelt laut und ruft, prima, so ein Gummiband kann man immer gebrauchen! Ziehts ab, das Geld wirft er weg, lässt die Scheine achtlos davonflattern, aber er steckt das Gummiband sorgsam in seine Hosentasche und geht seiner Wege.

 

So wärs, wenn wir an Jesus nur das moralische Vorbild sehen.

Wir lassen das wichtigste achtlos davonflattern,

 

das Kostbarste: nämlich dass dieser Jesus Gott ist. für alle.

 

Deshalb Himmelfahrt.

Deshalb besteigt Jesus seinen Thron im Himmel, nimmt seinen Ehrenplatz ein zur Rechten des Vaters und ist nicht nur ein toller Freund für ein paar Fischerleute in Israel, sondern der Herrscher über Himmel und Erde, über Leben und Tod, über alle Zeiten hinweg, der von sich sagt: siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.

 

Und wer jetzt stirbt, der stirbt nicht aus dieser Gemeinschaft heraus, sondern wechselt lediglich aus einer Hand Gottes in die andere hinüber.

 

Deshalb der Abschied von seinen Freunden am Himmelfahrtstag, am Vatertag: die Jünger müssen ihn sich vom Herzen reissen, müssen diesen letzten Schritt noch mit ansehen und ertragen;

 

und der ist gekoppelt mit diesem Gebet Jesu, aus dem wir seinen letzten Willen herauslesen können, worauf es ihm am allermeisten ankommt für seine Freunde und für uns alle:

 

Jesus betet ein großes Fürbittgebet für seine Jünger und auch für alle, die durch diese Jünger und ihre Nachfolger erst zum Glauben kommen, und damit letztlich auch für uns.

 

Dort heisst es:

 

Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie (die Jünger) in die Welt. Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre Worte von mir hören werden und an mich glauben:

 

Sie alle sollen eins sein, genau so, wie du, Vater, mit mir eins bist.“

(Joh 18, 20)

 

Es scheint auf nichts so sehr anzukommen wie auf die innere Einheit unter uns Menschen. Nicht im Sinne von Einheitlichkeit und ständiger Einmütigkeit; die mündet in geistige Tyrannei, und die dazugehörigen Parolen und Zwänge haben viel Unheil angerichtet in der Welt. Aber was uns Jesus abverlangt, ist ein beständiges Ringen darum, sich zu verstehen, sich verstehen zu wollen.

 

Aneinander dranzubleiben und einander nicht abzuschreiben, den Dialog aufzugeben, achselzuckend, weil das scheinbar eh nichts bringt - man sagt dann gern großzügig, „ich sag nichts mehr, um des lieben Friedens willen.“ Aber vorsicht. Diesen Frieden muss man genau anschauen. Vielleicht ist es kein lieber Frieden, sondern ein fauler Frieden.

 

Zum Leben gehören ständig Wechsel und Veränderungen, und nicht nur zur Sonnenseite hin. Und wo auch immer Menschen miteinander umgehen, nicht zuletzt auch miteinander arbeiten oder miteinander leben, da müssen sie sich verstehen - und werden sich immer wieder fast zwangsläufig falsch verstehen.

 

Wie schnell geht die Basis einer Zusammenarbeit verloren,

wie schnell ist ein gemeinsames Fundament in Frage gestellt und bedroht; wie schnell sind Menschen verletzt und Konflikte entstanden.

 

Das ist nicht weiter tragisch; aber wie gehen wir damit um?

 

Konflikte kann man totschweigen.

Die Versuchung ist groß.

 

Über was ich nicht rede, dem muss ich mich auch nicht stellen,

meine Gefühle kann ich verbergen und scheinbar den anderen damit auch noch schonen, „ich verschone euch mit meinen Gefühlen!“, kann ich dann sagen, und mich auch noch gut damit fühlen.

 

Das geht übrigens auch, wenn jemand unglaublich viel redet.

(Oder permanent Emails schreibt.), und dabei wahnsinnig freundlich ist.

Trotzdem kann man über wesentliches schweigen und damit eine echte Verständigung, echte Einheit verhindern.

 

Jesus möchte aber, dass wir alle eins sind -

nicht gleichgeschaltet in der inneren Emigration,

sondern aneinander dran und ringend um das Verständnis,

 

und da ist Totschweigen von Konflikten und Geheimhalten von Gefühlen genauso schädlich, vielleicht sogar genauso lieblos wie auszurasten und sich anzuschreien.

 

Wir sollen unsere Mitmenschen nicht schonen.

Wir sollen sie respektieren,

ihnen zugestehen, dass sie auch gut sein möchten und tüchtig und hilfreich,

 

und wenn wir streiten, sollen wir nicht unseren Kopf durchsetzen und Recht behalten, sondern Gefühle zeigen, Verletzungen weder verdecken noch runterschlucken, sondern unsere Erwartungen kommunizieren: gib dem anderen eine Chance, sag ihm, was du von ihm willst.

 

Vielleicht lässt sich im Gespräch neues Vertrauen aufbauen zueinander; unterm Strich ist es sicher besser, ist es Jesus lieber, wenn wir uns ehrlich miteinander streiten als einen faulen Frieden zu wahren.

 

Anstrengend.

Mühsam.

 

Solo kommt man oft schneller an Ziel.

 

Im Team muss man alles immer erst umständlich erklären,

und an vielen Stellen muss man dann Zugeständnisse machen und das Ergebnis ist vielleicht längst nicht mehr 100% das, was man sich selber ausgedacht, was man angestrebt hat.

 

Aber ein langsamer Marsch eines Teams ist kraftvoller als der Sprint eines Einzelkämpfers,

 

und was man gemeinsam zustandebringt, hat das bessere Fundament - wenn man den Ehrgeiz hat, die Talente und die Ressourcen von vielen mit einzubringen. Weil Jesus alle im Ziel haben will - nicht nur die Einzelkämpfer.

 

Wir werden es sehen, jetzt am Wochenende auf der Freizeit in der Langau; fünfzig Leute nehmen dran teil, und fast die Hälfte davon sind in irgendeiner Weise Mitarbeiter - nicht Konsumenten, nicht Kunden, sondern im besten Sinne Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aktiv in einem gemeinsamen Projekt, das nur miteinander gelingt.

 

Und wir müssen einander zugestehen, dass der andere vielleicht anders ist. Anders denkt. Fühlt. Lebt. Arbeitet. Anders feiert.

 

Dass anderen andere Dinge wichtig sind, vielleicht wichtiger als mir, oder weniger wichtig, und ich muss ihnen zugestehen, dass auch sie gut sein wollen - ich darf nicht einfach nur um die anderen herumwurschteln und sie selber dabei ignorieren. Fauler Friede.

 

Ich kann den anderen nicht ändern,

aber Jesus möchte, dass wir mit offenem Visier miteinander leben und und offen miteinander umgehen, statt uns zu verstecken - oder am Ende gar aus dem Versteck raus zu intrigieren.

 

Sie alle sollen eins sein, genau so, wie du, Vater, mit mir eins bist.“

 

Nicht vierzig, fünfzig Einzelkämpfer möchte Jesus hier in Laudate sitzen sehen, sondern eine Gemeinde, und dieses Geflecht untereinander ist ihm mindestens genauso wichtig wie die Frömmigkeit des Einzelnen und Ihre jeweilige persönliche Integrität.

 

Stellen wir uns in Gedanken mit zu den Jüngern am Himmelfahrtstag. Eben noch hat Jesus mit ihnen gesprochen, und als er emporgehoben wird und aufgenommen von einer Wolke, da folgen sie ihm mit den Augen und schauen ihm nach, bis er verschwunden ist - und bis zwei Engel sie ansprechen und sie fragen: „was steht ihr da und schaut zum Himmel?“

 

Hier auf Erden spielt die Musik, hier sind die Beziehungen, um die wir ringen müssen, und wenn uns in der Kirche einfällt, dass wir mit einem unserer Brüder und Schwestern noch einen Konflikt haben, sollen wir alles stehen und liegenlassen hier in der Kirche und erst zu diesem Bruder, zu dieser Schwester, gehen und das in Ordnung bringen - und dann kommen wir zurück in die Kirche.

 

Ich bin kein Freund von solchen großen Gesten, aber heute machen wir das mal, was in vielen Gemeinden vor jeder Abendmahlsfeier gemacht wird; wenn jetzt die Orgel spielt, reichen Sie den Menschen rechts und links von sich in der Bank die Hand und sagen, Frieden sei mit dir.

 

Sie tun es stellvertretend für die vielen, mit denen Sie leben, und geben dem anderen und sich selbst damit ein Versprechen, um Verständnis miteinander und füreinander zu ringen, einander nicht abzuschreiben, sondern zu leben mit offenem Visier; denn

 

wir alle sollen eins sein, genau so, wie Gott Vater mit seinem Sohn eins ist im Himmel.“ Amen.

 

 

 

 

 

 

 
Bibelarbeit: Sintflut und Verheißung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Regionalbischöfin Susanne Breit-K   
Freitag, den 26. April 2013 um 10:21 Uhr

Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm:

 

9 Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen

10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden.

Weiterlesen...
 
Konfirmation und das Dunkel-Spiel PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Mittwoch, den 17. April 2013 um 13:36 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

so einen braven Konfijahrgang hatte ich noch nie.

 

Gut, auf der Freizeit hat mich das nicht so verwundert.

 

Der Kurs wurde ja von acht größeren Jugendlichen durchgeführt, die sich um alles Freizeitprogramm und sogar ums Kochen gekümmert haben; und die haben auch die Regeln aufgestellt und verkündet.

 

Die erste Regel war dabei: Es wird nicht übers Essen gemeckert!; Regeln 10 war: wer gegen die Regeln verstößt, schläft bei Frau Frowein. Die Jugendlichen waren von fast unterwürfiger Höflichkeit, vor allem, wenn sie was angestellt hatten.

 

Aber es ging schon von Anfang an gut los mit denen.

 

Gekommen sind sie im Herbst letzten Jahres, die meisten noch bißchen schüchtern; den Dennis hatten sie irgendwie spontan noch zum Mitmachen überredet, der Andi hat eigentlich gar keine Lust gehabt, aber er wollte Helfer werden. Also muss er vielleicht doch erstmal selber durch den Kurs durch, ob er will oder nicht.

 

Man musterte einander verstohlen,

sah alte Bekannte wieder, auch welche, die man eigentlich lieber nicht hätte wiedersehen wollen; wer hätte damals geahnt, dass aus manchen früheren Antipathien vielleicht sogar Zuneigung werden könnte.

 

Manche Befürchung lag den Jugendlichen im Magen:

sicher ists in der Kirche unglaublich fad;

 

und die Frowein ist möglicherweise im Konfikurs genauso streng und knurrig und übellaunig wie als Relilehrer in der Schule,

 

sonntags ausschlafen ist nicht mehr und auf den Freizeiten müssen wir sicher stundenlang beten und brav sein und auswendig lernen.

 

Und alle Befürchtungen haben sich bewahrheitet,

 

und trotzdem war es, denk ich, ein gutes Dreivierteljahr.

 

Wir sind nach Großholzhausen aufs Kennenlernwochenende gefahren, das heisst, leider seid ihr versehentlich ganz woandershin gefahren und einer hat dann von unterwegs aus angerufen: „wir sind jetzt am Bahnhof in Rosenheim. Für den Rest nehmen wir ein Taxi.“

 

Halt! Peter ist losgefahren und hat euch mit dem Kleinbus portionsweise eingesammelt...

 

Irgendwann waren dann aber doch alle da, zu zehnt und zu elft habt ihr in einem Zimmer geschlafen.

 

Die Nachtwanderung hat allen gefallen und alle waren sich einig, wenn man sowas jetzt noch ein bißchen vorbereitet, wird es noch besser; nach dem Wochenende waren eigentlich alle „warm geworden“ miteinander.

 

Es folgten etliche Konfisonntage.

Ihr habt die Kirche studiert, auch umrundet und gezeichnet; ihr habt euch einen ersten eigenen Zugang zum Abendmahl erarbeitet, die Hostien und den Saft probiert, den Altar gedeckt und dann ja auch immer als Kirchdienst eingeschenkt und die Teller für die Gemeinde gefüllt;

 

wir haben über die Bibel geredet und ihr habt euch eine ganze Klappkiste voll unterschiedlicher Ausgaben angeschaut, auch überlegt, warum es so viele verschiedene gibt; eine davon ging mit der Lupe durch die Reihen, die Nanobibel, die ganze Bibel auf einem winzigen Viereck an einem Schmuckstück.

 

(Ich hoffe ihr habt den Anhänger nachher auf der Freizeit auch wiederentdeckt? Die Ines hat das Kreuz um den Hals hängen, als wir in Velden waren.)

 

Da, glaub ich, ging es euch gut, in Velden.

 

Wir haben an Plüschtieren geübt, wie man Kinder tauft, und an Bobo Meyer ausprobiert, wie man konfirmiert; wir haben am Glaubensbekenntnis rumgedoktert und sind mit einer Phantasiereise im Geiste durchs Museum eurer Kindheit gewandert;

 

ihr habt gesungen, die ganzen Lieder, die heute dran sind, und Brot gebacken fürs Abendmahl, ihr habt euch gegenseitig die Gesichter eingegipst und daneben auch manchmal ein bißchen Spaß gehabt.

 

Am Fussballfeld konnte man Charakterstudien betreiben, erleben, wie der Simon aus vollem Halse den Schiedsrichter beschimpft;

 

der ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und auch nicht von der Andrea, die mit Anlauf gegen ihn dagegengesprungen ist im vergeblichen Versuch, ihn umzurennen.

 

Und rechts und links vom Severin sah man die Mädchen der gegnerischen Mannschaft in den Matsch fliegen; allerdings hat er ihnen immer erst galant aufgeholfen, ehe er weiterstürmte und den Ball im Tor versenkte.

 

Disziplinarische Schwierigkeiten hatten wir auch.

Die großen Jugendlichen haben sich drum gekümmert, gleich wurde überlegt, ha! die lassen wir Liegestütze im Matsch machen! aber ich hab noch gehört, wie die Anna gesagt hat, Nein, Leute, das hier ist echt ernst. Mit denen müssen wir REDEN.

 

Ich vermute, sie haben gedroht mit der Regel zehn?!

 

Und damit ihr heute noch ein inneres Bild mitnehmt aus der Konfirmandenzeit für euer weiteres Leben, möcht ich an das Dunkelspiel erinnern.

 

Man spielt das nachts.

 

Alle werden in einem Raum versammelt, und einer, zunächst der Sebastian, versteckt sich irgendwo im Haus und setzt sich hin.

 

Dann wird alles verdunkelt. Hermetisch. Und jetzt sollen alle schweigen und sich wortlos, lautlos durchs Haus tasten, um diesen einen zu finden.

 

Wer ihn hat, setzt sich dazu. Schweigend.

 

Normalerweise hört man also zunächst mal, wenn man lostastet, noch eine ganze Menge: Schritte und Schlurfen und Tasten und dass mal was runterfällt oder au oder psst; in unserem Fall hat man noch viel mehr gehört (wir wissen alle, wen);

 

aber mit der Zeit haben immer mehr den Gesuchten gefunden,

 

sitzen also auch, es wird also langsam, aber irgendwann doch zunehmend ruhiger - irgendwann ist es totenstill.

 

Jeder sitzt dicht an dicht mit den anderen mucksmäuschenstill am Boden in der Dunkelheit und lauscht. Bis Musik angeht und alle ins Licht blinzeln und sich strecken und zu schwatzen anfangen - und nochmal spielen wollen.

 

So ist das Leben.

Und: so ist der Glaube.

 

Was Gott betrifft, das muss man einfach zugeben auch nach einem Dreivierteljahr Konfikurs (und auch nach zehn Jahren Theologiestudium): ein bißchen im Dunkeln tappen tun wir schon.

 

Wir sehen Gott nicht, wir sehen oft unseren Weg nicht, tun uns schwer, uns zu orientieren, und sind uns nicht sicher, ob uns der Boden trägt, wo wir grade gehen.

 

Wir glauben fest, dass da einer ist, dass Gott da ist, so wie wir sicher waren, der Sebastian ist irgendwo;

 

und so wie der natürlich gefunden werden wollte, so will auch Gott, dass wir ihn finden, hat auch fest versprochen, wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, will ich mich von euch finden lassen.

 

Und ihn zu finden und ihm nah zu sein, dass ist das Ziel des Spiels, das ist das Ziel des Lebens: Gott finden und ihm nahe sein.

 

Und bis es so weit ist, suchen wir.

Tasten uns voran, und aus dem, was wir in die Finger kriegen, versuchen wir uns zu erschließen, wo wir stehen.

 

Gehts hier durch? kommt man hier weiter? ist hier eine Tür verschlossen, gehts hier abwärts oder Stufen rauf, vielleicht muss ich umkehren und ganz woanders weitermachen?

 

So wirds euch gehen mit Schule und Ausbildung, mit der Frage, was soll ich tun und lernen, wonach soll ich mich richten und wofür soll ich mich anstrengen.

 

und wo sind die anderen, was nehm ich wahr? Hör ich Kichern, Rumpeln, tastende Schritte, oder ists ganz leise und ich bin dem Ziel vielleicht schon ganz nah?

 

Man tut sich natürlich leichter, wenn man ein Bild vom Haus vor seinem inneren Auge hat und damit das abgleicht, was man spürt.

 

Das ist vielleicht ein Bild für unser Menschenleben, trial and error, bisschen raten, bisschen kombinieren, manchmal umkehren und manchmal stolpern und sich eine blutige Nase holen -

 

aber eben wissen, ich bin nicht allein hier im Dunkeln, sondern die anderen sind auch da und wir haben ein gemeinsames Ziel: dieser eine, Gott, der Halt unserer Existenz, er ist auch da, und wenn wir den gefunden haben, kehrt Ruhe ein.

 

„Unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir!“, schreibt Augustin, ein großer Kirchenvater,

 

und damit die Seele schneller Ruhe findet, brauchen wir eine gewisse Orientierung darüber, wie wir uns denn dieses Haus vorstellen sollen, in dem Gott sich verborgen hält;

 

je mehr wir alle wissen über Gott aus der Bibel, je klarer unserer Vorstellung von ihm ist, desto leichter tun wir uns, mit Erfolg nach ihm zu suchen.

 

Deshalb haben wir in Velden miteinander aufgefrischt, was ihr von Jesus alles wisst - von der Geburt über die Episode als Kind im Tempel und dann die Taufe über die Wunder und die Auseinandersetzungen und die großen Reden und Gleichnisse bis zur Verhaftung, zu Tod und Auferstehung und Himmelfahrt.

 

Wo die Alina und die Sarah und die Franzis dieses wunderbare Bild gemalt haben und der Thomas hat extra den kostbaren Weinkrug von seinen Eltern mitgebracht für die Geschichte von der Hochzeit in Kanaan.

 

Damit euch klar ist, was Jesus wollte, damit für euch deutlicher wird, wer das war und worauf es ihm ankam; damit ihr einen eigenen, persönlichen Bezug zu ihm kriegt.

 

Nachher hängen wir euch Kreuze um, wie die Medaillen bei der Mitarbeiterehrung in Velden oder wie den Siegern am Treppchen bei Olympia; denn eine höhere Weihe als die Taufe gibt es nicht und die bekräftigt ihr mit der Konfirmation.

 

Das Kreuz ist am Liedblatt abgedruckt, da ist keine Jesusfigur dran, natürlich nicht; erstens hängt ja Jesus grade nicht mehr am Kreuz, sondern er ist auferstanden. Und zweitens ist Jesus eben ein Leben lang kaum je richtig zu greifen und schon gar nicht sichtbar.

 

Und trotzdem lässt er sich finden und ist für uns da, bei allen Dunkelheiten,

 

er macht am Ende das Leben hell und löst alle Fragen. Deshalb zündet ihr direkt nach der Einsegnung auch eure Kerzen an, als Anklang an die Taufkerzen und als sichtbares Zeichen: Jesus ist das Licht der Welt und auch das Licht in deinem Leben,

 

und wie es beim Simon im Konfirmationsspruch heisst: wer mir nachfolgt, wird nicht im Dunkeln tappen, sondern das Licht des Lebens haben. Amen.

 

 

 

 

 

 

 
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