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Predigten
So herzlich, wie wir tatsächlich sind PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 29. August 2013 um 10:27 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

 

als Kind hab ich gern Heiligenlegenden gelesen und fand dann, auch ich selbst sollte unbedingt was aus meinem Leben machen.

 

Eine Heilige zu werden würde mir nicht gelingen, so selbstkritisch war ich als Kind schon;

 

trotzdem dachte ich, ich sollte etwas Besonderes werden, was „Ausgezeichnetes“ im wahrsten Sinne des Wortes

 

- also was, wofür man dann vielleicht einen Orden kriegt.

Das Bundesverdienstkreuz.

Oder eine Medaille, „München leuchtet“.

Oder dass eine Straße oder ein Weg mal nach mir benannt wird.

 

Damit ich sicher bin: ich hab´s richtig gemacht mit meinem Leben, ich habs nicht verschwendet, verbummelt, sondern ich hab sozusagen die Prüfung bestanden.

 

Leider hab ich es dann nur bis zur Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen gebracht - ein Mal (!) -

 

und auch abgesehen davon bin ich im Lauf der Zeit etwas skeptisch geworden, obs die richtige Instanz ist, die die Orden verleiht. Ob das die Instanz und das Kriterium ist, die entscheiden kann, ob ich richtig gelebt habe oder nicht.

 

Im Sport ist es ja etwas einfacher, zugleich wahnsinnig eindrücklich. Da hat ein Athlet oder eine Mannschaft ewig lang - Monate, Jahre, noch länger - hintrainiert auf einen Punkt, einen Wettkampf, ein Spiel oder eine Meisterschaft;

 

dann bringt er oder sie die Leistung, die Mannschaft gewinnt ihre Spiele, gewinnt die Medaille oder den Pokal - und ein Ziel ist erreicht.

 

Ein großes Ziel, es war ein weiter Weg bis dahin.

Von den Anfängen vielleicht schon in Kindertagen, mit erstem Training, über erste Erfolge, dann steinige Perioden mit Rückschlägen und Niederlagen, sich immer wieder neu aufrappeln und weiterkämpfen, stärker werden, über sich hinauswachsen -

 

und am Ende die Nationalfahne um die Schultern legen und eine Ehrenrunde im Stadion drehen, sich bejubeln lassen und am Ziel sein.

 

Beim Sport ist es halt ein Ziel, das in der Person des Sportlers und in der eigenen Mannschaft, dem eigenen Verein begründet ist.

 

Von wem ist der Auftrag? Von Jesus nicht. Der Leib ist zwar ein Tempel des Heiligen Geistes. "Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt, den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euer selbst seid?" (1.Kor. 6,19)

Aber Gott verlangt nicht von uns, den Körper zu optimieren um seiner selbst willen, um die Leistung zu steigern, aus Spaß an der Leistung als solcher.

 

Ich vergleichs mal mit ganz was anderem - unserem Stand am Straßenfest. Rund achtzig Ehrenamtliche brauchen wir, um unseren Biergarten auf dem Parkplatz drei Tage lang zu bewirtschaften.

 

Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir die zusammenkriegen, dass sich genug Leute bereiterklären, Standdienst zu übernehmen und auf- und abzubauen und Salate und Kuchen zu stiften usw.

 

Warum machen es die Leute? Ich nehme an, sie identifizieren sich so weit mit der Kirche - kath und ev - , dass sie ihre Zeit zur Verfügung stellen.

 

Oder bei den anderen Vereinen, die Helfer identifizieren sich mit dem Zweck, und drum machen sie mit, und identifizieren sich dann auch ein Stück mit dem Erfolg. Ein Ertrag, der nur mittelbar, wenn überhaupt, ihnen zu gute kommt -

 

allenfalls kommt dem einzelnen Mitarbeiter eben die Anerkennung zugute, die Wertschätzung durch die Leute, die sagen, Mensch, Zeit ist es geworden, dass evangelische und katholische das gemeinsam machen, ich find das gut, ich unterstütze das.

 

Mit dem heutigen Evangelium geht Jesus über solches Engagement meiner Meinung nach nochmal raus.

 

Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut, 4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

 

Damit ist denke ich noch mehr gemeint als heimliches Spenden oder dass man bescheiden abwehrt, wenn sich jemand für den eigenen Einsatz bedankt.

 

Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut - damit ist, glaub ich, eine Lebenshaltung gemeint, da identifiziert sich einer so sehr mit dem Helfen, mit dem Für-andere-Da-sein, dass er es selbst gar nicht mehr merkt, wenn er uneigennützig handelt.

 

Geschweige denn, dass er sich was drauf einbilden würde oder das eigene Selbstbild drauf gründen, dass er der Stärkere ist und in der Lage, andere zu unterstützen.

 

Da ist Gottes Auftrag, einander beizustehen, so sehr mit dem eigenen Wunsch und Willen verschmolzen, dass sich derjenige gar nicht mehr überlegt, setz ich mich jetzt ein oder nicht? sondern ohne nachzudenken, packt er einfach an.

 

Es war am Ende vom Straßenfest, einem der letzten paar Straßenfeste, Sonntag, spätabends. Wir hatten abgebaut, zum Glück waren kräftige Helfer dabei, die hatten die schweren Brocken gestemmt - und eigentlich gibts da ja nur schwere Brocken, beim Abbau. Ich denke, allen taten die Füße weh und der Rücken und die T-Shirts klebten, Augen und Beine waren schon schwer;

 

und jetzt war unser Parkplatz aufgeräumt, grad holte die Fa Altinger mit dem Gabelstapler die Kühlschränke ab; gleich ist es geschafft, alle Helfer gehen heim und ich kann endlich die Füße hochlegen.

 

Ringsum waren noch nicht alle so weit wie wir.

Ich hab schon gesehen, aus den Augenwinkeln, am Nachbarstand kämpften grad zwei Frauen ziemlich einsam mit den Häringen und den Stangen;

 

die hatten mich in den Tagen davor schon genervt, weil sie halt zu wenig Leute waren für das, was mit so einem Stand am Straßenfest zu bewältigen ist, und dann hätten sie immer von uns Hilfe haben wollen.

 

Wir hatten aber doch selber alle Hände voll zu tun, ich wollt eigentlich nicht auch noch bei den Nachbarn mit anpacken müssen. Es hat mir so schon gereicht.

 

Und eh ich das richtig zu Ende gedacht hatte, da jetzt nachts am Parkplatz, löste sich einer aus unserer Gruppe und ging selbstverständlich rüber zu denen -

 

um noch weit nach zehn, am Ende aller Kräfte und ohne dass auch nur irgendjemand darum gebeten hätte, mitzuhelfen, dass auch die fertig werden und jetzt endlich heimfahren können.

 

Das hat mich mehr beeindruckt als so mancher Stabhochsprung oder Tausendmeterlauf oder für was man sonst noch so eine Medaille kriegen kann.

 

Da hat sich einer über die Schmerzgrenze raus verausgabt - und nicht für sich selber, auch nicht nur für den eigenen Verein, in dem Fall unsere Gemeinde - sondern völlig selbstverständlich auch für den Nachbarn, der ihn doch eigentlich erstmal gar nichts angeht.

 

Fand ich toll.

 

Und natürlich hat das was, der Stärkere zu sein und helfen zu können. Ich bin auch gerne stark und großzügig und gönnerhaft, drum steh ich ja auf Orden und Medaillen. Eine von den Guten!

 

Aber Jesus will keine Festlegung haben, hier die Guten, die Starken, die Helfer und dort die Armen, die Opfer, die dankbar sein müssen, wenn sie demütig Hilfe annehmen dürfen.

 

Sondern jeder soll mal stark sein und jeder auch einmal der sein dürfen, der Hilfe annimmt.

 

Vor Gott sind wir alle Hilfeempfänger, und hier unter uns sollte es, denke ich, eher zugehen wie auf der Kinderwippe: mal ist der eine oben und mal der andere, wenn die Wippe immer gleich steht, machts keinen Spaß.

 

Idealerweise sind wir nicht festgelegt auf unsere Rollen, auf stark oder schwach.

 

Das wird im Pflegeheim immer so deutlich, wenn Menschen aus ihrem Leben erzählen - und in dem vielleicht schwachen, kranken alten Menschen im Lehnstuhl ganz ein anderer sichtbar wird, der mal was hat erleben und leisten können, der gelitten hat und geliebt und gelacht und vielleicht Bäume ausgerissen und Berge versetzt -

 

und der vielleicht jetzt Unterstützung braucht, Windeln, Hilfe beim Anziehen und beim Essen - der im Leben aber nicht immer nur schwach war und alt.

 

Und vor allem schauen auch alle anderen, auch alle Pflegerinnen und Pfleger und vielleicht die Kinder und Angehörigen, die heute vielleicht zum Helfen kommen und stärker sein können und großzügig -

 

auch die schauen in den Augen Gottes manchmal genauso alt aus und brauchen genauso viel Hilfe, und wenn ihnen Gott nicht die Kraft geben würde zu helfen, dann säßen sie neben den anderen Heimbewohnern im Lehnstuhl.

 

Drum sollen wir es nicht rumposaunen und uns was drauf einbilden, gar unser Bild von uns selbst drauf aufbauen, wenn wir mal stärker sind und anderen helfen können -

 

und drum können wir uns auch anschauen lassen, wenn wir schwach sind und Hilfe brauchen. Kein Grund, sich zu schämen.

 

Idealerweise sind wir von Menschen umgeben wie dem in der letzten Nacht auf dem Straßenfest, der selbstverständlich mit anpackt und hilft.

 

Jetzt muss ich doch noch was aus dem Urlaub erzählen;

wir hatten eine Ferienwohnung und haben uns mit den Nachbarn den Balkon geteilt. Zwischen deren und unserer Hälfte war eine Bretterwand, Latten in zwei Schienen eingefädelt, so dass man einander zwar hören, aber nicht sehen konnte.

 

Wir hatten nette Nachbarn.

 

Ich fand die Bretterwand trotzdem nicht schlecht.

Und zwar nicht, weil ich vielleicht nicht neugierig gewesen wäre und die anderen nicht hätte sehen wollen;

 

sondern weil ich mich selber nicht gerne anschauen lassen wollte.

Im Badeanzug eingezwängt in diese weißen Plastikstühlchen, was denken die anderen wohl?

 

was denken sie sich, wenn sie mitkriegen, dass auch ich nicht immer nur gut gelaunt bin, und meinen Mann manchmal anmaule und meinen Kindern nicht immer am Morgen als erstes die Spängchen ins Haar schiebe,

 

was denken die sich, wenn sie sehen, was bei uns am Frühstückstisch steht und wie schlampig wir die Handtücher ausbreiten zum Trocknen?

 

Wie gesagt, wir hatten nette Nachbarn.

 

Noch am Tag, als wir angekommen waren, begannen die Kinder, sich Briefchen durch die Bretterritzen zu stecken. Bald haben sie Spielsachen drunter durchgeschoben, irgendwann wurde das erste Kind drüber gehoben.

 

Der Herr Nachbar hat sachkundig festgestellt, dass man die Bretter nach oben aus der Führungsschiene rausmachen kann;

 

Tag für Tag wurde immer mal wieder eins rausgenommen; irgendwann konnten die Kinder allein drübersteigen.

 

Es war Vertrauen gewachsen, vor allem bei mir - dass mich die anderen ruhig anschauen dürfen. Sie tun mir nichts.

Hier geht es nicht drum, eine Prüfung zu bestehen oder eine Medaille zu gewinnen.

 

Sie werden mich auch dann noch respektieren und mögen, wenn sie sehen, dass ich auch Schundliteratur lese im Urlaub; und mal werden sie beobachten, wie ich meine Kinder anraunze, mal werde ich sehen, wie sie die ihren anknurren,

 

mal werden wir die Freaks sein in ihren Augen, und mal werden wir uns ein wenig wundern. Wie auf der Kinderwippe - mal der eine merkwürdig, mal der andere, mal der eine stärker, mal der andere.

 

Albert Schweitzer hat geschrieben: „Viel Kälte ist unter den Menschen, weil wir nicht wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir sind!“

 

Unser Bild vom Mitmenschen und unser guter Wille soll mit Gottes Willen und seinem wohlwollenden Blick auf die Menschen so sehr eins werden, wie es Jesus vorgelebt hat.

 

Dann haben wir es weder nötig, uns voreinander zu verstecken noch unsere Stärken auf dem Silbertablett vor uns herzutragen; und wenn jemand unsere Hilfe braucht, dann denken wir gar nicht lang drüber nach -

 

dann langen wir hin und helfen, und zwar durchaus manchmal auch über die eigenen Schmerzgrenzen weg. Mal der eine, mal der andere. Wir wagen, uns so herzlich zu geben, wie wir wirklich sind;

 

... und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Amen.

 

 
Himmelfahrt: Wir sollen eins sein. PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 09. Mai 2013 um 10:46 Uhr

(Die Himmelfahrtserzählung wird vorgelesen;

- Die Osterkerze wird ausgeblasen.)

 

Liebe Brüder und Schwestern,

 

schade.

 

Alle Jahre wieder ist meine innere Antwort auf die Himmelfahrtsgeschichte ein leises Bedauern - weil ich mich mit den Jüngern ein wenig identifiziert, sie auch ganz schön beneidet habe um diesen Zustand nach der Auferstehung:

 

Sie haben ihren Freund und Meister wieder;

unbeschadet, alles ist gut ausgegangen;

 

die Gemeinschaft ist jetzt nicht mehr bedroht von seinen Feinden, denn was soll ihm nach der Kreuzigung noch passieren;

 

ihnen ist Jesus sozusagen sicher, sie haben ihn hautnah um sich herum, ich beneide sie glühend!

 

So hätt ich das auch gern!

 

Zwar haben nur die Leute unmittelbar in der räumlichen Nähe was davon. Wer 50 km weg wohnt oder in einem anderen Land, der hat nichts von der Auferstehung. Aber vielleicht ist das den Freunden von Jesus in der glücklichen, privilegierten Nähe unmittelbar um ihn herum erstmal egal, Hauptsache, er ist da.

 

Sie haben den vollen Ertrag von Weihnachten, sozusagen:

Gott ist nicht Gott geblieben, abgehoben, ein selbstzufriedener Götze irgendwo auf einer Wolke, sondern er ist Mensch geworden.

Hat sich mit ihnen, den Menschen, und damit auch mit uns identifiziert.

 

Aber: das ist nur die eine Seite der Medaille und nur die eine Hälfte vom Glück.

 

Jetzt muss noch die Gegenrichtung kommen:

 

Jetzt muss sich Jesus, müssen wir Jesus auch wieder mit Gott identifizieren. Wenn Jesus nur ein toller Mensch war, nicht mehr - dann ist er ein moralisches Idol, so wie - ? Albert Schweitzer oder Gandhi oder Mutter Theresa. Und das ist Jesus (!) zu wenig.

 

Das wäre wieder wie bei dieser Geschichte von Otto Waalkes, der einen ganzen Packen Hunderteuroscheine am Bürgersteig findet, zusammengehalten von einem dicken Gummiband;

 

und er bückt sich danach, hebts auf, jubelt laut und ruft, prima, so ein Gummiband kann man immer gebrauchen! Ziehts ab, das Geld wirft er weg, lässt die Scheine achtlos davonflattern, aber er steckt das Gummiband sorgsam in seine Hosentasche und geht seiner Wege.

 

So wärs, wenn wir an Jesus nur das moralische Vorbild sehen.

Wir lassen das wichtigste achtlos davonflattern,

 

das Kostbarste: nämlich dass dieser Jesus Gott ist. für alle.

 

Deshalb Himmelfahrt.

Deshalb besteigt Jesus seinen Thron im Himmel, nimmt seinen Ehrenplatz ein zur Rechten des Vaters und ist nicht nur ein toller Freund für ein paar Fischerleute in Israel, sondern der Herrscher über Himmel und Erde, über Leben und Tod, über alle Zeiten hinweg, der von sich sagt: siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.

 

Und wer jetzt stirbt, der stirbt nicht aus dieser Gemeinschaft heraus, sondern wechselt lediglich aus einer Hand Gottes in die andere hinüber.

 

Deshalb der Abschied von seinen Freunden am Himmelfahrtstag, am Vatertag: die Jünger müssen ihn sich vom Herzen reissen, müssen diesen letzten Schritt noch mit ansehen und ertragen;

 

und der ist gekoppelt mit diesem Gebet Jesu, aus dem wir seinen letzten Willen herauslesen können, worauf es ihm am allermeisten ankommt für seine Freunde und für uns alle:

 

Jesus betet ein großes Fürbittgebet für seine Jünger und auch für alle, die durch diese Jünger und ihre Nachfolger erst zum Glauben kommen, und damit letztlich auch für uns.

 

Dort heisst es:

 

Wie du mich in die Welt gesandt hast, so sende ich sie (die Jünger) in die Welt. Ich bitte aber nicht nur für sie, sondern für alle, die durch ihre Worte von mir hören werden und an mich glauben:

 

Sie alle sollen eins sein, genau so, wie du, Vater, mit mir eins bist.“

(Joh 18, 20)

 

Es scheint auf nichts so sehr anzukommen wie auf die innere Einheit unter uns Menschen. Nicht im Sinne von Einheitlichkeit und ständiger Einmütigkeit; die mündet in geistige Tyrannei, und die dazugehörigen Parolen und Zwänge haben viel Unheil angerichtet in der Welt. Aber was uns Jesus abverlangt, ist ein beständiges Ringen darum, sich zu verstehen, sich verstehen zu wollen.

 

Aneinander dranzubleiben und einander nicht abzuschreiben, den Dialog aufzugeben, achselzuckend, weil das scheinbar eh nichts bringt - man sagt dann gern großzügig, „ich sag nichts mehr, um des lieben Friedens willen.“ Aber vorsicht. Diesen Frieden muss man genau anschauen. Vielleicht ist es kein lieber Frieden, sondern ein fauler Frieden.

 

Zum Leben gehören ständig Wechsel und Veränderungen, und nicht nur zur Sonnenseite hin. Und wo auch immer Menschen miteinander umgehen, nicht zuletzt auch miteinander arbeiten oder miteinander leben, da müssen sie sich verstehen - und werden sich immer wieder fast zwangsläufig falsch verstehen.

 

Wie schnell geht die Basis einer Zusammenarbeit verloren,

wie schnell ist ein gemeinsames Fundament in Frage gestellt und bedroht; wie schnell sind Menschen verletzt und Konflikte entstanden.

 

Das ist nicht weiter tragisch; aber wie gehen wir damit um?

 

Konflikte kann man totschweigen.

Die Versuchung ist groß.

 

Über was ich nicht rede, dem muss ich mich auch nicht stellen,

meine Gefühle kann ich verbergen und scheinbar den anderen damit auch noch schonen, „ich verschone euch mit meinen Gefühlen!“, kann ich dann sagen, und mich auch noch gut damit fühlen.

 

Das geht übrigens auch, wenn jemand unglaublich viel redet.

(Oder permanent Emails schreibt.), und dabei wahnsinnig freundlich ist.

Trotzdem kann man über wesentliches schweigen und damit eine echte Verständigung, echte Einheit verhindern.

 

Jesus möchte aber, dass wir alle eins sind -

nicht gleichgeschaltet in der inneren Emigration,

sondern aneinander dran und ringend um das Verständnis,

 

und da ist Totschweigen von Konflikten und Geheimhalten von Gefühlen genauso schädlich, vielleicht sogar genauso lieblos wie auszurasten und sich anzuschreien.

 

Wir sollen unsere Mitmenschen nicht schonen.

Wir sollen sie respektieren,

ihnen zugestehen, dass sie auch gut sein möchten und tüchtig und hilfreich,

 

und wenn wir streiten, sollen wir nicht unseren Kopf durchsetzen und Recht behalten, sondern Gefühle zeigen, Verletzungen weder verdecken noch runterschlucken, sondern unsere Erwartungen kommunizieren: gib dem anderen eine Chance, sag ihm, was du von ihm willst.

 

Vielleicht lässt sich im Gespräch neues Vertrauen aufbauen zueinander; unterm Strich ist es sicher besser, ist es Jesus lieber, wenn wir uns ehrlich miteinander streiten als einen faulen Frieden zu wahren.

 

Anstrengend.

Mühsam.

 

Solo kommt man oft schneller an Ziel.

 

Im Team muss man alles immer erst umständlich erklären,

und an vielen Stellen muss man dann Zugeständnisse machen und das Ergebnis ist vielleicht längst nicht mehr 100% das, was man sich selber ausgedacht, was man angestrebt hat.

 

Aber ein langsamer Marsch eines Teams ist kraftvoller als der Sprint eines Einzelkämpfers,

 

und was man gemeinsam zustandebringt, hat das bessere Fundament - wenn man den Ehrgeiz hat, die Talente und die Ressourcen von vielen mit einzubringen. Weil Jesus alle im Ziel haben will - nicht nur die Einzelkämpfer.

 

Wir werden es sehen, jetzt am Wochenende auf der Freizeit in der Langau; fünfzig Leute nehmen dran teil, und fast die Hälfte davon sind in irgendeiner Weise Mitarbeiter - nicht Konsumenten, nicht Kunden, sondern im besten Sinne Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aktiv in einem gemeinsamen Projekt, das nur miteinander gelingt.

 

Und wir müssen einander zugestehen, dass der andere vielleicht anders ist. Anders denkt. Fühlt. Lebt. Arbeitet. Anders feiert.

 

Dass anderen andere Dinge wichtig sind, vielleicht wichtiger als mir, oder weniger wichtig, und ich muss ihnen zugestehen, dass auch sie gut sein wollen - ich darf nicht einfach nur um die anderen herumwurschteln und sie selber dabei ignorieren. Fauler Friede.

 

Ich kann den anderen nicht ändern,

aber Jesus möchte, dass wir mit offenem Visier miteinander leben und und offen miteinander umgehen, statt uns zu verstecken - oder am Ende gar aus dem Versteck raus zu intrigieren.

 

Sie alle sollen eins sein, genau so, wie du, Vater, mit mir eins bist.“

 

Nicht vierzig, fünfzig Einzelkämpfer möchte Jesus hier in Laudate sitzen sehen, sondern eine Gemeinde, und dieses Geflecht untereinander ist ihm mindestens genauso wichtig wie die Frömmigkeit des Einzelnen und Ihre jeweilige persönliche Integrität.

 

Stellen wir uns in Gedanken mit zu den Jüngern am Himmelfahrtstag. Eben noch hat Jesus mit ihnen gesprochen, und als er emporgehoben wird und aufgenommen von einer Wolke, da folgen sie ihm mit den Augen und schauen ihm nach, bis er verschwunden ist - und bis zwei Engel sie ansprechen und sie fragen: „was steht ihr da und schaut zum Himmel?“

 

Hier auf Erden spielt die Musik, hier sind die Beziehungen, um die wir ringen müssen, und wenn uns in der Kirche einfällt, dass wir mit einem unserer Brüder und Schwestern noch einen Konflikt haben, sollen wir alles stehen und liegenlassen hier in der Kirche und erst zu diesem Bruder, zu dieser Schwester, gehen und das in Ordnung bringen - und dann kommen wir zurück in die Kirche.

 

Ich bin kein Freund von solchen großen Gesten, aber heute machen wir das mal, was in vielen Gemeinden vor jeder Abendmahlsfeier gemacht wird; wenn jetzt die Orgel spielt, reichen Sie den Menschen rechts und links von sich in der Bank die Hand und sagen, Frieden sei mit dir.

 

Sie tun es stellvertretend für die vielen, mit denen Sie leben, und geben dem anderen und sich selbst damit ein Versprechen, um Verständnis miteinander und füreinander zu ringen, einander nicht abzuschreiben, sondern zu leben mit offenem Visier; denn

 

wir alle sollen eins sein, genau so, wie Gott Vater mit seinem Sohn eins ist im Himmel.“ Amen.

 

 

 

 

 

 

 
Bibelarbeit: Sintflut und Verheißung PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Regionalbischöfin Susanne Breit-K   
Freitag, den 26. April 2013 um 10:21 Uhr

Und Gott sagte zu Noah und seinen Söhnen mit ihm:

 

9 Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen

10 und mit allem lebendigen Getier bei euch, an Vögeln, an Vieh und an allen Tieren des Feldes bei euch, von allem, was aus der Arche gegangen ist, was für Tiere es sind auf Erden.

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