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Predigten
Predigt zu Epiphanias PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Montag, den 07. Januar 2019 um 07:25 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

ich bin ja immer etwas betrübt, wenn im Advent schon die Christbäume geschmückt werden, nicht erst am Heiligen Abend;

aber richtig traurig find ich das jetzt, wenn die Leute schon die abgeräumten, die abgehalfterten Bäume hinter sich her zu den Sammelstellen zerren und sie dort zu großen Haufen aufeinanderschmeißen, obwohl doch Weihnachten noch gar nicht vorbei ist.

Heut ist doch erst Epiphanias, "Heilig Drei König" bei den Katholiken,

und diese Weisen aus dem Morgenland treffen doch nicht auf Christbaum-Sammelstellen und diese Organisations-Schachteln von Tchibo, wo man die Krippe und die Kugeln und die Lichterketten ordentlich wegverstaut bis zum nächsten November (oder Oktober, je nachdem) -

sondern die kommen zur Krippe! - und beten an.

Das Christkind ist doch immer noch da.

Diese Sensation des göttlichen Kindes - die ist doch nicht nach ein paar Tagen abgearbeitet wie das Festessen (Raclettekäse!) und der Gabentisch am Heiligen Abend, sondern wie bei jedem Menschenkind geht es mit dem Wickel- und Säuglingsalter jetzt erst so richtig los.

Bei den Krippen in den Kirchen oder auf Gemälden von der Weihnachtsgeschichte können sich die Künstler ja an den Weisen aus dem Morgenland gestalterisch so richtig "austoben", an den Kamelen und Elefanten, den bunten Gewändern, den Kronen und dem Schmuck... Und dann erst die Geschenke!

Während manches Kripperl durchaus im Oberland irgendwo stehen könnte: in Berchtesgaden vielleicht - mit Kaspar, Melchior und Baltasar wird´s exotisch und prachtvoll.

(Heribert Prantl sprach in der SZ mal vom "religiösen Zirkus Krone.") er schreibt: "Das exotisch Fremde hält Einzug in die Frömmigkeit, das zauberhaft Andere in der vertrauten, ins Heimische transportierten biblischen Szenerie."

Der Horizont unserer Weihnachtsgeschichte weitet sich:

raus aus der Wohnzimmeratmosphäre, wo unsere Christbäume und Gabentische stehen:

Wir waren neulich in einer Weltraum-Ausstellung, da war die Erdkugel dargestellt im Kreis der anderen Planeten im All; der eine eher braun und die Oberfläche voll Krater, der nächste hell wie die Wüste, bleich wie der Mond... Nur die Erde blau und grün und bewohnt, voller Leben.

Es lässt einen schon tief Luft holen und staunen, um sich vorzustellen: Genau hier, ausgerechnet auf diesem Planeten hätte sich Gott persönlich in einem Menschenkind irgendwo in einem Stall uns Menschen gezeigt.

Und dann erforschen Wissenschaftler diesen Weltraum, heute nicht anders als damals die Magier, die Weisen, die Sterndeuter aus dem Morgenland; genauso wie es heute Menschen gibt, die die Natur erforschen, oder immerhin fasziniert von ihr sind,

nur dass die sogenannten Heiligen drei Könige ganz offensichtlich in der Wissenschaft nicht die Erfüllung gefunden haben. In der Moderne gibt es ja immer wieder Menschen, die sagen, "ich suche Gott in der Natur, ich finde ihn eher auf einem Berggipfel oder beim Blick in den Sternenhimmel als in einer Kirche!"

Genau da, wo diese Menschen hin wollen - da kommen im Gegenteil die Weisen aus dem Morgenland her.

Sie sind von der Natur, von aller Wissenschaft unbefriedigt genug, sind neugierig und wissensdurstig genug, um einem Stern nachzuwandern bis zur Krippe in Betlehem.

Die Schriftgelehrten in Jerusalem, die Theologen, die sozusagen bloß um die Ecke gewesen sind, die sind nicht im Stall aufgetaucht. Die Naturwissenschaftler aus dem Orient schon!

Daran musste ich heuer bei der Konfirmation denken, vielleicht war von Ihnen jemand dabei.

Ines Hütter und ich hatten die muslimische Gemeinde eingeladen zur Konfirmation. Denen hatten wir ja durch Herrn Krause zum Fastenbrechen gratuliert; und jetzt haben im Gegenzug sie eine Delegation geschickt aus Jugendlichen und Erwachsenen, und unseren Festgottesdienst mitgefeiert und ein Grußwort gesprochen.

Da haben manche von uns etwas Mühe gehabt damit. Ich versteh das gut.

Dieses Bild von den orientalischen Weisen im Stall von Betlehem ist deshalb ein wichtiger Hinweis, eine Aufforderung, eine wichtige Mahnung: grenzt euch nicht ab gegeneinander, sondern geht im Gegenteil aufeinander zu.

Wir finden Gott nicht gegeneinander, im religiösen Wettlauf. Im Wettkampf. Die Könige sind ja offensichtlich nicht um die Wette gerannt. Es war auch egal, wer als erster an diese Krippe kommt. Die konnten sich ruhig absprechen, sich helfen bei der Orientierung, ruhig gemeinsam gehen, gemeinsam suchen, gemeinsam ankommen, gemeinsam anbeten;

und genauso können wir heute ruhig aufeinander zugehen, auch auf die Fremden, auch auf die Orientalen. Wir können, wir sollen gemeinsam suchen, miteinander, auch aufeinander warten, uns absprechen, aufeinander achten,

und uns gemeinsam führen lassen ins Unbekannte.

Ob das die Suche ist nach der religiösen Wahrheit,

oder einfach nur die Unsicherheit eines neuen Jahres, miteinander:

gemeinsam mit Naturwissenschaftlern,

gemeinsam mit Jugendlichen und Alten,

gemeinsam mit den Flüchtlingen,

gemeinsam auch mit den Katholiken und den Moslems

und mit all dem anderen Fremden, was diese Welt an Buntheit und an Staunenswertem zu bieten hat.

Eine Gesellschaft, vor allem auch eine Gemeinschaft von Christen muss Fremdes annehmen, muss sich bereichern lassen können und offen sein für das Ungewohnte und Neue.

Ich zitiere nochmal Heribert Prantl, er stellt fest: "Die Christen und die, die es einmal gewesen sind, tun sich manchmal schwer mit dem Islam-Dialog - oft auch deswegen, weil sie dem muslimischen Glaubensstolz und der Inbrunst vieler Muslime nicht viel entgegenzusetzen haben." (Zitatende - ) -

zum Beispiel, weil sie die Grundlagen des eigenen Glaubens gar nicht so recht kennen und:

weil hier immer von einem Kind die Rede ist an Weihnachten.

Was soll das mit diesem Kind? einem Gott als Baby, einem Baby als Gott?

Hier geht es ja nicht einfach drum, ein bürgerliches Kleinfamilienidyll zu zementieren:

in der Mitte das niedliche Einzelkind, Fürsorgeobjekt seiner Helikoptereltern, daneben, demütig kniend, die junge Mutter, die ihre Erfüllung darin findet, entbunden zu haben und künftig den Haushalt zu führen, während im Hintergrund der tapfere Ernährer über alle die Wache hält -

wenn Weihnachten nur dabei stehen bleibt, bei Rührung und Niedlichkeit und Idylle, dann hat es keinen tieferen inneren Wert.

Drum ist es für viele auch immer so schnell vorbei.

Ich erinnere mich an die Weihnachten meiner Kinderzeit; an Heilig Abend war alles idyllisch, mit leuchtenden Augen bei meinem großen Bruder und mir;

und spätestens am Nachmittag des nächsten Tages hatten wir Bauchweh von den Plätzchen und haben uns um die Geschenke gestritten.

Mein Vater wusste da immer ein schönes Fremdwort dafür, er nannte das "hedonistische Adaption", die Gewöhnung an den Genuß; meine Mutter hat das gleiche auf Deutsch gesagt und obendrein noch gereimt: "Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen!" Die Idylle von Weihnachten provoziert nicht mehr. An das Gute und Schöne gewöhnt man sich viel zu schnell.

Drum kommen da auch viele immer noch in die Kirche, die mit dem Glauben an einen allmächtigen, starken Gott ihre Schwierigkeiten haben: von Allmacht ist ja beim Christuskind keine Rede. Alles, was man Gott vorwerfen möchte: -

dass er das Leid und den Krieg nicht verhindert,

- dass er Krankheit und Hunger duldet,

- dass er nicht eingreift,

das kommt ja alles in der Krippe nicht vor.

Mit einem Baby kann man nicht diskutieren, das kann man nur anhimmeln.

Verfremden wir einmal versuchsweise unser Weihnachten! (es ist ja nicht mehr Heiliger Abend, wir sind wieder unter uns, da darf ich Ihnen mal etwas zumuten, darf provozieren, damit wir verstehen, was die ganze Geschichte eigentlich soll.)

Dazu müssen Sie ausprobieren, das nennt man negative Visualisierung.

Hab nicht ich erfunden, ist aus der Stoa; probieren Sie es mal aus.

Schließen Sie Ihre Augen und stellen Sie sich mal ausführlich vor, wie es zum Beispiel wäre, wenn Ihnen - ein Bein fehlt. Das rechte von mir aus. Malen Sie es sich ganz genau aus. Was das bedeuten würde für Ihren Alltag:

- was schwieriger werden würde,

- was fortan ganz unmöglich wäre;

- was Sie brauchen würden, an Umbauten etwa: zum Beispiel in Ihrem Bad, in Ihrer Wohnung, - zum Autofahren,

- für alle Verrichtungen und Erledigungen im Alltag: Krücken, Rollstuhl, Medikamente, Ärzte, ein Krankenhaus... stellen Sie sich alles ganz genau vor.

Wenn Sie dann Ihre Augen öffnen - dann werden Sie vielleicht genau dieses rechte Bein besonders schätzen.

Paulus macht das genauso, nur nicht mit dem rechten Bein, sondern mit der Liebe, im ersten Korintherbrief, ich les ein paar Verse:


Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und meinen Leib dahingäbe, mich zu rühmen, und hätte der Liebe nicht, so wäre mir's nichts nütze.

Und das macht Gott mit der Weihnachtsgeschichte mit uns.

Wir sollen uns einmal vorstellen, Gott wäre wirklich hilflos und schwach.

Vielleicht ist eine Krippe dazu viel zu vertraut;

Nehmen wir also für diesen Versuch statt einem Baby ein anderes Symbol für echte Hilflosigkeit, für Bedürftigkeit und dafür, auf andere angewiesen zu sein:

stellen wir uns kein Baby vor, sondern einen alten Menschen, und nicht einen rüstigen Rentner, wie der Herr Meister einer gewesen ist, aufrecht, mit Rollator und Hut,

sondern stellen wir uns einen echten Pflegefall vor. Im Pflegebett. Mit Gittern rechts und links, und mit Dekubitusmatratze.

und als solcher zeigt sich uns Gott in der Krippe. Hilflos.

Malen Sie sich aus, Gott wäre wirklich hilflos.

Was das bedeuten würde für uns und für unsere Welt.

Für unseren Alltag.

Für unsere Hoffnung.

Für den Sinn unseres Lebens.

Wenn Sie so einmal über Weihnachten nachdenken und dann die Augen öffnen, dann können Sie vielleicht Ihren ganzen Glauben und alles, was Sie sonst noch wissen von Gott, wieder richtig schätzen. Wie das rechte Bein.

Gott sei Dank ist die Krippe nicht alles.

Gott sei Dank ist Jesus nicht klein geblieben, nicht hilflos und schwach, nicht niedlich und harmlos,

Gott sei Dank ist Weihnachten mehr als Idylle und Krippe und Stille Nacht: Christus, der Retter, ist da! Frohe Weihnachten.

Amen.

 
Predigt zum Ewigkeitssonntag 2018 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 29. November 2018 um 13:42 Uhr

Liebe Brüder und Schwestern,

mein großer Bruder ist nur knapp zwei Jahre älter;

als Kinder hatten wir, wie vermutlich viele Geschwisterpaare, ein wechselvolles Verhältnis, mit stürmischen und sonnigen Zeiten.

Wenn meine Mutter einen Blick ins Kinderzimmer geworfen hat, fand sie uns mal friedlich versunken ins gemeinsame Spiel, mit seinem Teddybären (dem Cositeddy) und meiner Puppe Uschi; dann hat sie sich leise zurückgezogen und die Tür wieder angelehnt, um nur ja nicht die Idylle zu stören.

Und mal musste sie dazwischengehen, wenn wir uns in den Haaren hatten.

So oder so, zur Schlafenszeit wurden wir immer in getrennten Räumen ins Bet gebracht, und gerade nach Raufereien hat sie sehr energisch unsere Zimmertüren geschlossen, damit die Handgreiflichkeiten nicht wieder aufflammen konnten.

Aber über der Tür waren Oberlichte.

Im Gang brannte die Deckenlampe, ihr Schein fiel ins Zimmer;

das hat mir immer gut getan, denn dann hab ich gespürt, die Mama ist da, das beruhigt,

und ich hab auch gewusst, dass mein Bruder im anderen Zimmer dieselbe Oberlichte hat. Das Licht aus dem Gang fällt auch in sein Zimmer, und so blieben wir beide der Mama und einander verbunden. Mehr als wenn jeder sein eigenes Lämpchen angehabt hätte.

Und so ähnlich, bildlich gesprochen, stehen wir Lebenden in Verbindung zu unseren Verstorbenen.

Wir sind in getrennten Räumen - aber in beide fällt das Licht aus derselben Quelle,

beide sind sanft in den Schimmer von Gottes Liebe getaucht und erhellt,

und es beruhigt zu wissen, auch der andere ist in Sicherheit, ist geborgen und und weiter mit mir verbunden.

Man sagt ja zum Sterben auch bildlich, ein Mensch "geht ins Licht", wenn er stirbt.

Viele von Ihnen sind heute hier, weil jemand aus Ihrem Umfeld ins Licht gegangen ist,

im vergangenen Kirchenjahr, hier aus Garching,

oder schon sehr viel früher oder auch ganz woanders, aber in jedem Fal jemand, der Ihnen verbunden war. Für manchen Sterbenden, manche Sterbende war der Tod vielleicht wie eine Erlösung, und sie wollten vielleicht auch gar nicht mehr länger leben.

Für andere war es zu früh. Sie hätten vielleicht noch was vorgehabt, hätten noch etwas erledigen wollen, waren vielleicht zu jung.

So oder so mussten Sie als die Angehörigen den schweren Part übernehmen, zurückzubleiben, weiter zu leben, ohne den anderen oder die andere; wie mag es Ihnen wohl mit dieser Aufgabe gehen?

Spüren Sie manchmal die Sehnsucht, auch zu sterben? hinterherzusterben, weil die Trauer so furchtbar weh tut? einfach, damit der Schmerz aufhört? oder um den Verstorbenen wieder nahe zu sein?

Oder gibt es etwas oder jemanden, das oder der Sie hält, etwas, was Sie noch zu erledigen haben oder noch erleben möchten, so dass Sie hoffen, bis zum eigenen Tod ist noch bisschen Zeit?

In unserem Bibelwort aus dem Philipperbrief ist Paulus fast hin- und hergerissen:

soll ich noch weiterleben wollen? oder soll ich mich in die Ewigkeit sehnen, mich nach dem Sterben sehnen, nicht nur, weil der Schmerz dann aufhört, sondern um, wie er es ausdrückt, "bei Christus zu sein"? Er schreibt, als hätte er da die Wahl.

Dabei liegt er ja im Gefängnis und wartet auf seinen Prozess, und es ist völlig offen, wie das ausgehen wird: es kann sein, dass er freikommt, und damit rechnet er letztlich auch.

Dann will er weiter missionarisch arbeiten und von Gott erzählen, Gemeinden gründen und den Glauben verbreiten.

Es kann aber durchaus auch sen, dass er verurteilt wird.

Dass er hingerichtet wird und sterben muss - und beides, so schreibt er, soll ihm recht sein.

Wenn er stirbt, dann ist er eben "bei Christus". Er schreibt, das wäre ja sowieso sehr viel besser.

Aber so oder so - er lebt und er stirbt für Christus, und ihm und nur ihm ist er anvertraut und auch ausgeliefert - nicht einem unberechenbaren menschlichen Justizsystem. Sondern nur seinem Gott.

Wie es wohl mit Ihren Herzenszuversichten aussieht?

Früher wa man sich sicher, irgendwas ist ganz bestimmt nach dem Tod.

Ma hat nicht gewusst, ob es Himmel und Hölle gibt und wie man sich das den vorstellen soll,

aber man war sich auf jeden Fall sicher, dass etwas kommt nach dem Tod.

Dass es weitergeht.

Wie geht es Ihnen damit? Sagt Ihnen diese alte Glaubensgewissheit selbst noch was?

Paulus schreibt im Philipperbrief: "Ich habe Lust, aus der Welt zu scheiden und bei Christus zu sein!"

Wenn ich das meinem Psychiater sage, erhöht er die Dosis der Medikamente gegen Depressionen.

Wer sehnt sich schon nach dem Tod? Abe auch Paulus sehnt sich ja nicht nach dem Tod, sondern er sehnt sich danach, bei Christus zu sein, eben gerade nicht tot, sondern im Licht.

 

Der Tod ist das Sicherste, und zugleich auch das Unsicherste für uns Menschen,

aber für Palus ist sonnenklar: wir sind zur Auferstehung bestimmt,

wir werden bei Christus sein, und sich danach zu sehnen heisst, sich nach ewigem Leben zu sehnen, und gerade nicht nach dem Tod.

Wenn wir hierher in die Kirche kommen, wenn wir singen und beten, wenn wir Lesungen aus der Bibel und eine Predigt hören, dann um uns Gottes Licht auszusetzen. Wir schauen auf zu ihm, so wie ich im Kinderzimmer zu dieser Oberlichte geschaut hab: um was von diesem tröstlichen Licht zu erwischen, mich und mein dunkles Zimmer von diesem Licht bescheinen zu lassen, das mich mit den Eltern und dem Bruder verbindet. Tun Sie es hier ganz bewusst - und vielleicht auch einmal bei sich zu Hause, im Lieblingssessel vielleicht:

Setzen Sie sich aufrecht hin, nehmen bewusst Ihre Umgebung war, atmen ein paar mal bewusst ein und aus - und dann stellen Sie sich bildlich dieses Licht vor, wie es von oben auf Sie herabfließt und Sie erleuchtet und Sie buchstäblich anfüllt - Sie von innen raus wärmt und aufhellt, von den Zehen aufwärts bis hin zum Kopf.

Dabei schmilzt dieses warme Licht der Liebe Gottes alles weg, was verhärtet und schmerzlich ist, und löst auch den Schmerz und die Trauer behutsam auf... Trauen Sie das Gott zu?

Wir haben ja mancherlei Rituale, die uns ein wenig trösten und helfen sollen.

Wir besuchen und schmücken die Gräber, wir stellen Bilder von unseren Verstorbenen auf und zünden Kerzen davor an, wir bewahren Erinnerungsstücke, manche heben Kleidung auf und tragen manches vielleicht sogar.

Ich hüte von meinen verstorbenen Eltern alles, was ihre Handschrift trägt und mich deshalb besonders innig und unverwechselbar an sie erinnert.

Aber naürlich erinnert die Handschrift an eine Hand, die es nicht mehr gibt;

die Kleidung an einen Körper, der nicht mehr da ist,

und die Bilder an ein Zeit in der Vegangenheit, als wir noch im selben Raum waren, die jetzt Verstorbenen und wir.

Da ist, wie manche Menschen beim Einschlafen am Nachtkästchen ein Lämpchen brennen lassen oder ein Licht in die Steckdose anstecken, ein eigenes Lämpchen, das Orientierung gibt. Nicht, wie in meinem Elternhaus, ein Licht, das von draußen im Gang ins Zimmer fällt.

Wenn wir uns mit Gott in Verbindung setzen durch das Gebet, durch den Glauben, im Abendmahl und mit der Bibel - dann bringen wir uns mit dem Raum in Verbindung, der über unseren Lebensraum, unser Lebenszimmer hinausgeht und uns wirklich, auch gegenwärtig, lebendig verbindet. Indirekt verbunden hält mit dem Raum, in dem unsere verstorbenen Lieben jetzt bewahrt werden und leben, im Licht, bei Gott.

Und dort, bei Gott, sozusagen draußen, jenseits unserer Türen, ist das Licht nicht geblieben; nächsten Sonntag ist erster Advent. Es beginnt die Zeit der Vorfreude auf das Fest, dass Gott mit seinem Licht in die Welt gekommen ist, auch in die Dunkelheit unserer Trauer.

Überall werden Lichterketten aufgehängt, leuchtende Lichtpunkte in der Dunkelheit; nehmen Sie die alle als Hinweis auf unseren Gott, der mit deinem Licht in unsere Dunkelheit kommt und uns lebendig verbunden hält mit unseren Verstorbenen im Nebenzimmer.

Jedes Sternchen, es sei am Himmel, im Supermarkt oder an einer Dekoration irgendwo, ist wie ein Gruß von denen, die ins Licht gegangen sind und mit uns leben, bei Gott.

Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn; und wir sind alle bestimmt zur Auferstehung und um bei Christus zu sein.

Amen.

 
Predigt zum Buß- und Bettag 2018 PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Kathrin Frowein   
Donnerstag, den 29. November 2018 um 13:37 Uhr

Offb 3, 14-22
Rev. 2014: Lk 13, (1-5)6-9 (Evangeliumslesung - s. Reihe I)

Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: Das sagt, der Amen heißt, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang der Schöpfung Gottes:

Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach, dass du kalt oder warm wärest!

Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.

Du sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts! und weißt nicht, dass du elend und jämmerlich bist, arm, blind und bloß.

Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest, und weiße Kleider, damit du sie anziehst und die Schande deiner Blöße nicht offenbar werde, und Augensalbe, deine Augen zu salben, damit du sehen mögest.

Welche ich lieb habe, die weise ich zurecht und züchtige ich. So sei nun eifrig und tue Buße!

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich hineingehen und das Abendmahl mit ihm halten und er mit mir.

Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.

Wer Ohren hat, der höre, was der Geist den Gemeinden sagt!

Lieber Brüder und Schwestern,

manchmal krieg ich Blumen geschenkt - dienstlich, wenn jemand besonders dankbar ist für eine gelungene Feier zur Taufe oder Hochzeit oder so, oder privat, aus Sympathie oder bei einer Einladung.

Ich genieße dann den Duft, bewundere die Farben, die feinen Blütenblätter, Kunstwerke der Natur; ich staune auch über die Komposition, frage mich, verdiene ich überhaupt Blumen?

Wenn mich die Leute besser kennen würden, wenn sie wüssten/gewusst hätten, wie unvollkommen, wie wenig zufrieden ich oft mit mir bin - ob sie mir dann immer noch Blumen geschenkt hätten?

Ich konzentriere mich auf eine der Blüten, wie filigran und zart sie gemacht ist; in der Bibel steht, "seht ihr die Lilien auf dem Felde? Selbst Salomo in all seiner Pracht ist nicht gekleidet wie eine von ihnen...." (),

und ich schau an mir selber runter und bin unzufrieden mit mir und denke,

ich müsste doch eigentlich viel besser sein, oder? Viel mehr aus mir machen, perfekter sein, vollkommener, schließlich bin auch ich ein Kind Gottes, ein Werk meines Schöpfers,

und wenn es selbst eine Blume hinkriegt, perfekt zu sein, dann sollte ich das doch auch.

Ich müsste mich nur mehr anstrengen.

Vielleicht kennt das jemand von Ihnen so oder so ähnlich?

- ich stelle als Hinweis für diese Überlegung einen Rosentopf auf den Altar. (Es sind Plastikrosen, das macht nichts,) ich komme später nochmal darauf zurück.

Und Sie sind vielleicht heute abend in diesen Gottesdiesnt gekommen, weil heute Buß- und Bettag ist, und da bringen wir unsere Scham hin und nehmen uns vor, wir machens in Zukunft besser. Strengen uns noch mehr an.

Liebe Brüder und Schwestern, Sie sind hier genau richtig!

und Ihnen und mir gibt Gott heute abend einen entscheidenden Hinweis. Er korrigiert einen Fehler in unserem Denken.

Schauen Sie nochmal den Rosenstock an: wenn das ein Symbol ist für unser Leben, dann sind wir alle nicht die perfekten Blüten!

Sondern wir sind der Topf. "Wir haben unseren Schatz in irdenen Gefäßen!", schreibt Paulus; unser Schatz ist Gott, ist das Evangelium, die Schrift und der Glaube - das sind die Rosen. Und die irdenen Gefäße sind wir. Blumentöpfe.

Schlichte Töpfe, ruhig mit Macken und Sprüngen und Kratzern, das stört nicht, weil kein Mensch bei Blumen als erstes den Topf anschaut, und der Topf muss auch gar nicht schön sein - er muss nur Topf sein. Und wir Menschen, wir müssen alle gar nicht perfekt sein; wir müssen nur Mensch sein.

In der Offenbarung steht, nackt und bloß und jämmerlich und arm und elend.

Und wir sollen kalt oder heiss sein!

Wir sollen einsehen, wir sind nur Menschen, mit diesem Fehler und jener Macke, mit Unebenheiten und Wunderlichkeiten! elend, jämmerlich, blind und bloß, auf Gott angewiesen mit jeder Faser unserer Existenz! Da können wir gern dran rumdoktern, wenn wir meinen; aber perfekter werden wir davon nicht.

Sich der Selbstoptimierung zu widmen ist bewundernswert.

Mancher bringt enorme Opfer. Teure Fortbildungen und Therapien, schweißtreibende sportliche Übungen, mancher quält sich mit Programmen und Trainingsplänen und manch geißeln sich mit Selbsterforschung und Schuldgefühlen.

Nur, dass jemand bereit ist, jegliches Opfer zu bringen, um ein besserer Mensch zu werden, bedeutet nicht zwangsläufig, dass einem das auch gelingt;

manchmal sind gescheiterte und immer wieder scheiternde Anstrengungen auch ein Hinweis auf etwas, was wir gar nicht ändern können.

Sie tragen gar nicht so viel Verantwortung, wie Sie glauben; dir Möglichkeiten, sich selbst zu verändern, sind begrenzt, und das anzuerkennen ist der Schlüssel.

Meine Tante Hanne sagte immer, auch eine magere Kuh ist immer noch kein Reh; im Bild mit den Rose gesprochen, die Blüte bleibt immer die Rose und auch beim perfektesten Topf schaut jeder doch erst die Rose an; und die ist perfekt. Und darauf kommt es an. Der Topf muss Halt geben, muss stabil sein, muss die Feuchtigkeit speichern und einen festen Stand verschaffen. Blühen muss er nicht. Dazu ist er nicht da, und das liegt nicht in seiner Macht.

Ich wäre wirklich gern ein perfekter Mensch. Friedfertig und seelenruhig, sanftmütig und geduldig, von innen heraus. Ich möchte nicht nur hin und wieder so tun, als wäre ich ein guter Mensch; ich wäre gerne ein guter Mensch. Bin ich aber nicht. Ich bin keine Rose. Ich bin der Topf.

Und meine Möglichkeiten, mich zu verändern, sind begrenzt. Mich optimieren - vom Topf zur Blüte - das wird mir nicht gelingen. Ich sollte nicht länger drüber grübeln, mich nicht länger deswegen grämen; ich lebe mit Voraussetzungen, die ich mir nicht ausgesucht habe.

Vielleicht bin ich von Natur aus ein wütender Mensch.

Dann ist es für mich ungleich schwieriger und anstrengender, freundlich zu sein, als für einen grundfreundlichen Menschen mit einem sonnigen Gemüt.

Und wenn ich chronisch schlecht gelaunt bin, dann kann ich mich mit dem nicht vergleichen.

Sollte ich auch nicht, das lässt mich nur verbittern und die Wut noch heftiger kochen.

Ob ich mit mir zufrieden bin oder nicht, das darf ich nicht daran messen, ob ich im Vergleich zu anderen freundlich genug war, sondern ausschließlich daran, ob ich mir im Rahmen meiner Möglichkeiten Mühe gegeben hab oder nicht.

Es zählt nicht der Output. Es zählt der Input. Und den kann ich steuern, auf den hab ich Einfluss.

Hab ich genug geschlafen? Hab ich gefrühstückt? Hab ich genügend Pausen gemacht? Hab ich mich um mich gekümmert? Hab ich Gymnastik gemacht, Musik gehört und eine Entspannungsübung gemacht? Hab ich Gott um Hilfe gebeten, hab ich Ruhe gesucht bei ihm?

Wenn ich das alles getan hab, und ich bin immer noch grantig,

dann muss ich mich dafür nicht schämen, sondern nach oben gucken, vom Topf zur Blüte, und mit den anonymen Alkoholikern sagen:

Herr, gib mir die Mut, die Dinge zu ändern, die ich ändern kann;

die Kraft, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,

und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

Vielleicht ist der Buss- und Bettag, ähnlich wie auch der Jahreswechsel oder der Geburtstag, ein Anlass für Sie, auf Ihr Leben zu schauen und kritisch zu prüfen: wo stehe ich? Was hab ich erreicht? Darf ich zufrieden sein?

Marktforscher tun das mit den Produkten ständig.

Aber unsere Biografie ist kein Produkt, ist nicht allein von Menschenhand; Sie können nicht alles steuern.

Da gilt auch schon für die Wirtschaft: entscheidender für den Geschäftserfolg ist womöglich viel mehr das Boot, in dem wir grad sitzen, als die Effizienz, mit der wir rudern. Mit anderen Worten:

Ob ein Produkt floppt oder boomt, liegt nicht nur an dem Produkt, sondern auch: - am Markt, - an der Zeit, - an der Weltwirtschaft,

an lauter Faktoren außerhalb des Produktes.

Und ob ein Mensch ein beeindruckendes Leben hinlegt oder nicht - das liegt an ganz vielen Faktoren, die er selber nicht in der Hand hat.

Wenn Sie mir einen technischen Vergleich erlauben: unser Leben ist nicht so sehr nur ein Fahrzeug, ein Auto zum Beispiel, das wir steuern könnten, wie wir das wollen.

Unser Leben gleicht mehr ganz allgemein dem Straßenverkehr. Das fließt, gesteuert von Gesetzen und Regeln, vom Verkehrsaufkommen, vom Wetter, von vielerlei völlig unabhängigen Faktoren nebeneinander gesteuert.

Und wenn ich für meinen Weg zur Arbeit viel länger brauche als jemand anders, dann heisst das nicht zwangsläufig, dass ich versagt habe. Ich muss mich jetzt nicht in Selbstvorwürfen zerfleischen, dass ich nicht schneller war als wer anders.

Aber möglicherweise sollte ich morgen dann ein anderes Verkehrsmittel nehmen (Moped) und eine andere Strecke, also die Faktoren beeinflussen, die ich beeinflussen kann. Damit bin ich beschäftigt genug.

Bezogen auf meine Sehnsucht, ein freundlicher, geduldiger Mensch für meine Umgebung zu sein, kann das etwa heissen, ich übe mich darin, Frieden für meine Seele zu finden; ich bemühe mich um gesunde Distanz zu meinen Gefühlen, zu einem guten Umgang, damit mich Wut oder Ärger oder Ungeduld nicht vergiften können.

Ich werde vermutlich weiterhin oft wie ein Rumpelstilzchen fühlen.

Ich werde vielleicht so tun, als sei ich keines; werd mich vielleicht manchmal so benehmen, als sei ich anders; aber ich bleibe ein innerlich manchmal sehr unfriedlicher Mensch.

Das Dichten und Trachten des Menschen ist böse von Jugend auf, stellt Gott schon nach der Sintflut fest. Das gilt auch für mich. Sonst hätte Christus nicht sterben müssen.

Aber ich akzeptiere, ich bin nur der Topf; ich muss mich nicht immer noch viel mehr anstrengen, um anders zu werden. Sehr viel anders werd ich nicht werden. Und ich brauch mich dafür auch nicht zu schämen. Ich bin nicht die Blüte. Ich bin der Topf.

Aber: ich bin Gottes Topf. Er kann mich, so wie ich bin, gebrauchen.

Und am besten gehts einem Blumentopf, wenn eine Blume hineingepflanzt ist; das ist seine Bestimmung. Genauso ist es mit uns Menschen: uns geht es am besten, wenn wir am innigsten mit unserem Gott verbunden sind, wenn wir Gefäße für ihn sind und mit ihm zu einer Einheit werden. Darauf hoffen wir, wenn wir der Ewigkeit entgegensehen;

und einen Moment lang dürfen wir diese Einheit immer wieder erleben beim Abendmahl. Gott gibt sich uns hin, und wir dürfen mit ihm verschmelzen und ihn uns einverleiben. Inniger geht es kaum.

Deshalb feiern wir heute Abend das Abendmahl.

Und vorher übergeben wir sie dem Feuer im Hof:

unsere Sehnsucht, immer noch besser, noch perfekter, noch erfolgreicher und unangreifbarer zu sein.

Unsere Schuldgefühle, dass wir uns nicht genug angestrengt haben,

unsere Scham, nur Menschen zu sein.

Das ist Buß- und Bettag.

Gott hat uns so gemacht, wie wir sind;

wir Menschen, wir müssen alle gar nicht perfekt sein; wir müssen nur Mensch sein. Und das ruhig heiß oder kalt, nicht nur irgenwie lau. Sondern so, wie wir sind.

Amen.

 
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